«Wir haben derzeit keine Reservetrams»

Die VBZ stellen eine Tramlinie vorübergehend ein. Stadtrat Michael Baumer erklärt, wie der Engpass entstehen konnte.

Die VBZ wollen mit den Massnahmen auch wieder Niederflurigkeit auf allen Linien gewährleisten.

Die VBZ wollen mit den Massnahmen auch wieder Niederflurigkeit auf allen Linien gewährleisten. Bild: Reto Oeschger

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Herr Baumer, die Tramlinie 17 wird eingestellt, der Fahrplan ausgedünnt. Dies alles, weil es zu wenige Trams hat. Die jüngsten Massnahmen der VBZ tönen nach Notfallszenario (zum Artikel). Wie sehr laufen die VBZ derzeit auf dem Zahnfleisch?
Derzeit sehr. Wir können nicht die Qualität anbieten, die wir im Fahrplan bezüglich Kapazität und Niederflurigkeit verkündet haben. Und wir haben derzeit vor allem keine Reservetrams. Das heisst, wenn es einen Unfall mit einem Tram gibt und die Komposition ausfällt, müssen wir alles umstellen. Mit den Massnahmen wollen wir dem Engpass entgegenwirken.

230 Trams ohne Ersatz im Dauereinsatz, dazu altes Rollmaterial – ist das nicht ein fahrlässiger Zustand?
Tja. Als die VBZ 2011 mit der Beschaffung der Flexity-Trams angefangen haben, dachten wir, sie sei in fünf Jahren möglich und würde nicht neun Jahre dauern.

Haben Sie zu lange zugewartet, nach Alternativen zu suchen?
Dass das Material nach dem Bau der Hardbrücke knapp werden könnte, haben wir immer gesagt. Dennoch dachten wir, dass es bis zum Eintreffen der ersten neuen Trams reichen würde. Die Eröffnung der Limmattalbahn-Strecke nach Schlieren hat nun das Fass zum Überlaufen gebracht. Zudem haben die VBZ nicht damit gerechnet, dass die Trams 2000 der ersten Serie nach 40 Jahren so viele Reparaturen brauchen wie derzeit nötig. Deshalb wollten wir sie ja ersetzen.

Wer hat die Notbremse gezogen?
Wir hatten in den letzten Monaten mehrfach Diskussionen über das Thema. Vor zwei Monaten entschied ich, dass die VBZ nicht jeden Monat eine Änderung auf einer Linie kommunizieren können und bis zur Einführung der Flexity-Trams einen stabilen Fahrplan anbieten müssen. In den letzten acht Wochen setzten die Verantwortlichen nun das Puzzle zusammen.

Den VBZ sind durch die vom Verkehrsrat verzögerte Beschaffung Mehrkosten entstanden. Wie hoch sind diese?
Die VBZ können die Kosten, die durch zusätzliche Instandhaltungen und Revisionen der Tram2000-Fahrzeuge entstanden sind, zum jetzigen Zeitpunkt nicht beziffern. Es sind im Wesentlichen interne Kosten, die vom ZVV übernommen werden.

Mit den angekündigten Massnahmen wird die Linie 8 wieder teilweise niederflurig. Inwiefern haben Sie da dem Druck aus der Bevölkerung nachgegeben?
Die Massnahmen haben mit dem nichts zu tun. Die VBZ wollen grundsätzlich auf allen Linien Niederflurigkeit anbieten. Die VBZ hatten aber auch ein Kapazitätsproblem, das wir lösen mussten. Wir haben dazu auch die Revisionsarbeiten ausgebaut, aber es reichte nicht.

Unfälle wie dieser Ende Juni brachten die VBZ an die Kapazitätsgrenzen. Video: Leserreporter

Unfälle haben die Kapazität durcheinandergebracht. Wie viele Unfälle mag es künftig noch leiden?
Mit den Massnahmen haben die VBZ eine Reserve, die kleinere Unfälle zu verkraften vermag. Ich hoffe aber natürlich, dass es gar keine gibt.

Wie gross wird die Reserve mit den Massnahmen sein?
10 Trams.

Sind Sie sicher, dass Sie mit den Flexity-Trams nicht an Kapazitätsgrenzen stossen werden?
Ja. Ich versichere Ihnen: Wir haben genug bestellt.

Erstellt: 21.10.2019, 17:47 Uhr

Michael Baumer (FDP) hat im Mai 2018 Andres Türler als Vorsteher der städtischen Industriellen Betriebe abgelöst. (Bild: Urs Jaudas)

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