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«Wir haben noch viele Dächer für Solarstrom»

Das rot-grüne Zürich wird bei der Solarenergie von den Landgemeinden abgehängt. Harry Graf vom städtischen Elektrizitätswerk sagt, wie man das ändern kann.

Die Baugenossenschaft Mehr als Wohnen produziert Strom für die eigenen Mieter: Fotovoltaik-Anlage auf dem Hunziker-Areal in Zürich-Oerlikon. Bild: Reto Oeschger
Die Baugenossenschaft Mehr als Wohnen produziert Strom für die eigenen Mieter: Fotovoltaik-Anlage auf dem Hunziker-Areal in Zürich-Oerlikon. Bild: Reto Oeschger

Gegenüber dem Umland stockt der Ausbau der Solarenergie in der Stadt Zürich. Kommt die Fotovoltaik an eine Grenze? Wir gehören beim Solarstrom zu den Pionieren und hatten den Schweizer und Europäischen Solarpreis für unser Engagement gewonnen. In der Stadt Zürich wurden Fotovoltaik-Anlagen schon vor über 20 Jahren gebaut, als eine Kilowattstunde Solarstrom noch 1.20 Franken kostete. Mittlerweile sind Fotovoltaik-Anlagen markant günstiger geworden, gehören zum Alltag und werden von Bund, Kantonen und Gemeinden finanziell gefördert. Dass die Solarenergie in der Stadt Zürich nicht stockt, zeigt zum Beispiel das PlusEnergieHaus in der Nähe des Schaffhauserplatzes, dessen gesamte Hausfassade mit einer Fotovoltaik-Fassadeanlage verkleidet ist. Wir engagieren uns dabei nicht nur finanziell an diesem innovativen Leuchtturmprojekt.

Steht der Heimatschutz der Nutzung im Weg? Oder sind es die politisch ebenfalls geförderten Dachbegrünungen? Sehr viele städtische Objekte sind im Inventar der städtischen Denkmalpflege oder in der Nähe von inventarisierten Gebäuden. Seit der neuen Raumplanungsverordnung können Fotovoltaik-Anlagen jedoch auch auf solchen Gebäuden gebaut werden, sofern zum Beispiel Feuerschutz oder Gebäudestatik dies zulassen. Im Moment gibt es in der Stadt Zürich jedoch genügend ungenutzte Dachflächen, um Fotovoltaik-Anlagen zu erstellen. Wenn jemand keine Fotovoltaik-Anlage bauen darf oder zur Miete ist, bietet EWZ mit EWZ Solarzüri eine spannende Alternative. Interessenten können Quadratmeter an einer Solaranlage kaufen, zum Beispiel auf einem Schulhaus, und sich den Solarstrom auf ihrer Stromrechnung gutschreiben lassen. Das Echo auf dieses Angebot ist entsprechend gross.

Wie unterstützen Sie Vermieter dabei, ihr Dach für die Produktion von Solarstrom zu nutzen?

Wir bieten Liegenschaftenbesitzern ein «Rundum-sorglos-Paket». Wir unterstützen und beraten sie bei der Realisierung einer Fotovoltaik-Anlage, von der Planung bis zur Installation. Zudem bieten wir Verrechnungslösungen an, die es erlauben, den auf dem Dach gewonnenen Solarstrom sehr einfach allen Bewohnern der Liegenschaft zugänglich zu machen. Weitere Elemente sind Batteriespeicher, Serviceleistungen und Steuersysteme. Daher haben wir vor kurzem eine Kampagne gestartet und den selbst produzierten Solarstrom ins Zentrum gerückt. Bereits 2014 setzten wir die erste Eigenverbrauchslösung für Mieterinnen und Mieter im Hunziker-Areal um. Rund 30 Prozent des jährlichen Strombedarfs der Wohnbaugenossenschaft wird mit Solarenergie von den hauseigenen Dächern gedeckt, der Eigenverbrauchsanteil beträgt hier rund 90 Prozent.

«Wegen des oft längeren Planungsprozesses für neue Projekte kommt es immer wieder mal zu Phasen mit Wartelisten.»

Harry Graf, Sprecher EWZ

Für das Angebot Solarzüri, wo Mieter in Solaranlagen auf städtischen Liegenschaften investieren, gibt es momentan kein Projekt und eine lange Warteliste. Weshalb geht auch dort der Ausbau nicht schneller? Wir freuen uns sehr über die grosse Nachfrage bei EWZ Solarzüri; bereits nutzen 3000 Personen dieses Angebot. Wegen des oft längeren Planungsprozesses für neue Projekte kommt es immer wieder mal zu Phasen mit Wartelisten. Aktuell haben wir verschiedene Dächer, die kurz vor der Realisation stehen, und auch für 2019 haben wir bereits Standorte in der Entwicklung. Aus diesem Grund bewerben wir das Thema aktuell auch stark.

In Winterthur haben die Stadtwerke den politischen Auftrag, Solaranlagen zu bauen, und setzen deshalb jetzt auch auf kleinere Anlagen. Ist das für EWZ oder Solarzüri auch eine Option? Die erste Fotovoltaik-Anlage in Zürich wurde im November 1996 am Swissmill-Tower in Betrieb genommen. Zudem haben wir im gleichen Jahr die EWZ-Solarstrombörse aufgebaut, in der heute schweizweit 300 Anlagen dazugehören und Sonnenstrom für Zürich liefern. Seitdem fördern und finanzieren wir Fotovoltaik-Anlagen, zuerst über den Stromsparfonds, ab 2017 über die gemeinwirtschaftlichen Leistungen im Rahmen der 2000-Watt-Ziele. Zudem treiben wir den Zubau auf städtischen Liegenschaften voran.

Die Städte Zürich und Winterthur haben das grösste Potenzial für Sonnenenergienutzung im Kanton, mit je 500 GWh. 2015 nutzten sie etwas weniger als 5 Prozent davon. Wo liegt Zürich heute?

Bis heute haben die Fotovoltaik-Anlagen rund 9,3 GWh ins EWZ-Netz eingespeist, und Ende Jahr werden es zwischen 15 und 20 Prozent des Potenzials sein. Der von den Bewohnern selbst genutzte Solarstrom wird statistisch nicht erfasst und in den nächsten Jahren noch zunehmen, da die Wirtschaftlichkeit eines eigenen Batteriespeichers immer interessanter wird.

Wo gäbe es noch schnell erschliessbares Potenzial? Für die Wirtschaftlichkeit einer Fotovoltaik-Anlage ist ein Betrieb über eine Dauer von 20 bis 30 Jahren nötig. Sollte ein Gebäude innerhalb dieses Zeitfensters saniert oder abgerissen werden, lohnt sich eine Investition leider nicht. Wichtig ist, dass bei allen Neu- und Umbauten sowie Dachsanierungen die Eignung für eine Fotovoltaik-Anlage konsequent geprüft wird. Selbstverständlich sind auch andere Projekte interessant, wenn alle Parameter stimmen. Denn dank neuer Technologien können Fotovoltaik-Anlagen nicht nur auf dem Dach, sondern auch an der Fassade eine Option sein.

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