«Wir sind in die Schweiz gekommen, um zu stehlen»

Ein bulgarischer Ikonenmaler hat zusammen mit einer Bande etliche Tausend Kilogramm SBB-Kupfererdungsseile gestohlen. Jetzt ist der Kupferdieb verurteilt worden.

Kupferdiebe bescheren der SBB Millionenverluste.

Kupferdiebe bescheren der SBB Millionenverluste. Bild: Keystone

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Der 39-jährige Familienvater hatte mit sieben Landsleuten im Frühjahr 2014 innert zwei Wochen fünfmal auf Bahnstrecken im Kanton Zürich Kupfererdungsseile ab den Fahrleitungsmasten abgeschnitten und die Drähte verkauft. So stahlen sie beispielsweise in der Nacht vom 2. auf den 3. April 2014 auf der Strecke Hüntwangen-Wil–Rafz auf einer Länge von 1300 Metern Kupferkabel mit einem Gesamtgewicht von knapp tausend Kilogramm.

Die Kupferkabel dienen als Stromrückführungsleitungen und erden die Fahrleitungsmasten; sie sind eine Art Blitzableiter. Die SBB erlitten einen Schaden von rund 200'000 Franken. Die Bande verkaufte die Kupferdrähte einem Metallhändler in der Region Zürich. Der Bruttoerlös betrug laut Anklageschrift 23'000 Franken, wovon der Beschuldigte rund 1200 Franken erhielt.

Heute Dienstagmorgen stand der Ikonenmaler vor dem Obergericht. Er wehrte sich gegen die Strafe des Bezirksgerichts Uster, welches ihn zu 38 Monaten verurteilt hatte. Wie sein Verteidiger Roger Meier am Prozess sagte, sei sein Mandant nicht berufs- und bandenmässig aktiv gewesen, wie dies die Anklage beschreibt, sondern es handle sich bloss um mehrfachen Diebstahl. Deshalb soll die Strafe auf 22 Monate gesenkt werden. Meier erwähnte, dass die Mittäter zu tieferen Strafen verurteilt und schon wieder aus dem Gefängnis entlassen worden sind – und teils bereits wieder wegen des gleichen Delikts verhaftet wurden.

Für Obergericht war es gewerbsmässiger Diebstahl

Der Bulgare befindet sich seit April 2014 im Gefängnis. Er wolle zurück in seine Heimat zu seinen zwei fünf- und sechsjährigen Kindern, die bei seiner betagten Mutter leben. Es tue ihm leid, was er gemacht habe, sagte er dem Gericht. In der Befragung durch den Vorsitzenden Christoph Spiess gestand der Mann, ein Kriminaltourist zu sein: «Wir sind in die Schweiz gekommen, um zu stehlen.»

Er hatte die letzten drei Jahre in Deutschland, Dänemark und Belgien gelebt und Hilfsjobs verrichtet. In Belgien sei er an die falschen Leute geraten. Der Beschuldigte ist aber kein unbeschriebenes Blatt. Er war schon in seinem Heimatland wegen Diebstahls verurteilt worden, ebenfalls auch schon in der Schweiz. Laut seinem Verteidiger wollte sein Mandant mit dem Geld sich aus einem Mietvertrag in Belgien herauskaufen und mit seinen Kindern nach Bulgarien zurückkehren.

Für das Obergericht war die Tat gewerbsmässiger Diebstahl. Es verurteilte den Mann zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Laut dem Vorsitzenden Christoph Spiess hat die Vorinstanz das vollumfängliche Geständnis und die Reue zu wenig bewertet, deshalb habe man dem Mann eine Strafreduktion gewährt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.07.2015, 15:58 Uhr

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