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«Wir wollen unbedingt mitreden»

Zürichs Stadtpräsidentin fordert, dass die Städte bei der Unternehmenssteuer-Vorlage mit einbezogen werden.

Trotz eher hoher Steuern sei Zürich sehr attraktiv für internationale Firmen, sagt Corine Mauch. Foto: Thomas Egli
Trotz eher hoher Steuern sei Zürich sehr attraktiv für internationale Firmen, sagt Corine Mauch. Foto: Thomas Egli

Haben Sie Angst, dass Unternehmen nun aus Zürich abwandern?

Nein. Durch das Nein zur USR III bleibt ja erst einmal alles unverändert.

Aber der internationale Druck nimmt zu, damit vergrössert sich die Rechtsunsicherheit.

Das ist ein grosses Problem. Unternehmen brauchen Berechenbarkeit. Deshalb fordert der Zürcher Stadtrat, dass der Bundesrat möglichst schnell eine mehrheitsfähige Vorlage ausarbeitet.

Das sei zu kurzfristig, heisst es.

Wenn das Anliegen wirklich so wichtig ist, wie die Parteien immer betonten, dann ist das möglich. Wer das Gegenteil sagt, handelt fahrlässig.

Wie sähe Ihr Ideal-Kompromiss aus?

Es braucht auf jeden Fall eine Gegen­finanzierung. Die ursprüngliche Vorlage des Bundesrats wirkte ausgewogen, dann hat das Parlament sie überladen.

Die Städte wurden bei der Ausarbeitung nicht angehört. Ist das Nein die Rache für diese Nichtbeachtung?

Nein. Auch zahlreiche konservative Dörfer haben Nein gesagt. Viele Menschen haben sich geweigert, Steuererleichterungen für Unternehmen zu bezahlen. Da herrschte grosse Einigkeit. Aber auf jeden Fall wollen die Städte bei der neuen Vorlage mitreden. Das Geschäft betrifft Städte und Gemeinden unmittelbar. Es war ein Fehler, dass der Bund sie nicht miteinbezogen hat.

Haben Sie schon eine Einladung von Ueli Maurer bekommen?

Nein. Aber wir sind bereit, konstruktiv und rasch mitzuarbeiten. Niemand bezweifelt, dass es diese Reform braucht.

Sie und Zürichs Finanzvorsteher Daniel Leupi haben sich im Wahlkampf ungewohnt deutlich gegen die USR III positioniert. Die Gegner werfen Ihnen deshalb Wirtschaftsfeindlichkeit vor.

Ich sehe das umgekehrt. Zürich braucht ein gewisses Steuervolumen, um jene Dienstleistungen zu erbringen, die auch Unternehmen von uns erwarten. Ohne diesen Service wären viele Firmen nicht hier. Tiefe Steuern sind ein wichtiger Standortfaktor – aber weder der einzige noch der wichtigste. Das bekomme ich bei meinen Treffen mit Wirtschafts­führerinnen immer wieder bestätigt.

Bürgerliche behaupten das Gegenteil und betonen die Gnadenlosigkeit des Steuerwettbewerbs.

Google, ein globaler Konzern, der sich überall niederlassen könnte, baut seine Zürcher Niederlassung stark aus. Und ein weiteres weltweit tätiges Top-500-Unternehmen wird seinen Hauptsitz innerhalb der Schweiz demnächst zu uns in die Stadt verlegen. Dabei liegen ganz in der Nähe mehrere Kantone, wo die Firmen viel weniger Steuern zahlen müssten. Es ist offensichtlich, dass Zürich andere, entscheidende Vorteile bietet.

Welches sind die wichtigsten?

Kürzlich kam eine neue Studie heraus. Sie listete jene Städte auf, die weltweit am fähigsten sind, Talente anzuziehen. Zürich schaffte es auf Platz zwei hinter Kopenhagen. Das zeigt, wie wichtig unser Bildungssystem ist. Auch Lebensqualität, ÖV, gute Infrastruktur, Kulturangebote und das friedliche Zusammenleben zählen. Das alles kostet Geld, ­dieses hätte nach einem Ja zur USR III gefehlt.

Sie tauschen sich mit Vertretern aus der Wirtschaft aus. Konnten diese Ihre Nein-Position nachvollziehen?

Ich bin durchaus auf Verständnis gestossen. Gleichzeitig versteht der Stadtrat, dass die Wirtschaft kompetitive Rahmenbedingungen und rasche Klarheit braucht. Deshalb wollen wir eine ausgewogene Vorlage mitgestalten. Die Stadt unterstützt die Wirtschaft auch sonst.

Wie zum Beispiel?

Wir fördern die ICT-Branche, insbesondere innovative Start-ups. In diesem Bereich passiert gerade sehr viel. So tragen wir dazu bei, dass die Zürcher Wirtschaft auch im Zeitalter der Digitalisierung konkurrenzfähig bleibt.

In einem Jahr wählt Zürich. Wissen Sie schon, ob Sie wieder antreten?

Ich werde kandidieren. Ja. Mir macht das Amt Spass, ich mag den Austausch mit der Bevölkerung. Ich bin motiviert und spüre weder Müdigkeit noch Zynismus. Sonst würde ich aufhören.

Seit Ihrem Amtsantritt 2009 wird Zürich unaufhörlich grösser.

Die Stadt hat derzeit 416 000 Einwohnerinnen und Einwohner. In den letzten acht Jahren sind 35 000 dazugekommen, die Zahl der Arbeitsplätze ist in ähnlichem Ausmass gewachsen. Das schafft Herausforderungen. Gleichzeitig bestätigen diese Zahlen die grosse Anziehung, die vom offenen, solidarischen Zürcher Modell ausgeht. Das ist in diesen Zeiten keine Selbstverständlichkeit.

Wird Filippo Leutenegger Ihr Herausforderer sein?

Das müssen Sie ihn selber fragen.

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