Wo Zürcher sparen würden

Die Resultate unserer Spar-Umfrage zeigen, wie TA-Leserinnen und -Leser als Finanzvorstand handelten.

Sparen fängt im Kleinen an: Der Stadtrat rechnet mit 47 Millionen Franken Defizit im nächsten Jahr.

Sparen fängt im Kleinen an: Der Stadtrat rechnet mit 47 Millionen Franken Defizit im nächsten Jahr. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Der Stadtrat erwartet 2017 ein Defizit von 47 Millionen. Zürcherinnen und Zürcher sehen darin keinen Anlass, die Steuern zu erhöhen. Für sie hat die Stadt Sparpotenzial – und zwar an diversen Stellen. Das zumindest legt die (nicht repräsentative) Umfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet nahe, an der sich fast 900 Leserinnen und Leser beteiligt haben.

Die Bürgerlichen werfen dem Stadtrat mangelnden Sparwillen vor. Die FDP kritisiert, der Stadtrat sei einfach nicht gewillt, auf Unwichtiges zu verzichten. 40 Prozent der Befragten stimmen dem zu – obwohl nur 17 Prozent angeben, der FDP nahezustehen. 23 Prozent der Umfrageteilnehmer stimmen für die SP, 12 Prozent für die Grünliberalen und 5 Prozent für die Grünen.

Die SVP sieht Zürich in der «Wachstumsfalle». Die Meinungen der Befragten, von denen sich 9 Prozent der SVP zugehörig fühlen, sind geteilt: Die eine Hälfte findet, das treffe zu (22 Prozent) oder eher zu (28 Prozent), die andere Hälfte kreuzte «trifft nicht zu» (25 Prozent) oder «trifft eher nicht zu» (25 Prozent) an.

Mehr Polizei

Bei Sparübungen werden die Ausgaben für das Personal genau geprüft. Bei der Stadt Zürich arbeiten etwa 30'000 Personen, die sich rund 21'500 Vollstellen teilen. 42 Prozent der Befragten halten das für angemessen, 45 Prozent für zu viel.

Interessant ist, wie die Leserinnen und Leser den Anteil der einzelnen Departemente am gesamten städtischen Personal beurteilen. Die Verteilung wird von vielen als angemessen angenommen – je etwas mehr als 40 Prozent der Umfrageteilnehmer würden jedoch bei der Gesundheit, im Tiefbau, bei Strom/Wasser/ÖV und im Sozialdepartement Stellen abbauen. Mehr Personal wünschen sich 29 Prozent der Befragten nur an einem Ort: der Polizei.

Bei der Sicherheit möchte kaum jemand sparen. Dieser Bereich bildet in dieser Umfrage – gemeinsam mit der Bildung – das Schlusslicht beim Streichen von Ausgaben. Wenn es nach den Leserinnen und Lesern geht, winkt das Stimmvolk neue Schulhäuser – egal, wie teuer – auch in Zukunft durch und begrüsst einen Ausbau des Sicherheitsapparats.

«Geschmacklose» Kreiselkunstwerke

Gespart werden soll anderswo. Obenaus schwingen Kultur (54 Prozent), der Strassenbau (48 Prozent) und Soziales (43 Prozent). Worauf kann man in der Kultur verzichten? «Alles», antworteten mehrere Personen, «Subventionen» nannten ebenfalls viele, «Kultur muss selbsttragend sein», schrieb einer. Überraschend häufig wurde das Opernhaus als verzichtbar genannt – obwohl es hauptsächlich vom Kanton Zürich finanziert wird.

Sanierungen und den Ausbau von Strassen halten viele Umfrageteilnehmende für unnötig. «Aufhören mit der perfekten Renovation unserer Strassen!», schreibt ein Leser. Zwei Risse im Asphalt störten nicht, meint ein anderer. Ein dritter hat konkrete Vorschläge für Einsparungen: Die Stadt solle auf «geschmacklose» Kreiselkunstwerke verzichten und besser planen. «Warum wird dieselbe Strasse dreimal geöffnet, man könnte alles in einem Rutsch machen?», schreibt er. Könnten die Leserinnen und Leser im Sozialwesen den Rotstift ansetzen, würde dies je eine Handvoll bei der Sozialhilfe, beim Asylwesen oder bei den Kinderbetreuungsangeboten tun.

Übrigens waren über 80 Prozent der Umfrageteilnehmer Männer. Ob die Resultate der Sparumfrage anders ausgefallen wären, wenn mehr Frauen mitgemacht hätten?

Erstellt: 29.09.2016, 15:13 Uhr

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