Wohnen in der alten Fabrik

Die Spinnerei in der Manegg ist bewohnt. Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes nahm zwei Jahre in Anspruch. Ein Blick in die neuen Loftwohnungen.

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Die alte Spinnerei ist das Herzstück des neuen Quartiers Greencity hinter dem Entlisberg. Nach einer vierjährigen Um- und Ausbauphase ist es nun endlich wiederbelebt. 40 Eigentumswohnungen im «Loft-Stil» – jede mit einer Deckenhöhe von über drei Metern – sind im alten Gemäuer untergebracht. Kostenpunkt pro Wohnung: zwischen 700’000 und 1,8 Millionen Franken. Sämtliche sind verkauft.

«Es war eine grosse Herausforderung», sagt der Architekt Stephan Rist vom Architekturbüro «Zach + Zünd» bei der Führung. Insbesondere weil vor dem Umbau nur noch die Aussenhülle des denkmalgeschützten Industriegebäudes übrig war. Um im Innern einen «industriellen Charakter» hinzukriegen, der zu den 1857 erbauten Aussenmauern passt, sei besonderes Feingefühl nötig gewesen. Etwa, um die 150-jährigen Wände weiterhin zu nutzen. «Das Gebäude sieht heute von aussen noch gleich aus wie damals.»

Das Gegenteil trifft auf den kernsanierten Innenraum zu. Zwar passt der Stil der Empfangshalle mit ihren mit Messing ausgekleideten Briefkästen und Wänden zur alten Industriehülle. Auch die Rippendecken sehen aus, als stammten sie aus der Zeit der Industrialisierung. Doch der Ausbaustandard der zwischen 70 und 200 Quadratmeter grossen Lofts ist erwartungsgemäss hoch. Die 144 Fenster der alten Spinnerei fluten die Räume mit Licht.

Warten im Metallkorsett

Dies war schon so, als 1857 das damals grösste Industriegebäude des Kantons Zürich erbaut wurde. Zuerst diente der quer zum Tal stehende Bau als Weizenhaus, später wurde es zur Keramikfabrik ausgebaut. 1875 zog die Spinnerei Wollishofen ein, die ihre Energie für die Maschinen aus dem extra gebauten Wasserkanal bezog. Noch bis in die 1970er-Jahre wurde das Gebäude industriell genutzt und schliesslich unter Denkmalschutz gestellt.

Danach wurde dem einsturzgefährdeten Haus ein Korsett aus Metallstützen angelegt. Beinahe acht Jahre lang verharrte es so zwischen den anderen Industriegebäuden. Dann wurde 2015 mit dem Bau der Greencity gestartet.

Dritte Bauetappe läuft

Mit der Fertigstellung der alten Spinnerei als Wohngebäude enden auch die Bauarbeiten an der zweiten Etappe der Greencity. Bereits 1000 Personen leben derzeit im neuen Stadtquartier der Manegg. Vor gut einem Monat nun hat die dritte Bauetappe begonnen. Dazu zählt neben Wohnungen, Läden, einem Hotel der deutschen Meininger-Gruppe auch eine öffentliche Primarschule.

Das Areal von Greencity umfasst insgesamt rund acht Hektaren und wird nach seiner Fertigstellung im Jahr 2020 Wohnraum für 2000 Einwohner, wie auch Arbeitsplätze für rund 3000 Personen bieten. Gesamthaft entstehen 731 Wohnungen. Bis auf sechs 3 1/2 -Zimmer-Wohnungen sind derzeit alle Wohnungen auf dem Areal belegt.

Greencity ist das erste zertifizierte 2000-Watt-Areal der Schweiz. Das vom Trägerverein Energiestadt vergebene Zertifikat zeichnet Überbauungen aus, die einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen für den Bau und den Betrieb der Gebäude nachweisen können und über ein umweltverträgliches Mobilitätskonzept verfügen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.07.2018, 16:38 Uhr

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