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In dieser Wohnung sind Raucher unerwünscht

Wer hier einzieht, hat ausgeraucht: Erstmals vermietet eine Zürcher Genossenschaft neue Wohnungen nur an Nichtraucher.

Cartoon: Ruedi Widmer

Die Baugenossenschaft Schönheim (BGS) hat ihre Siedlung Eyhof in Albisrieden saniert und erneuert. 90 Zweieinhalb- bis Fünfzimmerwohnungen, die alle bereits vermietet sind.

Eins der Gebäude ist speziell und zieht die Aufmerksamkeit auf sich: Haus A, dessen 40 Wohnungen ausschliesslich für Nichtraucher bestimmt sind. Für alle Freunde des Glimmstängels gilt dort striktes Rauchverbot, und zwar nicht nur in der Wohnung, sondern auch im Treppenhaus, auf dem Balkon und in der Tiefgarage. «Unser Nichtraucherhaus stiess bei der Vermietung auf ein riesiges Interesse», sagt Rolando Verardo, Präsident der Baugenossenschaft Schönheim. «Wir hätten problemlos drei solche Häuser bauen und vermieten können.»

Auf keinen Fall wolle man mit diesem Angebot die Raucher diskriminieren, sagt Verardo. Aber in den vergangenen Jahren seien bei der BGS-Mieterschaft immer wieder Konflikte zwischen Rauchern und Nichtrauchern aufgetreten. «Als Genossenschaft versuchen wir mit einem neuen Ansatz, dem Nichtraucherhaus, ein aktuelles Problem anders anzugehen.»

Was geschieht, wenn der Mieter sich nicht ans Rauchverbot hält oder später zu einem Raucher wird? «Alle Mieter haben eine Nichtrauchervereinbarung unterschrieben, die ein fester Bestandteil des Mietvertrags ist. Wer dagegen verstösst, wird zuerst verwarnt», sagt der BGS-Präsident. Wer wiederholt das strikte Rauchverbot missachtet, dem wird der Mietvertrag gekündigt.

Sollte ein solcher Fall tatsächlich einmal eintreten und der Mieter die Kündigung bis vors Bundesgericht anfechten, ist laut Verardo noch offen, wie es dann ausgehen wird. «Meines Wissens gibt es zu einem solchen Fall in der Schweiz noch kein Urteil», sagt er. Die Baugenossenschaft gibt sich aber zuversichtlich, dass eine solche Kündigung einer gerichtlichen Prüfung standhalten würde. «Wir haben die Rechtsgrundlage im Vorfeld sorgfältig abgeklärt.»

Wo liegt die Grenze?

Kritisch beurteilt der Mieterverband Zürich das Nichtraucherhaus in Albisrieden. «Ein solches Haus ist für mich grenzwertig», sagt Kommunikationsleiter Walter Angst, «denn es ist ein sehr starker Eingriff in die Lebensgestaltung eines Mieters.» Er findet die zunehmende Segmentierung von Mietern – inzwischen gibt es auch strikt autofreie Siedlungen – generell äusserst problematisch. «Wenn man ein solches Konzept konsequent weiterdenkt, gibt es künftig immer mehr Mieter, die überhaupt keine Wohnung mehr finden, weil sie nicht in ein gängiges Schema passen.»

Die Frage sei auch, so Angst, wo die Grenze gezogen werde, «sonst werden dann irgendwann Häuser aufgestellt, in denen die Mieter keine Kinder mehr haben dürfen oder keine Velofahrer und Jogger wohnen dürfen.» Für den Mieterverband Zürich machen Häuser mit spezifischen Regelungen für die Bewohner dann einen Sinn, wenn sie zum Beispiel einem medizinischen Zweck dienen. «Ich denke an das Mehrfamilienhaus in Leimbach, das eigens für hoch allergische Menschen, die an Multiple Chemical Sensitivity leiden, gebaut wurde», sagt Angst. Nichtraucherhäuser sind für den Mieterverband Zürich allerdings keine Zukunftsprojekte. «Genossenschaften sollten sich besser auf ihre Kernkompetenz besinnen: Preisgünstige Wohnungen anbieten.»

Menschen werden ausgegrenzt

Skeptisch steht auch der Hauseigentümerverband Zürich (HEVZ) dem Nichtraucherkonzept gegenüber. Einerseits sei es positiv, wenn auf die Bedürfnisse der Bewohner Rücksicht genommen werde, sagt HEVZ-Direktor Albert Leiser, andererseits werden mit einem solchen Haus auch viele Menschen ausgegrenzt, die – in Bezug auf das Rauchen ausserhalb der Wohnung – nichts Verbotenes tun. Leiser fragt sich auch, wie überprüft werden soll, ob Mieter auch tatsächlich nicht in den Wohnungen rauchen. «Und wie steht es mit den Besuchern der Bewohner?»

Grundsätzlich sollte der Eigentümer festlegen dürfen, wer in seiner Wohnung wohnt. «Die Auswahl darf allerdings nicht diskriminierend sein», so Leiser. Aus seiner Sicht ist es wichtig, dass ein abwechslungsreicher Mietermix für ein gutes Klima in einer Liegenschaft sorgt. «Ein erfahrener Eigentümer kennt seine Mieter und weiss, wer dazupasst.»

Autoarme Siedlungen, Nichtraucherhäuser – wo zieht der HEVZ die Grenze? «Grundsätzlich bieten Mietrecht und Rechtspraxis einen entsprechenden Rahmen für Grenzen», so Leiser. Sie würden dann eindeutig überschritten, wenn eine klare Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsschichten stattfinde.

BGS-Präsident Rolando Verardo ist sich bewusst, dass ein Nichtraucherhaus polarisiert. Schliesslich habe es beim Rauchverbot in Restaurants auch Proteste gegeben, und heute störe sich niemand mehr daran, weil sich alle daran gewöhnt hätten. «Wir überlegen uns nun, auch an anderen Standorten solche Nichtraucherhäuser zu bauen.»

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