Wolff will den kargen Münsterhof begrünen

Dem Platz in der Zürcher Altstadt fehle es an Grün, kritisieren Teilnehmer einer Umfrage. Stadtrat Richard Wolff greift zur Lösung des Problems eine umstrittene Idee wieder auf.

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Er ist seit nunmehr drei Jahren autofrei, der Münsterhof mitten im Kreis 1. Offen breitet er sich zwischen den Häuserzeilen der Altstadt und der Fassade der Fraumünsterkirche aus. Fast 70 Prozent der Zürcher Stimmberechtigten haben 2003 dem Gestaltungsplan «Sechseläutenplatz – Theaterplatz, Zürich Altstadt» zugestimmt, der auch die Umgestaltung des Münsterhofes umfasste. Acht Millionen Franken kostete der Umbau.

Und doch werden die Zürcherinnen und Zürcher nicht so richtig warm mit dem umgestalteten Münsterhof. Bei einer Befragung, die 2017 im Auftrag der Stadt Zürich durchgeführt wurde, bemängelten 19 Prozent der Teilnehmenden das fehlende Grün, 7 Prozent kritisierten die Kargheit des Platzes und 6,5 Prozent den fehlenden Schatten. Es werde schlicht zu heiss im Sommer, so der Tenor.

Die Mängelliste: Was den Teilnehmern einer Umfrage am neuen Münsterhof nicht gefällt. (Daten: Tiefbauamt Stadt Zürich)

Jetzt greift Stadtrat Richard Wolff (AL), Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, ein Thema auf, das bereits bei der Ausarbeitung des Gestaltungsplans gewälzt wurde: die Begrünung des Münsterhofs durch Bäume. Am 29. Januar hat er Anwohnerinnen, Anwohner und Gewerbetreibende zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, bei der er «die räumlichen und technischen Spielräume» einer Bepflanzung präsentierte und diskutierte.

Baumgruppe statt Solitär

Und Wolff schlägt nicht nur das Setzen eines Baumes vor, sondern vielmehr einer ganzen Baumgruppe. Ein Einzelbaum – selbst ein Grosser – würde auf diesem Platz verloren wirken, lautet die Begründung. Eine Baumgruppe mit Sitzbänken um die Stämme könne hingegen als attraktiver Aufenthaltsort funktionieren, als schattige Insel und Treffpunkt an sonnigen Tagen.

Die Möglichkeiten, auf dem Platz Bäume zu pflanzen, sind allerdings beschränkt. Zufahrten und Fluchtwege müssen freigehalten werden. Auch gilt es bei der Wahl eines allfälligen Standortes, den Schattenwurf der umliegenden Gebäude einzuberechnen. Wolff zeigt anhand von grafischen Darstellungen, an welcher Stelle des Platzes während des ganzen Tages das Sonnenlicht einfällt: Vor dem Zunfthaus zur Meisen im Osten des Münsterhofs.

Wo die Baumgruppe Platz hätte: Vorschlag des Stadtrats (Grafik: Tiefbau- und Entsorgungsdepartement Zürich)

Damit kommt Wolff auf jenen Standort zurück, der im ursprünglichen Bauprojekt des Münsterhofs für die Pflanzung einer Baumgruppe vorgesehen war. Doch dieser Standplatz ist umstritten.

Bei der Planauflage 2013 verlangte eine Person, auf die Pflanzung der drei Linden zu verzichten. Es habe auf dem Münsterhof nie Bäume gegeben. Auch würde so der Blick auf die architektonische Symmetrie des Zunfthauses verstellt – und die Baumstämme könnten gar als Pissoir missbraucht werden. Das Tiefbauamt berücksichtigte damals diese Einwendung und verzichtete auf die Bäume aus Respekt vor der Geschichte des Münsterhofs, dem ehemaligen Warenumschlag- und Marktplatz der Stadt.

Erst kommen die Archäologen

Ob es nun doch noch zur Pflanzung einer Baumgruppe an dieser Stelle kommen wird, ist auch nach der Infoveranstaltung von Ende Januar offen. «Erst recht ist noch unbestimmt, wo die Bäume allenfalls stehen würden. Wir werden die Anliegen der Anwohnenden analysieren und die entsprechende Auslegeordnung bis voraussichtlich Ende Jahr vornehmen», sagt Wolff. Etwas konkreter ist hingegen die Wahl der Baumart, die auf dem Platz gepflanzt werden würde. Die Stadt schlägt Winterlinden oder Henry’s Linden vor, da sie relativ hitzeresistent sind. «Niemand hat sich gegen diese Baumart ausgesprochen», so Wolff.

Umfrage

Soll die Stadt auf dem Münsterhof Bäume pflanzen?




Sicher ist zudem heute schon, dass im Vorfeld einer Pflanzung archäologische Grabungsarbeiten vorgenommen werden müssten, die gemäss Wolff rund neun Wochen in Anspruch nehmen würden. Schon bei den Bauarbeiten für den neuen Münsterhof waren Archäologen involviert und haben dort römische sowie früh- und hochmittelalterliche Siedlungsstrukturen und Gräber des frühmittelalterlichen Friedhofs entdeckt.

Doch wieder Sonnensegel?

Noch nicht vom Tisch ist die Idee, in den wärmeren Monaten Tücher als Schattenspender zu spannen. Die Reaktionen auf die Sonnensegel, die das Tiefbau- und Entsorgungsamt im Sommer 2017 als Teil einer Kunstaktion temporär aufgespannt hat, sind laut Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung Zürich, sehr positiv ausgefallen.

Das Tiefbauamt präferiert allerdings Bäume, da sich die Versuche mit Sonnensegeln am Münsterhof vor allem in Bezug auf Sturmfestigkeit und Bewirtschaftungsaufwand nur bedingt bewährt haben.

Schatten und Begrünung waren nicht die einzigen Themen, welche die Anwohner und Gewerbetreibenden vom Münsterhof mit dem Stadtrat besprachen. «Aus der Diskussion an der Veranstaltung habe ich verschiedene Anliegen von ihnen entgegengenommen, zum Beispiel auch die bessere Abwicklung und Eindämmung des Verkehrs auf dem Platz», sagt Wolff.

Grundsätzlich habe sich jedoch gezeigt, dass sie mit dem umgestalteten Münsterhof zufrieden seien. Über die weiteren Schritte wolle er so bald wie möglich informieren, verspricht der Stadtrat. «Zuvor gibt es im Sommer erneut eine künstlerische Intervention auf dem Münsterhof, auch hierzu werden wir die Öffentlichkeit orientieren.»

Erstellt: 26.02.2019, 14:41 Uhr

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