Wollishofen kämpft für einen freien Seezugang

Der Bau von 68 Luxuswohnungen und einer Villa in Ufernähe könnte künftig den Zugang zum See erschweren. Quartierbewohner und Grüne wehren sich dagegen.

Beliebter Aufenthaltsort: Die Wiesen und Parkanlagen beim GZ Wollishofen. Hinter der Schiffsanlagestelle befindet sich das Areal der Kibag.

Beliebter Aufenthaltsort: Die Wiesen und Parkanlagen beim GZ Wollishofen. Hinter der Schiffsanlagestelle befindet sich das Areal der Kibag. Bild: TA

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Die steigenden Temperaturen und das schöne Wetter locken wieder mehr Leute an den See. Doch in Wollishofen sind zwei Orte direkt am Ufer gefährdet: Zum einen soll neben der Wiese beim Gemeinschaftszentrum (GZ) ein siebenstöckiger Bau mit 68 Luxuswohnungen entstehen, zum anderen besitzt ganz in der Nähe die Kibag eine Sonderbauvorschrift, die ihr Villen mit direktem Seezugang garantiert.

Doch es formiert sich Widerstand. Wollishoferinnen und Wolishofer haben 2500 Unterschriften gegen das Bauvorhaben gesammelt, und die beiden Gemeinderäte Gabriele Kisker und Luca Maggi haben eine Motion gegen die Villen am See eingereicht, die das Parlament für dringlich erklärt hat. Sie wird morgen Mittwoch behandelt.

Die 2500 Unterschriften haben Wollishofer Anfang Jahr SP-Stadtrat André Odermatt übergeben, damit die Wiese direkt am See beim GZ Wollishofen als Treffpunkt erhalten bleibt. Sie fürchten, dass die teuren Wohnungen das freizeitliche Leben auf der Wiese stark einschränken. Zum einen müsse man wegen der hohen Bauten mit bis zu einer Stunde weniger Sonne rechnen. Zum anderen befürchten die Nutzerinnen und Nutzer der Wiese Lärmklagen.

Industrieland wird zu wertvollem Bauland

In ihrer Motion fordern Kisker und Maggi vom Stadtrat eine Gebietsplanung am Seeufer, die gleichzeitig die Bedürfnisse der Bevölkerung nach Erholung, Freiraum und preisgünstigem Wohnen aufnimmt. Konkret geht es den beiden vor allem um das Areal der Kibag in Wollishofen, das ganz in der Nähe der Franz-Garage ist. Das Kibag Areal sei Konzessionsland, das die Firma günstig zur industrielle Nutzung erhalten habe. «Wie bei den SBB im Zentrum von Zürich soll die Kibag das Land am See nun für einen anderen, lukrativeren Zweck nutzen können», sagt Kisker.

«Wie bei den SBB im Zentrum von Zürich soll die Kibag das Land am See nun für einen anderen, lukrativeren Zweck nutzen können»Gabriele Kisker, Grüne Zürich

Sonderbauvorschriften dazu hat der Gemeinderat 2008 erlassen hat, vorgesehen sind dort Villen mit Seeanstoss. «Das hat uns Grüne schon damals gestört», sagt Kisker. Unterdessen habe sich die Situation noch verschärft: Wollishofen sei mit Seebach und Schwamendingen eines der Gebiete in der Stadt, in denen in den nächsten Jahren stark verdichtet werden soll, um die vorgesehenen 100'000 neuen Einwohner aufnehmen zu können. Durch die Verdichtung werde das Seebecken ein noch wichtigerer Ort für Erholungssuchende.

Aus diesen beiden Gründen müsse sich die Stadt überlegen, die Sonderbauvorschriften für das Gebiet gemeinsam mit der Kibag wieder aufzulösen, um das Seeufer für die Bevölkerung offen zu halten, sagt Kisker. Vorstellbar ist für sie, dass der hintere Teil des Areals überbaut werden kann.

Die Planung läuft bereits

Der Stadtrat glaubt nicht, dass eine umfassende Planung des Seeufers vom Mythenquai bis zur Roten Fabrik nötig ist, da das Leitbild Seebecken die Entwicklung der öffentlichen Anlagen und Uferbereiche aufzeigt. Auch sei das Baubewilligungsverfahren auf dem Grundstück der Franz-Garage am Laufen, der Planung könne nichts mehr entgegengehalten werden.

«Aufgrund der ausserordentlichen Lage am See wäre zu prüfen, ob andere öffentliche Interessen geltend gemacht werden können.»Stadtrat Zürich

Beim Kibag-Areal verweist der Stadtrat auf vertragliche Bindungen. «Aufgrund der ausserordentlichen Lage am See wäre zu prüfen, ob andere öffentliche Interessen geltend gemacht werden können», schreibt er. Zum Beispiel ausreichend öffentlicher Raum am See oder ein durchgängiges Wegrecht. Der Stadtrat ist bereit, den Vorstoss von Kisker und Maggi als unverbindlicheres Postulat entgegenzunehmen.

Kisker und Maggi wollen ihren Vorstoss aber als Motion überwiesen haben, um den Druck aufrechtzuerhalten. «Der Gemeinderat hat die Sonderbauvorschriften erlassen, er kann sie auch wieder ändern», sagt Kisker. Ob die grösste Fraktion mitmacht, ist offen. Die SP beschliesst ihre Haltung erst kurz vor der Sitzung am Mittwoch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.04.2019, 12:21 Uhr

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