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Zehnjährige schickte Mann Nacktbilder – FBI half, ihn zu fassen

Die Kantonspolizei Zürich hat im letzten Jahr 50 Fälle von Cybergrooming rapportiert. Ihre Zahl nimmt Jahr für Jahr zu.

Staatsanwaltschaft und Polizei haben immer mehr mit Cybergrooming, der sexuellen Belästigung von Jugendliche zu tun. (Symbolbild: GettyImages)
Staatsanwaltschaft und Polizei haben immer mehr mit Cybergrooming, der sexuellen Belästigung von Jugendliche zu tun. (Symbolbild: GettyImages)

Nina (Name geändert) ist ein grosser Fan eines amerikanischen Influencers und Youtube-Stars. Die Zehnjährige verfolgt den Mann auf Internet und likt seine Bilder und Posts. Zu ihrer grossen Überraschung schickte ihr der Youtube-Star eines Tages eine Nachricht und forderte sie auf, ihm Nacktbilder von sich zu schicken. Das Mädchen fiel auf ihn rein und schickte ihm die gewünschten Bilder.

Nur: Beim Mann handelte es sich nicht um den richtigen Youtube-Star und Influencer, sondern um einen Pädophilen aus den USA. Er hatte vermutlich die Likes und Kommentare des Mädchens auf der Website des Youtube-Stars gesehen und sich in der Folge per Mail an das Mädchen herangemacht – und vom Mädchen die gewünschten Bilder auch erhalten. Der Mann konnte in Zusammenarbeit mit der Zürcher Staatsanwaltschaft und dem FBI identifiziert werden. Nun läuft in den USA ein Strafverfahren gegen ihn.

Cybergrooming, die sexuelle Belästigung – vor allem von Mädchen – im Internet nimmt Jahr für Jahr zu. Ein Drittel der Jugend in der Schweiz ist online bereits einmal unerwünscht von einer fremden Person – meist einem Mann – mit sexuellen Absichten angesprochen worden, wie die auf Cybercrime spezialisierte Staatsanwältin Sandra Muggli an der Jahresmedienkonferenz der kantonalen Staatsanwaltschaft berichtete.

Suizid nach Cybergrooming

Bei einem zweiten gravierenden Fall ist der Täter, ein 30-jähriger Zürcher, bereits zu einer 42-monatigen Freiheitsstrafe wegen sexueller Nötigung und weiteren Sexualdelikten verurteilt worden. Die Strafe wurde zugunsten einer ambulanten Massnahme aufgeschoben. Der Mann hatte auf einem Chatportal ein 14-jähriges Mädchen aus Finnland kennen gelernt. In der Folge verliebte sich das Mädchen in den Zürcher, der sich gegenüber dem Mädchen als zwei Jahre älter ausgab.

Er schickte ihr Nacktfotos von sich und verlangte von ihr, ihm ebenfalls solche zuzusenden. Nachdem sie seinem Wunsch nachgekommen war, veröffentlichte er die Bilder im Internet auf einer Pornoseite. So wollte er sie unter Druck setzen, ihm weitere Fotos zu schicken. Sie bat ihn, die Bilder zu entfernen, und drohte, sich ansonsten etwas anzutun. Zum Beweis, dass sie es ernst meinte, schickte sie ihm ein Bild, auf dem sie sich ein Messer an den Hals hielt.

Daraufhin löschte er die Fotos aus dem Internet, und der Kontakt brach ab. Zwei Monate nach dem letzten Kontakt zum Zürcher nahm sich das 14-jährige Mädchen in Finnland das Leben. Für das Bezirksgericht Uster war der Tod des Mädchens für den Schweizer nicht vorhersehbar gewesen, er habe ihn auch nicht gewollt. Zudem hatte das Mädchen auch vorher schon psychische Probleme.

Mehr Stellen für Wirtschaftskriminalität

Weiter berichtete die Staatsanwaltschaft an der Jahresmedienkonferenz von einer «ausserordentlich hohen Anzahl» neuer Strafanzeigen im Bereich der Wirtschaftskriminalität. Eine besondere Herausforderung bildet die sogenannte Para-Wirtschaftskriminalität, wie Susanne Leu, Leitende Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, erklärte.

Zur Para-Wirtschaftskriminalität zählen Fälle von mittlerer Komplexität und Grösse. Laut Leu sind diese aber oft ausserordentlich aufwendig, da sie nicht selten mehrere Täter, Geschädigte, Tatorte und Delikte aufwiesen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat der Regierungsrat im Dezember 2018 bei der Staatsanwaltschaft zehn neue Stellen, davon sechs für Staatsanwälte, bewilligt.

Deutlich mehr Personal nötig

Mit dieser Aufstockung ist der personelle Bedarf der Staatsanwaltschaft aber noch nicht gedeckt, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Beat Oppliger betonte. Bis 2026 benötigt die Staatsanwaltschaft des Kantons gemäss ihrem Entwicklungsplan 15 Prozent mehr Personal. Das entspricht einer Erhöhung des Personalbestandes um 54 auf insgesamt 400 Angestellte.

Hintergrund des wachsenden Personalbedarfs ist laut Oppliger unter anderem die kontinuierliche Zunahme der Fallzahlen. Gingen 2008 bei der Staatsanwaltschaft etwas über 26’000 neue Fälle ein, waren es letztes Jahr bereits 29’129. (Mit Material der sda)

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