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Zürcher Apotheker wollen Kiffern Gras verkaufen

Der städtische Verband möchte in Zukunft Marihuana anbieten – auch als Genussmittel.

Bringen sich als Händler ins Spiel: Zürcher Apotheker möchten in Zukunft THC-Hanf verkaufen können.
Bringen sich als Händler ins Spiel: Zürcher Apotheker möchten in Zukunft THC-Hanf verkaufen können.
Michael Schneeberger

Der Stadtzürcher Apothekerverband hat eine Vision. Er möchte in Zukunft Cannabis mit dem Wirkstoff THC verkaufen. Für medizinische Zwecke, aber auch für den Konsum, zum Genuss. Beides ist heute noch illegal, soll sich aber ändern, wenn es nach den städtischen Apothekern geht. «Wir können die Augen vor der Realität nicht verschliessen», sagt Valeria Dora, Präsidentin des Apothekennetzes Zürich, in der NZZ. Denn laut Schätzungen haben zwischen 30 und 40 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer mindestens einmal in ihrem Leben gekifft.

Ihre Vision vom Grasverkauf in den Apotheken skizzieren die Apotheker in einem Positionspapier: Wer volljährig ist, könnte in Apotheken Cannabis «in pharmazeutischer Qualität» beziehen. Bis zu drei bis fünf Sorten würden angeboten, mit Beipackzettel. Die Vorteile aus Sicht der Apotheker: Das Fachpersonal könnte «problematischen Konsum» erkennen und eindämmen. Das Ziel sei es, mit einer regulierten Abgabe den Schwarzmarkt zu bekämpfen, um so den Kontakt zu Dealern und damit zu harten Drogen zu reduzieren, schreibt die NZZ, der das Papier vorliegt. Apothekennetz-Präsidentin Dora erachtet eine Abgabe in Coffeeshops oder anderen spezialisierten Geschäften wie in den Niederlanden für die Schweiz indes als weniger zielführend. Eine schrankenlose Liberalisierung, wie in einigen US-Staaten, sei für die Apotheker aber kein Thema.

In den USA erlebt legales Gras derzeit gerade einen Boom. Seit immer mehr Staaten den Verkauf für medizinische Zwecke oder gar zum Genuss erlauben, wurde der Handel damit zu einer Milliardenindustrie. In der Schweiz wird der illegale Cannabismarkt auf einen Jahresumsatz von mindestens 600 Millionen Franken geschätzt.

Experimentierartikel aufgegleist

Dass die Apotheker mit dieser Idee vorpreschen, kommt nicht von ungefähr. Liberalisierungsbestrebungen im Bereich Cannabis gibt es zwar schon länger, sie sind derzeit aber relativ konkret. Die Stadt plant ab 2020 Pilotversuche mit wissenschaftlicher Begleitung. Damit diese dann auch durchgeführt werden können, braucht es noch eine Gesetzesänderung auf Bundesebene. Der Bundesrat hat einen Experimentierartikel ausformuliert und in die Vernehmlassung geschickt. Das Gesetz soll die regulierte Abgabe von Cannabis ermöglichen können, diese soll aber nur über Verkaufsstellen möglich sein, die über geschultes Personal verfügen und in denen eine sichere Lagerung garantiert ist. Zum Beispiel: Apotheken.

Einen Alleingang streben die Zürcher Apotheker nicht an. Man wolle mit den Fachstellen der Stadt Zürich zusammenarbeiten, und dort habe man sie auch mit «offenen Armen empfangen», sagt Dora. «Die Haltung von Stadtrat Andreas Hauri in dieser Frage ist liberal», wird eine Mediensprecherin des Gesundheitsdepartements in der NZZ zitiert. Und weiter: Die politische Debatte sei «dringend und überfällig».

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