Zürcher Bankdirektor erstreitet sich Zehntausende Franken Bonus

278'941 Franken Jahreslohn waren dem Mann nicht genug. Er forderte einen Spezialbonus – mit Erfolg.

Das Obergericht stösst ein Urteil des Arbeitsgerichts um: Ein ehemaliger Banker bekommt einen Bonus von 90'000 Franken.

Das Obergericht stösst ein Urteil des Arbeitsgerichts um: Ein ehemaliger Banker bekommt einen Bonus von 90'000 Franken. Bild: Urs Jaudas

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Ein ungewöhnliches Urteil hat das Zürcher Arbeitsgericht behandelt. Es geht um einen Mann, der 1991 in einer Zürcher Bank eine Lehre begann und sich bis in die Direktionsetage hocharbeitete, wie es im unlängst veröffentlichten Jahresbericht heisst. 2013 – nach über 20 Jahren – erhielt der Bankdirektor die Kündigung. Über die Gründe erfährt man im Urteil nichts, dafür über die Entschädigungen, die der Mann erhalten hat.

Offensichtlich war der Geschasste damit nicht zufrieden, denn er verlangte vor Arbeitsgericht einen Spezialbonus für das Jahr 2011, weil er nach eigenem Dafürhalten im Jahr 2012 zu wenig verdient hatte – nämlich: 278'941 Franken.

Das Arbeitsgericht stand nun vor der Frage, ob der verlangte Bonus als freiwillige Leistung, als Gratifikation der Bank oder als effektiver Lohnbestandteil anzusehen ist. Bei seinem Entscheid stützte sich das Gericht auf die Rechtssprechung am Bundesgericht. Dieses hatte festgelegt, dass bei Top-Verdienern mit sehr hohen Einkommen kein Anlass besteht, über das Arbeitsrecht korrigierend einzugreifen.

Fünffacher Medianlohn

In diesem Fall ist umstritten, ob der Bankdirektor ein Top-Verdiener ist oder nicht. Für das Arbeitsgericht ist er es. Denn sein Jahreseinkommen betrug zwischen 2010 und 2013 im Durchschnitt rund 385'000 Franken – was knapp über der Top-Verdiener-Grenze von 367'000 Franken liegt. Diese wird – ebenfalls vom Bundesgericht – beim Fünffachen des Medianlohns festgesetzt. Das ist der mittlere Lohn, der in Schweiz in einer vollen Anstellung erzielt wird.

Für das Arbeitsgericht darf man bei der Ermittlung des Einkommens nicht isoliert auf das Jahr 2012 abstellen, da es bei der Entlöhnung je nach Jahr erhebliche Schwankungen gebe. Zudem hat der Mann mit der Kündigung eine Abgangsentschädigung bekommen, die ihm 2013 ein Jahreseinkommen von 431'000 Franken bescherte. Auch hier stützte sich das Arbeitsgericht auf die bundesgerichtliche Rechtssprechung und wies die Forderung des Klägers ab.

Direktor ist kein Top-Verdiener

Anderer Meinung ist nun das Obergericht. Es interpretiert das Bundesgericht anders als das Arbeitsgericht. Ob 2012 eine Bonusberechtigung bestehe, könne nur mit dem Jahreseinkommen aus diesem Jahr ermittelt werden. 2012 war der Bankdirektor aber kein Top-Verdiener, weil sein Einkommen von 278'941 Franken unter dem Fünffachen des Medianlohns lag. Für das Obergericht besteht darum 2012 für den entlassenen Bankdirektor ein Bonusanspruch von knapp 90'000 Franken – was der Differenz zwischen dem effektiv erzielten Einkommen und dem fünffachen Medianlohn entspricht.

Erhalten hat der Mann das Geld allerdings noch nicht, weil die Bank den Entscheid des Obergerichts ans Bundesgericht weitergezogen hat.

Erstellt: 24.07.2019, 14:32 Uhr

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