Zürcher hacken für den Klimaschutz

Am Climathon denken kluge Köpfe über umweltgerechte Lösungen nach. Dabei entstehen Ideen, Prototypen und Apps – vielleicht.

Am regelmässigen Giessen soll der eigene kleine Garten nicht scheitern. Das Modell von Greenurbs funktioniert mit Solarzellen.

Am regelmässigen Giessen soll der eigene kleine Garten nicht scheitern. Das Modell von Greenurbs funktioniert mit Solarzellen. Bild: PD

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Viel ist nie genug. Ganz besonders, wenn es um Klimaschutz geht. Jeder Lösungsansatz, der unsere Umwelt mehr schützt, ist ein Schritt in die richtige Richtung, findet etwa Fabienne Lang. Sie organisiert zusammen mit der Stadt Zürich und Energie 360°, ehemals Erdgas Zürich, heute und morgen nach 2016 zum zweiten Mal einen Climathon, eine 24-stündige Ideensuche für den Klimaschutz.

Lang und ihr Team verstehen den Anlass aber nicht als konventionellen Hackathon. «Wir erwarten Software basierte Lösungen und handfeste Ideen», sagt Lang. Neben neun Start-ups nehmen diverse andere Interessierte – mehrheitlich Studenten und Programmierer – am Climathon teil.

Resten für den Nachbarn

Konkret beschäftigen sich die Teilnehmer mit vier Aufgabenstellungen, unter anderem damit, wie Zürich zu einer «essbareren» Stadt wird. Wie also die Bevölkerung dazu ermuntert werden kann, wieder eigene Gärten anzulegen und sich von deren Erträgen zu ernähren. Gleichzeitig soll das Bewusstsein und das Wissen über wilde, essbare Pflanzen gefördert werden. Software-Entwickler Florian Gyger will sich dieser Aufgabe annehmen, nachdem er den letzten Climathon in bester Erinnerung hat.

Im Herbst 2016 dachte er gemeinsam mit Emin Khateeb, ebenfalls Programmierer, über eine Lösung des Food-Waste-Problems nach. Irgendwann ist «die Idee aufgepoppt», ein Instrument zu entwickeln, mit dem Privatpersonen andere auf ihre überschüssigen Lebensmittel aufmerksam machen können. Zum Beispiel, weil sie in die Ferien fahren, weil sie Resten von einem Fest haben oder weil sie im Garten einfach zu viele Quitten haben, um sie alle zu Gelee zu verkochen. Die App dient der unkomplizierten Vermittlung.

Seit Anfang dieses Monats ist die App Foodshelf kostenlos zum Download verfügbar. «Nun fehlt nur noch, dass sie möglichst viele Zürcher nutzen», sagt Gyger. Denn nur, wenn die Lebensmittel auch in der Nähe der Abnehmer sind, ist das Projekt nachhaltig. Dieses Jahr wollen die beiden ihre App erweitern, angepasst auf die neue Fragestellung. «Wir denken an eine Art virtuelles Lebensmittelgeschäft, in dem Zürcherinnen und Zürcher anbieten können, was sie Essbares aus dem eigenen Garten oder aus dem Wald hergestellt haben.»

Wie das E-Bike angenehmer aufladen?

Andere Teilnehmer beschäftigen sich mit den Fragen, wie Energiedaten den Verbrauchern verständlicher gemacht werden können, wie die Zürcherinnen und Zürcher an einer umweltfreundlicheren Stadtplanung mitwirken können und wie das Aufladen von Elektromobilen so in den Alltag integriert werden kann, dass es angenehm wird.

Dieser Aufgabe nimmt sich das Jungunternehmen von Spark Horizon an. Es plant das erste kostenlose Ladenetzwerk für Elektroautos in europäischen Städten. Nachhaltig engagierte Firmen sollen die Zapfsäulen sponsern. Die erste Säule soll gemäss «Tagblatt» beim EWZ-Unterwerk an der Selnaustrasse eröffnet werden.

Voraussichtlich rund 120 Personen werden in Zürich am diesjährigen Climathon teilnehmen. Der Anlass findet weltweit gleichzeitig in 100 Städten statt. Organisatorin Fabienne Lang geht es neben ein oder zwei Ideen, die auch tatsächlich umgesetzt werden können, auch um einen anderen Punkt: «Es soll zeigen, dass sich in Sachen Klimaschutz auch ganz viel tut.» Der Anlass im neusten Impact Hub im EWZ Selnau ist öffentlich. Preisverleihung der besten Projekte ist morgen Samstag ab 17.30 Uhr.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.10.2017, 15:19 Uhr

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