Zürcher Hausverkäufer verzichtet auf sechsstelligen Profit

Die Wohnbaugenossenschaft Zurlinden konnte 51 Wohnungen von einem Privaten erwerben – obwohl andere viel mehr geboten haben.

Diese Siedlung (gelb) an der Rautistrasse in Zürich-Altstetten geht an die Genossenschaft Zurlinden.


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Es mag nur ein kleiner Schritt Richtung Drittelsziel sein, dem heissesten Politikum der Stadt Zürich, aber er ist bemerkenswert: Eine Privatperson hat 51 Wohnungen in Altstetten an die Wohnbaugenossenschaft Zurlinden verkauft und dabei auf viel Geld verzichtet. Denn auch gewinnorientierte Investoren haben für die Sechzigerjahre-Überbauung an der Rautistrasse mitgeboten. Ihre Angebote lagen um einen hohen sechsstelligen Betrag über jenem der Genossenschaft, wie deren Präsident Urs Frei sagt. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Dass ein Privater gezielt an eine Genossenschaft verkaufe, kommt laut Frei immer wieder mal vor. Im Fall der Rautistrasse sei der Verkäufer der Erbe einer ehemaligen Bauernfamilie gewesen, die seinerzeit auf ihrem Land gebaut habe. Ihm sei es wichtig gewesen, die Mieter in guten Händen zu wissen.

Keine Leerkündigungen

Dies sei bei der Genossenschaft Zurlinden gewährleistet, da sie bei einer Gesamtsanierung nicht allen den Vertrag kündigen würde, wie das renditeorientierte Firmen zunehmend machen – ein Beispiel der Swiss Life in Regensdorf sorgte kürzlich für Aufsehen. Stattdessen könnte die Genossenschaft die Mieter rechtzeitig umquartieren, weil sie in unmittelbarer Umgebung über rund 400 Wohnungen verfüge.

Die Handänderung werde allerdings voraussichtlich höhere Mietzinsen nach sich ziehen, wie die Genossenschaft Zurlinden mitteilt. Beliesse man die Zinsen auf bisherigem Niveau, würden die Einnahmen nicht genügen, um den Aufwand zu decken. Das liegt laut Frei am Kaufpreis, der trotz allem happig war.

Ungewöhnliche Bitte

Um auf eine Mietzinserhöhung verzichten zu können, will die Genossenschaft die Stadt um einen Abschreibungsbeitrag an den Kaufpreis bitten. Das wäre wohl eine Premiere. Frei argumentiert aber, dass die Stadt den eigenen Immobilienstiftungen solche Beiträge gewähre. Namentlich der PWG, die sich für den Erhalt preisgünstiger Wohnund Gewerberäume einsetzt. Städtische Institutionen wie die PWG wären laut dem Genossenschaftspräsidenten gar nicht nötig. Der Liegenschaftenhandel an der Rautistrasse zeige, dass die Genossenschaften in der Lage wären, aus eigener Kraft am in der Zürcher Gemeindeordnung verankerten Drittelsziel zu arbeiten, wonach bis 2050 ein Drittel aller Mietwohnungen in der Stadt gemeinnützig sein soll.

Wie nah Zürich zurzeit am Drittelsziel ist, wird der nächste Bericht des Stadtrats zeigen, der 2020 fällig ist. Bei der letzten Erhebung von 2016 galten 26,8 Prozent von fast 200'000 Mietwohnungen als gemeinnützig. Das heisst, sie wurden nach dem bei Genossenschaften üblichen Prinzip der Kostenmiete bewirtschaftet, die nur kostendeckende Mietzinsen erlaubt. Andere Träger wie die PWG waren nicht berücksichtigt. Hätte man sie dazugezählt, hätte der Anteil fast 30 Prozent betragen.

Seither wurden in Zürich viele Wohnungen gebaut – nicht nur von gemeinnützigen Bauträgern. 2016 etwa gingen nur knapp 500 von fast 3000 Wohnungen aufs Konto von Genossenschaften und öffentlichen Einrichtungen – es war das Jahr, als im Zollfreilager über 800 gewinnorientierte Neuwohnungen auf den Markt kamen. Im Folgejahr verschob sich das Verhältnis: Fast die Hälfte von über 2600 neuen Wohnungen waren im weiteren Sinn gemeinnützig.

Erstellt: 03.01.2019, 16:31 Uhr

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