Zürcher Kirche überdenkt Immo-Strategie

Der Plan, sich künftig mit dem Vermieten ihrer Häuser zu finanzieren, brachte der Kirche viel Kritik ein. Nun buchstabiert sie zurück.

Leitbild soll überarbeitet werden: Etliche Vertreter der Kirchgemeinden fürchten einen Imageverlust.

Leitbild soll überarbeitet werden: Etliche Vertreter der Kirchgemeinden fürchten einen Imageverlust. Bild: Keystone

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Die reformierte Zentralkirchenpflege (ZKP) hat gestern Abend einen wegweisenden Entscheid gefällt. Es ging gewissermassen um die Gretchenfrage der Stadtzürcher Reformierten: Wie geht man künftig mit den eigenen Immobilien um? Per 1. Januar 2019 fusionieren 32 Kirchgemeinden der Stadt zu einer einzigen Gemeinde. Diese wird dann über 200 Immobilien verfügen, deren Unterhalt heute defizitär ist. Der Stadtverband der reformierten Kirche koordiniert die Fusion und plant, die Kirche künftig zu einem grossen Teil aus der Bewirtschaftung der Immobilien zu finanzieren, wobei die Häuser in zwei Kategorien unterteilt werden sollen: in Immobilien für den Betrieb der Kirche und in Anlage-Immobilien, die künftig an Dritte vermietet werden sollen – zu Marktpreisen, wie es im Leitbild heisst. Dieser Aspekt spaltet die Reformierten.

Die Kirche werde zu einem weiteren Player im überhitzten Zürcher Wohnungsmarkt, befürchtet eine Gruppe rund um Hannes Lindenmeyer, Kirchenpflegepräsident Aussersihl. Mit seinen Amtskollegen aus Wollishofen und Neumünster hat er vergangenen Herbst in der ZKP einen Antrag durchgebracht: Fünf Hundertprozentstellen für die Bewirtschaftung der Immobilien sollen auf zwei Jahre befristet werden. Zudem soll eine Kommission den Prozess kritisch begleiten, und längerfristig sei die Auslagerung der Immobilienbewirtschaftung zu prüfen.

Der Stadtverband hat einen Kompromiss ausgearbeitet. Die Befristung der Stellen wurde verworfen. Dafür wird die Auslagerung geprüft und eine Kommission geschaffen, die den Prozess kritisch begleiten soll. Diesem Kompromiss stimmte die ZKP gestern mit grosser Mehrheit zu. Unter den sieben Mitgliedern der neugewählten Kommission sind mehrere, die dem Immobilienleitbild des Stadtverbandes kritisch gegenüberstehen. Aus der Diskussion um die Strategie wurde nämlich klar: Etliche Vertreter der heutigen 32 Kirchgemeinden fürchten einen Imageverlust, wenn die Kirche mit der Vermietung von Liegenschaften grosse Gewinne erzielt.

Kosten decken statt profitieren

Diese Befürchtung besteht auch ausserhalb der Kirche. An der ZKP-Sitzung ist gestern eine Petition eingereicht worden, die fordert, die Kirche dürfe ihre Häuser und Räume nur kostendeckend vermieten. Unter den 520 unterzeichnenden Personen sind viele, die nicht der reformierten Kirche in Zürich angehören. Zudem reichten die Stadtzürcher Grünen gestern im Gemeinderat ein Postulat ein. Sie fordern, der Stadtrat soll seinen Einfluss auf die Kirche geltend machen und dafür sorgen, dass mindestens ein Drittel aller Anlage-Immobilien der Kirche nach dem Prinzip der Kostenmiete vergeben werden.

Der Stadtverband hat die Signale zur Kenntnis genommen. Das Leitbild habe zu Missverständnissen geführt, sagte Stadtverbandspräsident Thomas Hurter. Er stellte klar, das Leitbild müsse überarbeitet werden. Sein Ziel sei eine nicht nur finanziell, sondern auch betrieblich und gesellschaftlich nachhaltige Lösung. Bis im Herbst will der Stadtverband nun das weitere Vorgehen evaluieren und dann bis Ende 2019 die neue Immobilienstrategie umsetzen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.03.2018, 08:08 Uhr

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