Zürcher Mordprozess dauert vier Tage

Der ungewöhnlich lange Prozess gegen den mutmasslichen Mörder Jeton G. findet nach den Sommerferien statt.

Jeton G., sein Anwalt Valentin Landmann und Staatsanwalt Jürg Boll (von links) 2015 vor dem Zürcher Obergericht. Illustration: Robert Honegger

Jeton G., sein Anwalt Valentin Landmann und Staatsanwalt Jürg Boll (von links) 2015 vor dem Zürcher Obergericht. Illustration: Robert Honegger

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Der 34-jährige Jeton G. aus Regensdorf, ein Schweizer mit kosovarischen Wurzeln, ist angeklagt, in der Nacht des 1. März 2015 auf der Wehntalerstrasse in Zürich-Affoltern einen 30-jährigen Mann aus Montenegro erschossen zu haben. Wenige Tage danach verhaftete die Polizei drei Tatverdächtige, darunter auch Jeton G.

Beim Opfer handelte es sich um Boris R., einen Türsteher und Mixed-Martial-Arts-Kämpfer. Opfer und Täter kannten sich von früher und waren erbitterte Feinde. So bedrohte Jeton G. seinen Kontrahenten auf Facebook mit vulgären Worten und beleidigte ihn als Hundesohn. An jenem Abend hätten die beiden Kontrahenten den Streit klären sollen.

Showdown auf offener Strasse

Laut «Blick», der Einsicht in die Untersuchungsakten des tödlichen Vorfalls hatte, war es zum Showdown auf offener Strasse gekommen. Die wichtigsten Aussagen von Jeton G.: Der Streit sei eskaliert, er habe einen «Vollschuss Pfefferspray» ins Gesicht bekommen. Es gab ein Gerangel, Schüsse fielen. Die spätere Tatwaffe trug ein Kollege von Jeton G. mit sich herum. «Er drückte mir dann den Revolver in die Hand. Ich habe einfach abgedrückt und geschossen. Ich sah nicht, wohin ich schiesse», sagte Jeton G.

Das Tötungsdelikt kommt am 11. September vor das Bezirksgericht Zürich. Der Prozess ist auf vier Tage anberaumt, was ungewöhnlich lang ist. Ungewöhnlich ist auch, dass der Beschuldigte von zwei Anwälten verteidigt wird. Laut früheren Medienberichten ist er geständig. Er verneinte aber die Mordabsicht und sprach von Notwehr.

Schiesserei halbes Jahr zuvor

Jeton G. und das spätere Opfer sollen bereits in eine Schiesserei vom 7. Oktober 2014 am Schwamendingerplatz involviert gewesen sein. Damals waren an der Saatlenstrasse Schüsse unter mehreren Personen gefallen. Verletzt wurde offenbar niemand, und wer geschossen hatte, ist nicht bekannt.

Nach dem Tötungsdelikt in Zürich-Affoltern stellte sich heraus, dass Jeton G. trotz Vorstrafen eingebürgert worden war. Er war bereits als Minderjähriger ein sogenannter Intensivtäter. Nach dem Abbruch seiner Lehre als Autospengler hatte er nicht mehr gearbeitet. Neben jahrelangem Sozialhilfebezug für seine Familie verdiente er auch Geld mit illegalen Tätigkeiten.

Im Gefängnis wegen anderer Taten

Jeton G. ist momentan im Gefängnis, aber nicht im vorzeitigen Strafvollzug wegen des Tötungsdelikts in Zürich-Affoltern, sondern wegen Angriffen bei zwei Schlägereien, Diebstählen, Hehlerei und weiterer Delikte. Das Zürcher Obergericht hatte den Mann im Oktober 2015 zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Zudem wurden zwei bedingt ausgesprochene Vorstrafen von 16 Monaten widerrufen – insgesamt 58 Monate. Bei der ersten Schlägerei handelte sich um einen Vorfall im Januar 2012 vor dem Club Q in Zürich-West. Die zweite Schlägerei fand im November 2013 vor dem New-Point-Imbiss an der Langstrasse im Kreis 4 statt.

Zum geforderten Strafmass im kommenden Mordprozess äussert sich Staatsanwalt Matthias Stammbach nicht. Der Strafrahmen bei Mord liegt zwischen zehn Jahren und einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe.

Erstellt: 22.07.2019, 10:56 Uhr

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