Zürcher Prestige-Veloroute erleidet einen Platten

Ausgerechnet das Seefeld lehnt die geplante Komfortroute am See ab. Diese gilt als das «Leuchtturmprojekt».

In Zukunft sollen spezielle Routen das Velofahren in der Stadt sicherer machen. Doch wo sollen diese durchführen? Foto: Urs Jaudas

In Zukunft sollen spezielle Routen das Velofahren in der Stadt sicherer machen. Doch wo sollen diese durchführen? Foto: Urs Jaudas

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Im Jahr 2025 soll in Zürich doppelt so viel Velo gefahren werden wie 2011. Das ist das Ziel des städtischen Masterplans Velo. Durchgängige Velowege sollen das Radfahren künftig sicher und vergnüglich machen. Das Volk will das ebenfalls, weshalb es die Städteinitiative angenommen und im Juni 2015 einen Rahmenkredit von 120 Millionen Franken bewilligt hat. Eines der gewichtigsten Projekte des Masterplans – zum «Leuchtturmprojekt» ernannt – ist der Radweg ums Seebecken – eine Kombination von Haupt- und Komfortroute, also für Geübte und Unerfahrene benützbar.

Knackpunkt dieser Route ist der Abschnitt zwischen Bellevue und Badi Utoquai, weil es dort kaum Platz hat. Nach langem Planen und Pröbeln schrieb das Tiefbauamt das Projekt im letzten November öffentlich aus: ein 3,5 Meter breiter Veloweg mit Gegenverkehr, eingezwängt zwischen Seeanlage und Utoquai. Ihm muss die Hecke längs der Strasse weichen; 26 Bäume werden gefällt und neu gepflanzt.

Ein «teurer Murks»

Doch die, die diese Route am häufigsten befahren würden, wollen nicht. Die Mitgliederversammlung des Quartiervereins Riesbach lehnt das Projekt ab. Der Entscheid sei am Montagabend mit sehr grossem Mehr gefallen, teilt der Quartierverein mit. Sein Präsident Urs Frey erklärt: Das Projekt sei ein teurer Murks, der niemanden überzeugt. Der Veloweg ist auf Höhe Pumpstation nur 2,5 Meter breit, er quert mehrere Fussgängerübergänge, vom stark befahrenen Utoquai trennt ihn nur eine niedere Abschrankung, was bei Sturz Lebensgefahr bedeutet. Zudem fehlt am Bellevue die Anbindung an weiter führende Routen. Sollte diese Route gebaut werden, wird der heute geltende Mischverkehr in der Quaianlage aufgehoben. Die Velofahrer müssen dann die unattraktive Komfortroute benützen, sonst werden sie gebüsst. Einwände gegen das Projekt gibt es auch aus Gründen des Naturschutzes: Die Hecke am Utoquai und mehrere Bäume kommen weg. Jetzt beantragt der Quartierverein dem Stadtrat, eine neue Lösung zu erarbeiten. Sollte das nicht gelingen, hält Urs Frey den heutigen Mischverkehr für besser.

Video – so teuer wird es, wenn Ihr Velo nicht «fit» ist:

Ist der Stahlesel startklar? Die Polizei erklärts.

Gegen diesen Radweg hat sich auch der VCS Zürich im Rahmen der Planauflage ausgesprochen. Nach den Worten von Geschäftsführerin Gabi Petri akzeptiert der VCS kein Projekt, das auf Kosten der Bäume, der Hecke oder der Fussgänger geht. Diese Veloroute gehöre auf die Strasse oder auf eine andere Achse, zum Beispiel auf die Dufour- oder Seefeldstrasse. Im Unterschied zum VCS begrüsst Pro Velo Zürich die geplante Komfortroute – allerdings nicht begeistert, sondern als «Spatz in der Hand». Laut Geschäftsführer Dave Durner fehlt im Seefeld immer noch eine schnelle Veloverbindung. Die müsste entweder auf der Dufourstrasse eingerichtet werden oder auf der Bellerivestrasse.

Ähnliches schwebt auch dem Quartierverein Riesbach vor. Er beantragt dem Stadtrat, dass die geplante Sanierung der Bellerivestrasse ohne Umleitung, ohne Baumfällen und ohne Pontonbrücke erfolgt. Daraus folgt ein Spurabbau und Tempo 30, was Erfahrungswerte für eine dauernde Verkehrsberuhigung auf dieser Hauptstrasse liefern würde. Der Quartierverein verlangt, die Strasse sei so zu sanieren, dass sie dereinst ohne grossen Aufwand auf zwei Fahrspuren und einen richtungsgetrennten Veloweg umgestaltet werden kann. Die Baustelle Bellerivestrasse beginnt 2019/20 und dauert drei Jahre.

Erstellt: 04.04.2017, 21:16 Uhr

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