Zürcher decken sich mit Waffen ein

Schusswaffen sind nicht nur in den USA ein Thema: In fast allen Schweizer Kantonen nehmen die Gesuche für Waffenscheine stark zu – insbesondere auch in Zürich.

Wer eine bewilligungspflichtige Waffe kaufen möchte, zum Beispiel eine Pistole, benötigt einen Waffenerwerbsschein.

Wer eine bewilligungspflichtige Waffe kaufen möchte, zum Beispiel eine Pistole, benötigt einen Waffenerwerbsschein. Bild: Keystone/Martin Ruetschi

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Gegen 1000 Schüsse hatte der 64-jährige Stephen Paddock gestern Montag in Las Vegas auf Konzertbesucher abgegeben. Seither wird wieder über den «Waffenwahnsinn» der US-Amerikaner debattiert. Allerdings gehört auch die Schweiz punkto Waffendichte zur weltweiten Spitze, die neue Waffengesetzgebung wurde gerade entschärft, und die Waffenkäufe nehmen zu. Laut Experten steht das im Zusammenhang mit den weltweiten Terroranschlägen, die ihre Wirkung auch in der Schweiz nicht verfehlen. Sie sprechen von einem «generellen Klima der Beunruhigung».

In praktisch allen Kantonen haben vor allem im letzten Jahr die Gesuche für Waffenerwerbsscheine rekordmässig zugenommen. Einen solchen muss jeder Käufer bei seiner Wohngemeinde beantragen, wenn er eine Schusswaffe (Pistole, Revolver oder halbautomatisches Gewehr) erwerben will. Der Schein berechtigt dazu, sie zu Hause aufzubewahren. Der Bund rechnet damit, dass in Schweizer Haushalten zwei Millionen Waffen lagern.

Ein Spitzenjahrgang

2016 war für die Schweiz in Sachen Waffenerwerbsscheine ein Spitzenjahr: Es wurden mehr ausgestellt als je zuvor. Die mit Abstand grösste Zunahme gab es in den Kantonen Uri (+49,4 Prozent) und Genf (+49,2 Prozent). In der Spitzengruppe findet sich aber auch Zürich mit einem Plus von 42 Prozent. Die meisten anderen Kantone verzeichneten eine Zunahme zwischen 20 und 30 Prozent.

Carmen Surber von der Zürcher Kantonspolizei sagt: «Das ist sicher ein grosser Anstieg.» Wurden im Zürich 2015 noch rund 6400 Waffenerwerbsscheine ausgestellt, verzeichnete die Polizei im letzten Jahr deren 9100. Was die Ursache für den Anstieg ist, weiss die Polizeisprecherin nicht.

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Der Anstieg ist wohl einerseits damit zu erklären, dass es vermehrt Privatpersonen gibt, die eine Waffe zum Selbstschutz kaufen, weil sie eine Unsicherheit verspüren. Andererseits ist diese Zunahme auch auf die Revision des Waffengesetzes zurückzuführen. Seit dieses in Kraft ist, sind Waffen bewilligungspflichtig. Zudem müssen Personen, die ab 2010 ihren Militärdienst beendet haben und ihre Waffe behalten wollen, ebenfalls neu einen Waffenerwerbsschein besitzen.

Zahlen verharren auf hohem Niveau

«Im laufenden Jahr sind bis Ende Juni rund 4200 Waffenerwerbsscheine bei uns eingetroffen», sagt Surber. Sie gehe daher nicht von einem neuerlichen Spitzenwert aus, sondern rechne damit, dass sich die Gesuche für Waffenerwerbsscheine bis Ende 2017 auf hohem Niveau stabilisieren werden.

Einen Waffenerwerbsschein bekommt übrigens nur, wer mindestens 18 Jahre alt ist, nicht unter Beistandschaft steht, nicht vorbestraft ist und keinen Anlass gibt, sich selbst oder Dritte mit einer Waffe zu gefährden.

Erstellt: 03.10.2017, 15:02 Uhr

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Wer darf eine Waffe kaufen

In der Schweiz unterscheidet man zwischen meldepflichtigen, bewilligungspflichtigen und verbotenen Waffen. Wer eine bewilligungspflichtige Waffe kaufen möchte, etwa eine Pistole, einen Revolver oder ein halbautomatisches Gewehr, benötigt einen Waffenerwerbsschein. Dieser wird in dreifacher Kopie ausgestellt: Ein Exemplar wird bei der kantonalen Behörde hinterlegt, eines im Waffengeschäft und eines beim Besitzer selbst. Als Erwerb gelten neben Kauf auch Tausch, Schenkung, Erbschaft, Miete oder Gebrauchsanleihe.

Der Waffenerwerbsschein berechtigt dazu, die Waffe zu Hause aufzubewahren. Wer sich mit der Waffe in der Öffentlichkeit bewegen will, benötigt darüber hinaus eine Waffentragbewilligung. Für meldepflichtige Waffen, dazu gehören Paintballwaffen, Softair-Waffen, Sport- und Jagdgewehre, braucht es einen schriftlichen Vertrag, der zwischen Privaten oder im Handel abgeschlossen wird.

Zu den verbotenen Waffen gehören unter anderem Seriefeuerwaffen, Lasergeräte, Elektroschockgeräte und Schmetterlingsmesser. Hier sind Ausnahmebewilligungen möglich, etwa für Messer, die von bestimmten Berufsgruppen verwendet werden.

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