Zürcher SP verzichtet auf weitere Kandidatur

Die SP schickt nach Nielsens Rückzug keine weitere Kandidatin ins Zürcher Stadtrat-Rennen – und verliert damit nach 20 Jahren erstmals einen Sitz.

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Die Spitze der Stadtzürcher SP will auf eine weitere Kandidatur verzichten. Nachdem sich Claudia Nielsen von der Wahl zurückgezogen hat, verbleiben der Partei drei Namen für die Wahl vom 4. März: Stadtpräsidentin Corine Mauch und die beiden bisherigen Stadträte André Odermatt und Raphael Golta.

Die SP wird damit erstmals nach 20 Jahren wieder einen Sitz im Zürcher Stadtrat verlieren. 1998 schafften es die Sozialdemokraten von drei auf vier Sitze aufzustocken. Seitedem konnten sie dieses Ergebnis stets halten. Nun soll stattdessen umso mehr die neue Kandidatin der Grünen, Karin Rykart, unterstützt werden. Zusammen mit dem unbestrittenen Daniel Leupi (Grüne) und Richard Wolff (AL) bliebe die rot-grün Mehrheit im Stadtrat bestehen.

Parteispitze vom Entscheid überrumpelt

Die Zürcher SP hat ihren Entscheid heute unter Hochdruck gefällt: Erst am Mittwochmittag gab die langjährige SP-Stadträtin Claudia Nielsen bekannt, dass sie sich aus dem Wahlkampf zurück zieht. Nielsen hat ihre Parteispitze mit diesem Entscheid überrumpelt. Und für die SP ist das ein Debakel, sie zählte auf Nielsen als vierte Kandidatin für den Stadtrat.

In einer Medienmitteilung erklärten die Sozialdemokraten ihren Entscheid: «Für uns war klar, dass eine weitere Kandidatur nur dann Sinn macht, wenn die Kandidatin nicht nur das Zeug zu einer guten Stadträtin, sondern auch bereits die entsprechende Bekanntheit mitbringt. Das heisst konkret: Min Li Marti oder Jacqueline Badran», lässt sich Co-Präsidentin Gabriela Rothenfluh zitieren. Zum jetzigen Zeitpunkt sei jedoch eine Kandidatur für keine der beiden eine Option.

«Es gibt in Bern noch einiges, das ich bewegen muss»

«Ich habe mich schweren Herzens gegen eine Kandidatur entschieden», erklärt Jacqueline Badran ihren Entscheid. «Es hätte mich sehr gereizt, mich in der Stadtregierung für ein noch lebenswerteres Zürich für alle einzusetzen. Doch es gibt in Bern noch einiges, das ich bewegen muss.» Zudem habe sie eine Unternehmung. «Da spaziert man nicht einfach raus und sagt seinen 30 Mitarbeitenden mal eben ‹adieu›.»

Die SP will sich nun auf den Gemeinderat konzentrieren, wie Co-Präsident Marco Denoth sagt: «Einen Sitz in der Regierung zu verlieren ist nie schön. Schlussendlich geht es aber nicht darum, wer im linken Lager wie viele Sitze besetzt, sondern vor allem darum, endlich wieder eine linke Mehrheit im Gemeinderat zurückzugewinnen.»

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Nielsens Rückzug verleiht nicht nur der Grünen Kandidatin Karin Rykart Auftrieb – sondern könnte dem Grünliberalen Andreas Hauri ebenso helfen. Er will am 4. März als erster Kandidat seiner Partei in den Stadtrat gewählt werden. Unklar ist noch, ob der Verzicht der SP auch den Bürgerlichen Parteien hilft. FDP, SVP und CVP kämpfen um die Mehrheit im Stadtrat.

Das Rennen um die vakanten Stadtratssitze wird eng, wie die neue TA-Umfrage zeigt:

Erstellt: 08.02.2018, 20:33 Uhr

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