Zürcher SP will eine Schweizer Minderheit schützen

Die Zürcher Sozialdemokraten sorgen sich ums Rätoromanisch. Dass jetzt deren Präsident selber aktiv wird, ist kein Zufall.

Eine Schulklasse beim Romanischunterricht: Archivbild: Keystone

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Zürich ist beliebt bei den Bündnern. Das zeigt sich nicht nur bei Spielen des HC Davos im Hallenstadion oder bei der Street Parade. Es schlägt sich auch in der Bevölkerungsstatistik nieder. 2017 lebten fast 10’000 Menschen mit dem Heimatkanton Graubünden in Zürich, etwas weniger als 1500 sprachen Rätoromanisch. Zürich ist ihre grösste Exilgemeinde.

Für sie will sich der Co-Präsident der Stadtzürcher SP, Marco Denoth, selber Exil-Bündner, einsetzen. Er hat gestern im Gemeinderat einen Vorstoss eingereicht, der die romanische Sprache retten soll. Diese sei nämlich gefährdet, wenn Menschen in Städte wie Zürich ziehen. Dies zeigt auch eine Studie des Zentrums für Demokratie Aarau, über welche die NZZ kürzlich berichtete: Das Rätoromanische sei dem Kanton Graubünden «zu einem beträchtlichen Teil entwachsen», und ohne wirksame Fördermassnahmen sei die Sprache «existenziell bedroht».

In Zürich gibt es zwar diverse Institutionen, die das Romanische fördern. Etwa eine romanische Kinderkrippe, einen gemischten Chor oder Vereine, die romanische Anlässe organisieren. Doch diese Angebote seien noch zu wenig bekannt, ist Denoth überzeugt.

Deshalb fordert er in einem Postulat den Stadtrat dazu auf, eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen, die sich dieses Themas annimmt. Diese soll «aktiv die Bildungs- und Vereinsangebote sammeln und diese in geeignetem Rahmen an die Zürcherinnen und Zürcher weitergeben», wie er in seinem Vorstoss schreibt. Alle Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger sollen gar Infomaterial in romanischer Sprache erhalten, fordert Denoth weiter.

Bund investiert jährlich 5 Millionen Franken

Das Rätoromanisch wird in der Schweiz schon lange gefördert. Die Dachorganisation der romanischen Sprach- und Kulturvereine, Lia Rumantscha, feierte diesen Sommer ihr 100-jähriges Bestehen. 1938 anerkannten über 90 Prozent der damals noch ausschliesslich männlichen Stimmbevölkerung das Rätoromanisch offiziell als vierte Nationalsprache. Seit 1995 unterstützt der Bund Massnahmen, welche die romanische Sprache fördern. Dafür investiert er etwa fünf Millionen Franken jedes Jahr.

Heute sprechen landesweit noch etwa 50’000 bis 60’000 Personen Rätoromanisch. Genau lässt sich das nicht sagen, weil es heute keine Volkszählung mehr gibt, die das erheben würde. Nur etwa die Hälfte von ihnen wohnt im Kanton Graubünden, und deshalb müsse die Sprache «überall dort gefördert werden, wo sie gesprochen wird», sagte Gianna Olinda Cadonau, Direktionsmitglied der Lia Rumantscha, im August dem SRF. In diese Richtung zielt auch Denoths Vorstoss im Zürcher Gemeinderat.

Erstellt: 26.09.2019, 14:01 Uhr

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