Zürcher Unispital und Triemli haben ein Qualitätsproblem

Zu viele Patienten landen nach einem Eingriff wieder im Krankenhaus. Das zeigt eine Untersuchung der Spitäler im Kanton.

Auf der Liste der Spitäler mit zu vielen vermeidbaren Wiedereintritten sind das Stadtspital Triemli (im Bild), das Universitätsspital Zürich sowie die Spitäler Affoltern und Limmattal. Foto: Samuel Schalch

Auf der Liste der Spitäler mit zu vielen vermeidbaren Wiedereintritten sind das Stadtspital Triemli (im Bild), das Universitätsspital Zürich sowie die Spitäler Affoltern und Limmattal. Foto: Samuel Schalch

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Patientinnen, die sich im Universitätsspital Zürich (USZ) oder im Triemli einer Operation unterziehen, riskieren eher, wegen Komplikationen zurück im Spital zu landen, als Patienten, die in anderen Spitälern waren. Das zeigt ein Bericht des Vereins zur Qualitätsentwicklung in Spitälern (ANQ). Für den Kanton Zürich untersuchte der ANQ die Rate der Wiedereintritte aufgrund von Komplikationen bei 19 von 23 Spitälern.

Auffallend viele solcher Wiedereintritte gibt es neben den beiden grossen Krankenhäusern in der Stadt auch im Spital Limmattal und in Affoltern. Erstmals hat sich der Kanton Zürich an der Untersuchung für das Jahr 2017 beteiligt. In den Jahren zuvor war dies wegen Problemen bei der Datenerhebung für die meisten Spitäler nicht möglich.

In einer Stellungnahme schreibt das Universitätsspital, die Messung habe ein «zu grobes Raster», weshalb das USZ speziell getroffen werde. Besonders Eingriffe bei nicht heilbaren oder seltenen Krankheiten würden falsch bewertet. Aber man nehme die Anzahl Wiedereintritte ernst und arbeite daran.

33 von 193 Spitälern in der Schweiz

Die Zürcher Gesundheitsdirektion begrüsst die Untersuchung: «Die Gesundheitsdirektion ist im ständigen Dialog mit den Spitälern mit dem Ziel, die Qualität noch zu verbessern», wie ein Sprecher erklärt. Das Spital Affoltern kämpft seit längerem mit finanziellen Problemen. Das Triemli ist wegen hoher Defizite unter enormem Spardruck.

Auf die ganze Schweiz bezogen, hatten 33 von 193 Spitälern im Jahr zu viele Wiedereintritte. Die neuste Statistik mit den Daten aus dem Jahr 2017 zeigt ein besseres Bild als auch schon: Die Anzahl Spitäler mit zu vielen Wiedereintritten ist um 14 zurückgegangen, liegt aber immer noch um 15 Institutionen höher, als vor zwei Jahren prognostiziert.

Die grossen Spitäler scheinen besondere Probleme mit zu vielen Wiedereintritten zu haben. Drei von fünf Universitätsspitälern liegen über der Norm, nämlich Bern, Lausanne und Zürich. Besser sieht es in Genf und Basel aus. Bern und Lausanne traf es schon zum zweiten Mal in Folge. Zürich taucht zum ersten Mal in der Liste auf, weil dessen Daten 2017 erstmals auf verwendbare Weise erhoben wurden. Alle drei Unispitäler hatten 2017 auch überdurchschnittlich viele Wundinfektionen nach Eingriffen. Ob ein Zusammenhang mit den Wiedereintritten besteht, wurde allerdings vom ANQ nicht untersucht.

Kantonsspital Baselland erneut auf der Liste

Nicht nur einige ganz grosse Spitäler tauchen in der Statistik auf. Auch bei den bedeutenderen Kantonsspitälern verzeichnet rund ein Viertel zu viele Wiedereintritte. Wieder auf der Liste stehen die beiden Zweigstellen des Kantonsspitals Baselland in Liestal und auf dem Bruderholz. Im Kanton Bern sind nur noch sechs statt neun Spitäler auf der Liste. Die Zentralschweiz taucht gar nicht mehr auf. Kleinere Spitäler scheinen im Durchschnitt weniger Probleme zu haben. Doch es gibt auch da auffällige Daten. Zum Beispiel das Spital Affoltern oder das Spital Limmattal im Kanton Zürich.

87 Prozent der Wiedereintritte erfolgen in dasselbe Spital, in dem der Patient bereits behandelt worden war.

Und noch etwas ist augenfällig: Wenn der Spitalaufenthalt deutlich kürzer oder länger als erwartet ausfällt, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient später noch einmal ins Spital aufgenommen werden muss. Regula Heller, stellvertretende Geschäftsleiterin beim ANQ, weist darauf hin, dass dies nicht einfach mit der Einführung von Fallpauschalen begründet werden könne: «Die Spitalaufenthaltsdauer ist in der Schweiz im internationalen Vergleich immer noch hoch.» 87 Prozent der Wiedereintritte erfolgen in dasselbe Spital, in dem der Patient bereits behandelt worden war, Tendenz steigend.

Aussagekraft der Messung sei beschränkt

Für die Inselgruppe, zu der das Inselspital und das Tiefenau-Spital gehören, die auf der Liste auftauchen, hat die Patientensicherheit Priorität, wie Mediensprecher Marcel Wyler erklärt. Man stehe mit ANQ in Kontakt und habe die Methodik der Messung untersucht. Man sei zum Schluss gekommen, dass die Aussagekraft beschränkt sei. Maximal ein Viertel der Wiedereintritte sei auf Fehler zurückzuführen. Im Falle der Inselgruppe sogar noch weniger. Man habe auch Fälle festgestellt, die falsch bewertet worden seien. «In unseren Augen können keine verlässlichen Rückschlüsse auf die Behandlungsqualität unserer Spitäler gezogen werden», sagt Wyler. Zu den getroffenen Massnahmen macht er keine Angaben.

«Für Spitäler ist es nicht realistisch, keine möglicherweise vermeidbaren Rehospitalisationen aufzuweisen.»Regula Heller, stellvertretende Geschäftsleiterin beim ANQ

Der ANQ untersuchte 880'000 Spitalaustritte aus 193 Spitälern aus dem Jahr 2017. Für jedes Spital rechnete der Verein den aufgrund der Art der Eingriffe, deren Komplexität und der Patienten zu erwartende Anteil an Wiedereintritten aus. Ein Spital taucht nur dann auf der Liste auf, wenn es deutlich mehr als diese erwartbaren Wiedereintritte aufweist. Zudem wurden verschiedene Diagnosegruppen analysiert und die Resultate den betroffenen Spitälern zur Verfügung gestellt. Ziel der Untersuchung ist es, dass die Spitäler Massnahmen ergreifen, um Wiedereintritte möglichst zu vermeiden.

«Für Spitäler ist es nicht realistisch, keine möglicherweise vermeidbaren Rehospitalisationen aufzuweisen», sagt Regula Heller. Denn sie könnten nicht alle Faktoren beeinflussen, die zu einem Wiedereintritt führten. «Mit den Empfehlungen im Nationalen Vergleichsbericht und den spitalspezifischen Messergebnissen verfügen diejenigen Spitäler mit Rehospitalisationsraten über der Norm aber über wichtige Hinweise, wo sie den Hebel ansetzen können und welche Massnahmen zu treffen seien», sagt Heller.

Erstellt: 20.11.2019, 06:25 Uhr

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