Zürich baut teurer als andere Städte

Eine Studie zeigt: Die hohen Ansprüche der Stadt verteuern viele Bauprojekte.

Das viele Glas am Schulhaus Leutschenbach macht es um 25 Prozent teurer als herkömmliche Bauten. Foto: Keystone

Das viele Glas am Schulhaus Leutschenbach macht es um 25 Prozent teurer als herkömmliche Bauten. Foto: Keystone

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Jetzt ist es offiziell: Die Stadt Zürich baut teuer. Ihre Schulhäuser, Horte und Altersheime kosten zum Teil deutlich mehr als diejenigen in anderen Städten oder Gemeinden. Das zeigen Erhebungen von drei unabhängigen Ingenieurbüros, die Stadtrat André Odermatt (SP) am Montag den Medien vorgestellt hat. Der Vorsteher des Hochbaudepartements gab die Studien vor eineinhalb Jahren in Auftrag, nachdem die Stadt wiederholt wegen teurer Bauten in der Kritik gestanden hatte. Der Name des Projekts: «Kostenklarheit».

Die drei Studien vergleichen die Kosten von Schulbauten, Altersheimen und Wohnsiedlungen. Im Bereich der Wohnsiedlungen sind die städtischen Bauten nur unwesentlich teurer als diejenigen von Genossenschaften und Privaten. Zum Teil grosse Unterschiede gibt es bei Schulhäusern und Horten sowie bei Altersheimen und Pflegezentren der Stadt Zürich und anderen Gemeinden.

Zürich bestellt mehr als andere Bauherren

Stadtrat Odermatt behauptete an der Medienkonferenz dennoch: «Die Stadt Zürich baut nicht teurer als andere.» Allerdings werde im Vergleich mit anderen Bauherrschaften oftmals mehr bestellt.

Diese Aussage löste Widerspruch bei ETH-Professor Hans-Rudolf Schalcher aus, der das Projekt als unabhängiger Beirat begleitet: «Herr Stadtrat, das stimmt einfach nicht: Die Stadt baut teurer als andere.» Das hat vor allem mit ihren Ansprüchen zu tun, wie in einer der Studien steht: «Auffallend ist, dass bei den städtischen Projekten die Vorgaben und Zielsetzungen deutlich höher sind als bei den Vergleichsprojekten.»

Das sind laut der Untersuchung die grössten Kostentreiber:

  • Zunahme der Fläche: In den Schulen und in den Altersheimen der Stadt Zürich ist der Flächenbedarf in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Das führt zu Mehrkosten von bis zu 20 Prozent. Ein Beispiel: In Zürcher Altersheimen und Pflegezentren sind viel mehr Balkone und Mehrzweckräume vorgesehen als in den Heimen anderer Gemeinden.
  • Komplexer Baugrund: In der Stadt Zürich zeichnen sich die Bauareale oft durch enge Platzverhältnisse, Hanglage (Altersheim Trotte) oder Altlasten (Schulhäuser Leutschenbach und Blumenfeld) aus. Das verursacht Mehrkosten von bis zu 26 Prozent.
  • Erhöhte Standards und Ansprüche: Minergie-zertifizierte Gebäude, wie sie die Stadt meist anstrebt, kosten zwischen 5 und 16 Prozent mehr als konventionelle Bauten. Die Stadt hat in den letzten Jahren zudem oft Schulhäuser mit hohem Glasanteil gebaut (Leutschenbach, Hardau, Albisriederplatz). Die Untersuchung zeigt, dass diese bis zu 25 Prozent teurer sind als herkömmliche Bauten. Auch die Ausstattung und Einrichtung von Klassenzimmern sind in der Stadt teurer als ausserhalb. Die Aufwendungen für Sicherheit sind ebenfalls höher.
  • Restriktive Auslegung der gesetzlichen Vorgaben: In der Stadt Zürich werden Vorschriften in den Bereichen Hygiene und Brandschutz sehr streng interpretiert. So unterstehen Hortküchen, in denen über Mittag Essen aufgewärmt wird, in der Stadt Zürich denselben Bestimmungen wie Restaurantküchen. Das sorgt dafür, dass Brand- schutzwände und Lüftungen eingebaut werden müssen. Bei vergleichbaren Horten in Bern und Uster wurde darauf verzichtet. Kostendifferenz: 55 Prozent. Auch bei der Hygiene fordern die städtischen Fachleute einen viel höheren Standard als andere, was Umbauten bis zu 17 Prozent verteuert.

Ganz früh spart man am meisten

Odermatt will nun untersuchen lassen, ob die gesetzlichen Vorgaben in der Stadt Zürich wirklich so strikt umgesetzt werden müssen: «Unseres Erachtens werden Ermessensspielräume heute zu wenig thematisiert und ausgenutzt.» Er zieht weitere Konsequenzen aus der Untersuchung: Zu Beginn eines Bauprojekts will er die Bestellungen der einzelnen Abteilungen und Departemente kritischer hinterfragen und überprüfen. «Zu diesem Zeitpunkt ist das Sparpotenzial am grössten.» Odermatt will zudem das Personal intensiver schulen.

Eine politische Diskussion sei ebenfalls nötig. «Wie viel Fläche wollen wir uns leisten, wie hoch sollen die Ausbaustandards sein?», fragt Odermatt. Bei den städtischen Wohnsiedlungen hat das Hochbaudepartement bereits eine Antwort gefunden: Die Wohnflächen pro Person und die Ausbaustandards wurden in neuen Projekten deutlich verkleinert, zum Beispiel bei der Siedlung Kronenwiese. Diese wird dafür im bestmöglichen Minergie-A-Eco-Standard gebaut, was 2,4 Millionen Franken kostet. Das ist aber auf einen Entschluss des Parlaments zurückzuführen, wie Odermatt betont: Dieses hat dem Stadtrat gegen dessen Willen einen 10-Millionen-Kredit zugesprochen, damit er in städtischen Liegenschaften zusätzliche Energiesparmassnahmen finanziert. Das Geld stammt aus diesem Topf.

Erstellt: 03.10.2012, 07:14 Uhr

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