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Zürich, die Streberstadt

Seit Links-Grün Zürich regiert, zieht es Reiche und Gutausgebildete an.

Wie schafft man es vom Problemfall zum Musterschüler? Zürich macht es vor. In den 90er-Jahren sagten Bürgerliche der Stadt eine Zukunft als hoch verschuldete Steuerhölle voraus. Nur Arbeitslose, Junkies, Ausländer und Linke würden es dort aushalten.

Passiert ist das Gegenteil. Seit Links-Grün Zürich regiert, zieht es Reiche und Gutausgebildete an (im Jargon: «Menschen mit hohem Sozialstatus»). Ihr Anteil hat sich in den letzten 15 Jahren von einem Drittel auf die Hälfte der Bevölkerung erhöht. Das zahlt sich aus. 2016 machte die Stadt 288 Millionen Franken vorwärts – ohne viel sparen zu müssen.

Dieser Erfolg führt zu ironischen politischen Si­tuationen: Gerold Lauber, zurücktretender CVP-Stadtrat, sagte kürzlich, dass Zürich gar keine bürgerliche Wende brauche. Es könne ja kaum etwas besser werden. Gleichzeitig werfen viele Linke ihren Stadträten vor, zu einseitig auf Standortförderung zu setzen.

Natürlich haben einige Zürcherinnen und Zürcher ihren Sozialstatus verbessert und damit zur positiven Statistik beigetragen. Zahlreiche Ärmere aber mussten die Stadt verlassen. Mit dem Einkommen der Bewohner steigen auch die Mieten, die sich heute viele nicht mehr leisten können. In städtischen Umfragen drücken jeweils «ältere Personen, Nichterwerbs­tätige und Einkommensschwächere» ihr Unbehagen aus. Zürich entwickelt sich zur Stadt der Gewinner, die alle anderen rausellbögeln – selbst wenn die Gewinner links wählen und das gar nicht wollen.

Die Verdrängten landen oft in der Agglomeration. Dort beklagen sich die Menschen laut einer kürzlich erschienenen Studie über Probleme, die einst als typisch städtisch galten: Kriminalität, eine steigende Sozialhilfequote. Im Gewinner-Zürich klingen solche Sorgen irgendwie retro, sie kümmern kaum noch jemanden.

Der Gegensatz liesse sich mit einem alten Rezept aufheben: einer Eingemeindungsrunde, der dritten in der Zürcher Geschichte. Sie würde allen Beteiligten nützen. Die Nachbargemeinden könnten stärker teilhaben an den urbanen Segnungen. Beim Städtebau störten keine willkürlichen Grenzen. Und Zürich drohte nicht zu versteinern als reine Streberstadt.

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