ÖV top, WLAN-Flop: Wie intelligent Zürich ist

Effizient, vernetzt, nachhaltig: Ein internationales Ranking zeigt, was eine «Smart City» ausmacht.

Zukunftsfähig? Zürich landet im «Smart City»-Ranking auf Platz 4.

Zukunftsfähig? Zürich landet im «Smart City»-Ranking auf Platz 4. Bild: Christian Beutler/Keystone

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500 Städte hat das Unternehmen Easy Park analysiert, um die intelligentesten und zukunftsfähigsten Metropolen der Welt zu ermitteln. Nur 100 haben es auf den «Smart-Cities-Index 2017» geschafft, darunter zwei Schweizer Städte, die ganz vorne dabei sind: Zürich liegt im internationalen Ranking auf Platz 4, Genf auf Platz 9.

Die Städte wurden anhand von 19 Merkmalen aus verschiedenen Bereichen bewertet: Transport und Mobilität, Nachhaltigkeit, Verwaltung und Politik, innovative Wirtschaft, Digitalisierung und Lebensqualität. Kopenhagen in Dänemark ist demnach die intelligenteste Stadt der Welt, mit originellen Unternehmen, hoher Verfügbarkeit von Smart Parking und einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung.

Zürich, das sich selbst zum Ziel gesetzt hat, eine «Smart City» zu werden, landet in drei Kategorien ganz oben. Sie ist die einzige Stadt weltweit, die bei der Lebensqualität die Maximalnote 10 bekommt. Diese setzt sich aus dem durchschnittlichen Nettogehalt der Einwohnerinnen und Einwohner sowie dem Betrag zusammen, der im Schnitt für Essen, Kleidung, Miete und Transport ausgegeben wird. In Genf ist die Qualität zum Leben im internationalen Vergleich ebenfalls sehr hoch: 9,8 Punkte bedeuten den zweiten Platz.

Die Lebensqualität macht allerdings nur ein Zehntel der Gesamtbewertung aus. Das wichtigste Merkmal einer «Smart City» ist gemäss der Studie eine fortschrittliche Mobilität, die ein Viertel zählte. Dazu gehört das intelligente Parkieren, das sich unter anderem an der Anzahl Parkplätze pro Quadratmeter im Stadtzentrum bemisst. Hier erreicht Zürich Platz 24 und hat noch Potenzial. Beim Carsharing, wie es hierzulande etwa von Mobility angeboten wird, ist es Platz 26. Negativ auf das Ranking wirkt sich das hohe Verkehrsaufkommen in der Stadt aus. Dafür hat Zürich nach Singapur und Taipeh die weltweit drittbesten öffentlichen Verkehrsmittel.

Eine entscheidende Rolle für die Gesamtbewertung spielt auch der Bereich Verwaltung und Politik. Bei der Bildung, urbanen Stadtplanung und Digitalisierung von staatlichen Institutionen ist Zürich unter den Top 20 der Welt vertreten. Schlechter sieht es bei der Wahlbeteiligung der Zürcherinnen und Zürcher aus. Im Vergleich mit anderen Städtern reicht ihr politisches Engagement nur für Rang 86.

Immer wichtiger für eine «Smart City» ist die Digitalisierung. Hier muss Zürich noch an Geschwindigkeit aufnehmen, wenn es nicht abgehängt werden will. Die Stadt verfügt im Vergleich über zu wenig frei verfügbare WLAN-Hotspots (Platz 67) und über ein zu langsames Internet (Platz 66). Hier liegt sie deutlich hinter Genf (Platz 14) zurück.

Nirgends ist die Abfallentsorgung besser

Eine intelligente Stadt zeichnet sich laut der Studie aber auch durch Nachhaltigkeit und Umweltschutz aus, und in diesem Bereich setzt Zürich gleich zwei Massstäbe. Nirgends ist die Abfallentsorgung besser. Zudem gibt es in keiner Stadt mehr intelligente Gebäude mit einer hohen Energieeffizienz und so viele Investitionen in Forschung und Entwicklung. Der Anteil der Energie aus umweltfreundlicher Gewinnung ist vergleichsweise hoch (Platz 17), die Treibhausgas- und CO2-Emissionen pro Einwohner tief (Platz 14).

Zudem erreicht Zürich dank seiner innovativen Wirtschaft den vierten Rang des internationalen Rankings, gleich wie in der Gesamtbewertung. Wäre es nach den über 20’000 Experten aus den Branchen Technologie und Stadtplanung gegangen, die für die Studie befragt wurden, hätte es der grössten Schweizer Stadt allerdings nur zum achten Platz gereicht.

Video: Züri-Mythen im Faktencheck

Wie viel Koks steckt im Trinkwasser? Der «Tages-Anzeiger» hat Passanten gefragt, welche Behauptungen über Zürich stimmen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.11.2017, 07:00 Uhr

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