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«Zürich hätte die Form einer stabilen Sanduhr»

Annet Berger führt in dritter Generation Linck Keramik. Sie beschreibt die Stadt als Vase mit neuralgischem Punkt.

Trinkt nicht nur gerne Kaffee im Campo am Helvetiaplatz, sondern mag auch das Mittagessen hier: Annet Berger.
Trinkt nicht nur gerne Kaffee im Campo am Helvetiaplatz, sondern mag auch das Mittagessen hier: Annet Berger.
Andrea Zahler

Jede Woche beantworten Personen, die Zürich prägen, unseren Fragebogen und verraten uns, was die Stadt für sie ausmacht. Heute: Unternehmerin Annet Berger.

Wäre Zürich ein Keramikobjekt, wie würde es aussehen?

Wie eine unserer Vasen von Linck Keramik, die V41/5. Sie gleicht einer Sanduhr, ist aber kräftig und standhaft. Die Taille als neuralgischer Punkt gleich der Quaibrücke und der Politik der Innenstadt, die überfordert und verschlossen oder aber offen, entspannt und verbindend wesentlich zum Wohl der Stadt als Ganzes beiträgt.

Zu welcher Uhrzeit ist Zürich am schönsten?

Frühmorgens und zur blauen Stunde, am See oder in den Seebadis: das Licht und die ruhige Stimmung, wenn die Hektik noch nicht erwacht oder bereits etwas verebbt ist.

Welche Ecke Zürichs ist überbewertet?

Die Bahnhofstrasse und ihre Umgebung.

Finden Sie den Zürichsee auch doof?

Im Gegenteil, er ist schön und kräftig und der Grund, warum ich mich einst entschieden habe, hierzubleiben.

Auf welcher Wiese schauen Sie gerne in den Himmel?

Stadtwiesen mag ich nicht. Ich sitze lieber auf Holz oder Stein. Und ganz gerne unter einem Nadelbaum. Da gibt es prächtige und lieb gewonnene im Arboretum, neben dem Helmhaus, am Bürkliplatz, aber auch in den vielen öffentlichen Pärken.

Welches Hintergrundbild ziert Ihr Smartphone?

Bis vor kurzem war es mein Sohn tauchend in einem blauen Pool. Nun ist es nur noch ein Blau, das Blau unseres Esszimmertisches, das versehentlich fotografiert und gespeichert wurde von ebendiesem Sohn beim Studieren des Unterschieds zwischen Sperrbildschirm und Homebildschirm.

Wann können Sie nicht widerstehen, ein Selfie zu machen?

Am Wochenende draussen vor Naturkulisse. Ich habe dann jeweils das Gefühl, man sieht mir das Entspannte an. Das will ich einfangen.

Funktioniert Zürich ohne Geld?

Kaum, aber welche Stadt schon? Obwohl sehr vieles entbehrlich ist – auch in Zürich.

Sie können Ihr ganzes Leben nur noch in einer Zürcher Beiz essen – in welche gehen Sie?

Das schöne am Essengehen ist doch auch die Überraschung, das Probieren, das Kennenlernen von unbekannten Speisen. Aber ich liebe das italienische Essen und das Prinzip der Tavolata, deshalb bin ich gerne im Alten Löwen oder in der Markthalle.

Auf welchen Luxus können Sie nicht verzichten?

Auf freie Zeit und 100% Wolle.

Die Liebe Ihres Lebens?

Es gibt sie nicht, die eine Liebe. Meine Familie, diese, woher ich komme, und diese, die mich hoffentlich zeitlebens begleitet. Aber die Elemente Erde und das Wasser gehören ebenso zur Liebe meines Lebens oder der Sonnenstrahl, der mich schon seit Kind begleitet.

Welches ist der Geruch Ihrer Kindheit?

Die säuerlich duftende Sonnenwärme der Holzwand auf unserer Terrasse.

Wo findet einen in Zürich das Glück?

Im Helmhaus, in den diversen Museen und auf der Steinmauer am Wasser beim Platzspitz.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?

Noch keine.

Ihr Züri-Soundtrack?

Chilly Gonzales «Gentle Threat» und «One Note at a Time» sowie «Balance ton Quoi» von Angèle.

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Die Bernerin Annet Berger, die seit 20 Jahren in Zürich lebt, ist seit 2011 Inhaberin der Keramikmanufaktur Linck. Die 44-Jährige führt das Familienunternehmen in dritter Generation. Seit einigen Wochen ist eine grosse Auswahl an Vasen, Schalen und Tellern von Linck Keramik im neuen Laden der Edition Populaire in der Kalkbreite zu kaufen. Berger lebt mit ihrer Familie im Kreis 6.

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