Zum Hauptinhalt springen

Zürcher wollen das neue Fussballstadion

Laut einer Umfrage steht die Bevölkerung hinter den Neubauplänen – und dies überraschend deutlich.

Und so sieht es heute aus: Die Brache des ehemaligen Hardturmstadions.
Und so sieht es heute aus: Die Brache des ehemaligen Hardturmstadions.
Ennio Leanza, Keystone
Bekämpft das Stadionprojekt: Die SP und die Grünen bekämpfen das Stadionprojekt gegen ihre eigenen Stadträte.
Bekämpft das Stadionprojekt: Die SP und die Grünen bekämpfen das Stadionprojekt gegen ihre eigenen Stadträte.
Melanie Duchene, Keystone
Simpel und direkt: Mit einem Ja werben die Befürworter für das Projekt «Ensemble».
Simpel und direkt: Mit einem Ja werben die Befürworter für das Projekt «Ensemble».
Melanie Duchene, Keystone
1 / 3

«Die Ambiance im Letzigrund war schon oft unterkühlt», schrieb der Tamedia-Sportjournalist diese Woche. «Aber an diesem Sonntag schien sie – bei teils starkem Regen und tiefen Temperaturen – noch eine Spur trostloser.» Die Grasshoppers verloren das Spiel gegen Luzern 1:2. Die offizielle Zuschauerzahl: 4200. Es sind solche Stimmungsberichte, welche die Verantwortlichen der Grasshoppers und des FC Zürich nicht mehr lesen wollen. Zürich braucht eine neues Fussballstadion, lautet seit Jahren ihre Forderung.

Den Stadtrat haben die Clubs überzeugt. Private Investoren ebenso. Auf dem 55'000 Quadratmeter grossen Hardturmareal, zwischen 137-Meter-Hochhäusern im Westen und einem Genossenschaftsbau im Osten ist ein neues Stadion für 18'000 Fans geplant. Die gesamten Investitionen betragen 570 Millionen Franken. Private teilen sich die Kosten. Die Stadt tritt das Land im Baurecht ab – zu einem reduzierten Zins. Voraussichtlich stimmen die Stadtzürcher im kommenden Herbst über das neue Stadionprojekt ab.

Eine neue Umfrage, die das Forschungsinstitut Sotomo vergangene Woche für Redaktion Tamedia durchgeführt hat, zeigt jetzt: Ein neues Fussballstadion ist derzeit mehrheitsfähig. 67 Prozent der Umfrageteilnehmer aus der Stadt geben an, eher oder klar für das Stadionprojekt zu sein.

Kommt es im Herbst zur Abstimmung, schreiten die Stadtzürcher in dieser Causa Hardturm-Stadion bereits zum dritten Mal zur Urne. Letztmals gab es 2013 ein knappes Nein (50,8 Prozent). Die Gründe für die Ablehnung waren vor allem die Kosten von 216 Millionen Franken, welche die Stadt übernommen hätte, und Sicherheitsbedenken.

Die Finanzierung gab beim aktuellen Projekt mit dem Namen «Ensemble» noch wenig zu reden. Zwar zahlt die Stadt nichts an den Bau, doch sie kommt den Privaten beim Baurechtszins entgegen und verzichtet damit auf jährlich wiederkehrende Einnahmen von rund 1,7 Millionen Franken für die Baufelder mit den beiden Wohnhochhäusern. Doch ebendiese beiden 137-Meter-Türme ecken besonders an.

In Höngg hat sich bürgerlicher Widerstand dagegen formiert. Im vergangenen Herbst haben Marcel Knörr, ehemaliger FDP-Gemeinderat und Ex-Präsident des Heimatschutzes, sowie Felix E. Müller, der frühere Chefredaktor der «NZZ am Sonntag», das Komitee «Gegen den Höhenwahn, aber für das Fussballstadion» gegründet.

Eine zweite Gruppierung bekämpft das Stadion von links. Die IG Freiräume Zürich West will die Stadionbrache erhalten, auf der seit einigen Jahren verschiedene Veranstaltungen durchgeführt, Pizza gebacken und Gemüse gepflanzt werden. In diese Gegnerschaft reiht sich auch die grüne Stadtratskandidatin Karin Rykart ein. Sollte sie gewählt werden, müsste sie als Mitglied der Stadtregierung, vielleicht sogar als Vorsteherin des Sportdepartements, gegen ihre persönliche Meinung für das Stadion einstehen.

Dass die grüne Rykart gegen den neuen Hardturm ist, überrascht angesichts der Umfrageergebnisse wenig. Im linken Lager, ganz besonders bei den Grünen, ist die Skepsis gegenüber dem Stadion grösser als bei den Bürgerlichen. Bei den Wählerinnen und Wählern der Grünen findet das Stadionprojekt keine Mehrheit. Nur 47 Prozent sind dafür. Bei der AL sind es 51 Prozent. Einzig von den Sozialdemokraten gibt es ein mit 65 Prozent linkes Ja.

Der Hardturm: Die Geschichte des Stadions in Bildern

Gute, alte Zeiten für Fussballfans: 2005 verfügte die Stadt Zürich noch über zwei Fussballstadien – den Hardturm (hinten links) und den Letzigrund (vorne rechts). Beide Stadien wurden inzwischen abgerissen.
Gute, alte Zeiten für Fussballfans: 2005 verfügte die Stadt Zürich noch über zwei Fussballstadien – den Hardturm (hinten links) und den Letzigrund (vorne rechts). Beide Stadien wurden inzwischen abgerissen.
/Alessandro Della Bella, Keystone
Zu diesem Projekt gab es die Rote Karte: Mit gerade mal 50,8 Prozent Nein-Stimmen lehnen die Zürcher Stimmberechtigten am 22. September 2013 das letzte Projekt für ein neues Fussballstadion auf dem Hardturm ab.
Zu diesem Projekt gab es die Rote Karte: Mit gerade mal 50,8 Prozent Nein-Stimmen lehnen die Zürcher Stimmberechtigten am 22. September 2013 das letzte Projekt für ein neues Fussballstadion auf dem Hardturm ab.
Visualisierung: Burkard Meyer Architekten
Das grosse Warten: Auf der Brache in Zürich-West sind noch immer die Überreste des ehemaligen Fussballstadions Hardturm zu sehen.
Das grosse Warten: Auf der Brache in Zürich-West sind noch immer die Überreste des ehemaligen Fussballstadions Hardturm zu sehen.
Keystone
1 / 30

In der Saison 2021/2022 möchten FCZ und GC im neuen Hardturmstadion Fussball spielen. Bis dahin gilt es, neben den politischen Hürden – Gemeinderat und Volksabstimmung – auch juristische Hürden zu meistern. An ihnen scheiterte das erste Projekt im Jahr 2009. Der Stadtrat ist davon überzeugt, dass es dieses Mal klappen wird. Aus den Fehlern der Vergangenheit habe man gelernt, sagte Finanzvorsteher Daniel Leupi im vergangenen September. Das Quartier, Parteien, die Polizei seien in die Planung miteinbezogen worden. Und: «Das Projekt respektiert den Willen des Volks, das kein von der Stadt finanziertes Stadion möchte.»

Video: Das sagt der FCZ-Präsident zum neuen Stadion

«Eine optimale Lösung»: FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Video: Nicolas Fäs (September 2017)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch