Zürich macht Schluss mit weltbekanntem Abfallhai

Warum der Designkübel ausgedient hat und die Stadt nun auf ein altgedientes Design setzt.

Der Abfallhai mit kleinem Schlitz und sein Nachfolger «Züri-Kübel 110 Liter» mit der grösseren Öffnung und flachem Deckel. Fotos: Fabienne Andreoli

Der Abfallhai mit kleinem Schlitz und sein Nachfolger «Züri-Kübel 110 Liter» mit der grösseren Öffnung und flachem Deckel. Fotos: Fabienne Andreoli

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Einst war er der Zürcher Hit, hochgelobt von Kennern der Designszene und von Krethi und Plethi als praktisch und schön befunden. 2300 davon stehen in Zürich und viele in der Agglomeration. Städte wie Wien, Berlin oder Barcelona haben den vom «Tages-Anzeiger» Abfallhai getauften Edelkübel übernommen. Bis nach St. Moritz, Arosa und Zermatt brachte es der noble Behälter in matt glänzendem Chromstahl. Als Designerstück gar ins Zürcher Museum für Gestaltung. Und es sollen damals, anno 2003, auch Anfragen aus Japan eingetroffen sein.

«Züri-Kübel 110 Liter»

Auf einmal soll der Hai also nicht mehr gut genug sein für die Weltstadt Zürich? Ein neuer Kübel mit dem pragmatischen Namen «Züri-­Kübel 110 Liter» soll dem eleganten Chromstahlzylinder den Rang ablaufen. Der neue Chef von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ), Daniel Aebli, hat beschlossen, des Haifischs Karriere zu beenden, wie «Lokalinfo» berichtete. Beschädigte Kübel würden stufenweise durch die neuen ersetzt, heisst es bei ERZ. «Der neue Züri-Kübel 110 Liter wird dort eingesetzt, wo Ersatz notwendig ist, oder bei Neuprojekten, wo Abfallbehältnisse benötigt werden», sagt Daniel Eberhard, Sprecher von ERZ.

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Der Abfallhai soll langsam verschwinden. Das ist ...




Der Züri-Kübel fasst zwar nicht mehr Abfall als der Hai, hat aber eine viel grössere Öffnung. «Diese wurde vergrössert, da die Behältnisse der Take-away-­Anbieter immer grösser werden», sagt Eberhard. Oft werde dadurch der Einwurf verstopft. Auch würde der Züri-Kübel verschiedene Vorteile für die ERZ-Mitarbeitenden bieten: ein einfacheres Handling, «das den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden der Stadtreinigung merklich erleichtert». So rutsche der Innensack des neuen Kübels auch bei schweren Gegenständen nicht von der Halterung.

Günstiger als der Hai

Während das Designmodell inklusive Montage 3100 Franken kostete, ist der neue Kübel günstiger. ERZ hat ihn selbst entworfen – auf der Grundlage eines altbekannten Designs, das sich seit mehr als 40 Jahren im Einsatz befindet. Die Neuentwicklung des Typs mit 110 Liter basiert auf jenem mit 70 Liter Volumen. Von diesen stehen über 1350 Stück auf öffentlichem Grund. Weil die Stadt den Kübel selber entworfen hat, gehören ihr auch die Rechte am Design. «Ziel war es, unabhängig von Designrechten oder Herstellern zu sein und dadurch bei einer Ausschreibung allen Anbietern die gleichen Chancen für die Herstellung und Lieferung eines solchen Produkts zu gewährleisten», sagt Eberhard. Eine ordentliche Ausschreibung sei geplant.

Im Januar 2003 tauchten die ersten Haie auf dem damals frisch renovierten Schaffhauserplatz auf. Es gibt sie mit integriertem Aschenbecher und mit Hundekotbeutel bestückt. Der von Zemp + Partner Design entworfene Hai setzte sich damals gegen 26 Konkurrenzfirmen mit rund 80 Modellen durch.

Video: Diese Zürcherin schaffts mit einem Abfallsack pro Jahr

«Minimal waste» bedeutet: So leben, dass man möglichst wenig Müll produziert. Theodora Hoff zeigt, wie das geht. Video: Anja Stadelmann

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.12.2018, 21:15 Uhr

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