Schule spart bei Autisten

Was Kinder mit Autismus-Spektrums-Störungen (ASS) leisten können, beweist derzeit die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Doch Zürich kappt die Förderung dieser Schüler.

Förderung von Schulkindern, ja - aber keine besondere Begleitung für Kinder mit Autismus-Spektrums-Störungen (ASS)

Förderung von Schulkindern, ja - aber keine besondere Begleitung für Kinder mit Autismus-Spektrums-Störungen (ASS) Bild: Keystone

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Die Stadt Zürich baut die Begleitung von Schulkindern mit Autismus-Spektrums-Störungen (ASS) durch Fachpersonen der Heilpädagogischen Schule (HPS) ab. «Die HPS ist ausgelastet und kann das Angebot für nicht behinderte Schüler mit Diagnose ASS nicht mehr leisten», sagt Reto Zubler vom Schulamt der Stadt Zürich in der «NZZ am Sonntag». Förderung durch die Fachkräfte der HPS erhalten fortan nur noch Kinder mit ASS, bei denen auch eine geistige Behinderung besteht.

Die Bandbreite bei Autisten und Autistinnen ist riesig: von solchen, die stark kognitiv eingeschränkt sind, bis hin zu hochintelligenten. Dass Zürich hier Angebote abbaut, sorgt für Kritik. «Diese Kinder schwimmen nun völlig orientierungslos in der Regelklasse mit - ohne je die Chance zu haben, ihr in vieler Hinsicht vorhandenes Potenzial zu entwickeln», sagt der pensionierte Primarlehrer Urs Egger in der «NZZ am Sonntag».

Zwischen Stuhl und Bank

Ronnie Gundelfinger, Leiter der Autismus-Stelle an der Uniklini für Kinder- und Jugendpsychiatrie, warnt: «Die Gefahr besteht, dass autistische Kinder zwischen Stuhl und Bank fallen.» Das Zürcher Schulamt bietet als Abhilfe Weiterbildungen für Lehrerinnen und Heilpädagogen an. «Zudem erstellt die HPS für die Stadt ein Konzept, wie Schulen im Umgang mit nicht behinderten Kindern, die eine ASS haben, unterstützt werden können», sagt Zubler. Auch in anderen Zürcher Gemeinden sei die Betreuung nicht gewährleistet.

Erst kürzlich hat der Bundesrat in einem Bericht über Autismus festgestellt, dass der Staat durch Therapien enorme Betreuungskosten einsparen könne. Doch die meisten Kantone sind nicht bereit, die Therapien mitzutragen. In ihrer Studie zum Thema schreibt die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) von einem «Schwarzpeterspiel» zwischen Bund und Kantonen. (rba)

Erstellt: 11.03.2019, 09:52 Uhr

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