Zürich wächst in die Höhe

Wo die Stadt in den letzten Jahren am stärksten gewachsen ist und welche Kreise sich am meisten verändert haben.

Zürich wächst und wächst: Der Gebäudebestand in der Stadt seit 1850. Video: Open Data/Stadt Zürich

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«Die Stadt ist gebaut», hat einst die damalige Stadträtin Ursula Koch gesagt und fügte hinzu: «Sie muss nicht neu, sondern umgebaut werden.» Was Koch Ende der Achtzigerjahre meinte, lässt sich heute aus den Zahlen von Statistik Stadt Zürich ablesen. In den vergangenen zwanzig Jahren ist die Stadt enorm gewachsen, es leben über 400'000 Menschen in Zürich, und bis 2030 sollen in Zürich weitere 80'000 Einwohner hinzukommen. Gleichzeitig sei das überbaute Gebiet in den vergangenen Jahren nur noch um durchschnittlich 4,8 Hektaren pro Jahr gewachsen, also um etwas weniger als die Fläche von 7 Fussballfeldern, schreiben die Statistiker der Stadt Zürich in einem neu veröffentlichten Webartikel.

Dieses Wachstum sei sehr gering im Vergleich zur Phase «der grossen, räumlichen Expansion», also jener Zeitperiode, die 1934 mit der zweiten Eingemeindung begann. Bis 1956 wuchs die bebaute Fläche achtmal schneller als heute, um fast 40 Hektaren pro Jahr (das sind etwa 56 Fussballfelder). Das Wachstum hat sich seither deutlich verlangsamt. Während 1936 30 Prozent des ganzen Stadtgebiets mit Häusern und Umschwung, Strassen und Bahnlinien überbaut war, waren es 1956 (nur 20 Jahre später) schon 40 Prozent – seither (in den folgenden über 60 Jahren) ist der Anteil nur noch auf 50 Prozent angestiegen.

Von der Horizontalen in die Vertikale

Einen besonderen Fokus legen die Statistiker bei der Analyse dieser Entwicklung auf die sogenannte Gebäudegrundfläche, den Platz also, den Gebäude in der Stadt effektiv beanspruchen. Dort zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei der gesamten überbauten Fläche: 1936 war die Hälfte der heutigen Gebäudegrundflächen bebaut, der Anteil stieg bis 1976 rasant auf 90 Prozent der heutigen Fläche an. Danach hat sich das Wachstum verlangsamt: Seit 1996 gibt es sogar in gewissen Teilen der Innenstadt einen leichten Rückgang. «Dieser lässt sich möglicherweise auf das allmähliche Verschwinden von Kleinbauten in Hinterhöfen und auf Plätzen zurückführen», schreiben die Statistiker.

Während sich die bebaute Fläche nicht mehr gross ausdehnte, veränderten sich die Gebäude darauf hingegen drastisch, womit wir wieder beim Umbau der Stadt wären, den Ursula Koch erwähnte. Das Wachstum verlagerte sich von der Horizontalen in die Vertikale – Stichwort Verdichtung. Zwischen 1976 und 1996 sei die Stadt zu zwei Dritteln in die Höhe und zu einem Drittel in die Breite gewachsen, sagt Urs Rey von Statistik Stadt Zürich. «In den vergangenen 20 Jahren waren es neun Zehntel in die Höhe und ein Zehntel in die Breite.»

Kreis 1 am höchsten

Um diese Veränderung etwas fassbarer zu machen, haben die Statistiker einen theoretischen Wert berechnet. Sie haben das gesamte versicherte Gebäudevolumen durch die Grundfläche geteilt. Das ergibt die mittlere Gebäudehöhe, zu der allerdings auch die Untergeschosse zählen. Nimmt man diesen Wert, ist ein durchschnittliches Gebäude in der Stadt Zürich heute mehr als doppelt so hoch wie vor hundert Jahren. «Die mittlere Höhe stieg von 6,9 Metern auf 17,1 Meter an», schreibt Statistik Stadt Zürich.

Überraschend ist, dass heute, wie schon vor hundert Jahren, die höchsten Häuser im Kreis 1 stehen. Die mittlere Gebäudehöhe ist von 9 auf 24 Meter angestiegen. Die Statistiker erklären das damit, dass nirgends so kompakt gebaut werde wie im Stadtzentrum. Zudem seien die Stockwerke oft repräsentativ und überhöht. Ein weiterer Grund für dieses Phänomen ist von aussen nicht sichtbar: In der City gibt es überdurchschnittlich viele Untergeschosse, welche die Statistiker in die Höhe einrechnen.

*Zur Berechnung der mittleren Gebäudehöhe wird das versicherte Gebäudevolumen durch die Grundfläche geteilt. Der resultierende theoretische Wert entspricht der mittleren Höhe des Gesamtkomplexes inklusive Untergeschossen. Das Grossmünster hat zum Beispiel eine mittlere Gebäudehöhe von 22,1 Meter.

Lange wird der Kreis 1 den Spitzenplatz aber kaum mehr verteidigen können. Im Kreis 5 ist ein mittleres Gebäude mit 23,6 Metern mittlerweile beinahe so hoch wie in der Innenstadt. Die Entwicklung im Kreis 5 ist für die Statistiker besonders interessant: «In den letzten vierzig Jahren nahm die mittlere Höhe im Kreis 5 um 10,9 Meter zu, weitaus mehr als in jedem anderen Stadtkreis.» Zuvor wuchs der Kreis 5 weniger in die Höhe als andere Stadtkreise, da bis in die Dreissigerjahre viele eingeschossige Industriehallen erstellt wurden. 1956 wies der Kreis 5 noch die niedrigsten Gebäude aller Quartiere auf, die vor 125 Jahren eingemeindet wurden. Ab 1976 begann dann aber das Höhenwachstum. Zuerst schossen die Industrie- und Dienstleistungsbauten in die Höhe, später folgten die Hochhäuser, die heute den Kreis 5 hinter den Viaduktbögen prägen.

125 Jahre Eingemeindung

Dass die Statistiker der Stadt derzeit das Wachstum Zürichs so genau analysieren, hat einen bestimmten Grund: 2018 jährt sich die erste Eingemeindung der Stadt Zürich von 1893 zum 125. Mal. Deshalb veröffentlicht die Stadt auf ihrer Website regelmässig Zahlen, Fakten und Bilder über die Entwicklung der letzten 125 Jahre in zwölf Themenfeldern – darunter Politik, Wohnen, Verkehr, Kultur oder Kinder und Schule. Der Januar ist dem Thema «Wachstum» gewidmet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.01.2018, 10:56 Uhr

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