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Zürich will für alte Menschen freundlicher werden

Die Stadt Zürich richtet ihre Alterspolitik neu aus. Dafür befragt sie die Bevölkerung nach ihrer Meinung.

Ins Heim wollen alte Menschen meist erst, wenn es nicht mehr anders geht.
Ins Heim wollen alte Menschen meist erst, wenn es nicht mehr anders geht.
Dominique Meienberg

Der Takt, den Gesundheitsvorsteher Andreas Hauri (GLP) vorgibt, ist hoch. Anfang 2019 erfolgte der Startschuss zur Ausarbeitung einer neuen Altersstrategie. Anfang 2020 soll der Stadtrat das Konzept verabschieden. Das Signal der Stadt ist klar: Sie will altersfreundlicher werden, und das nicht nur auf dem Papier. Zürich soll einer Bevölkerung gerecht werden, die im Alter mobiler, selbstbestimmter und individueller leben will als frühere Generationen, und die einen gesellschaftlichen Beitrag leisten will.

Damit diese Veränderung im Sinne der Menschen erfolgt, stützt sich die neue Strategie auf einen Mitwirkungsprozess. Ab Mittwoch können alle Interessierten ihre Meinung online kundtun.

Der Departementssekretär des Gesundheits- und Umweltdepartements und Projektleiter Benno Seiler sagt: «Es ist uns wichtig, dass Personen der unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen und Generationen ihre Vorstellungen zum Thema altersfreundliche Stadt Zürich einbringen.»

Es fehlt an Wohnraum

Altsein, dies sei hier kurz angemerkt, wird je nach Generation und Altersgruppe unterschiedlich definiert. Das zeigt eine Erhebung der Universität Zürich. 1994 fanden unter 30-Jährige, Personen ab 62 Jahren seien alt, während über 70-Jährige diese Grenze bei 69 Jahren setzten. Ein Vierteljahrhundert später sieht das Bild anders aus, wie eine erneute Befragung 2018 ergab. Die Jungen haben ihre Einschätzung nur wenig geändert, für sie ist eine Person ab 66 Jahren alt. Aus Sicht der Älteren hingegen beginnt Altsein heute mit 80.

Ende Mai haben 200 Experten aus unterschiedlichen Anspruchsgruppen an einer Tagung erste wichtige Handlungsfelder formuliert und Lösungsansätze skizziert. Mit dabei waren Vertreterinnen und Vertreter aus Organisationen der Altersarbeit, aus Verbänden und Genossenschaften, aus der Politik, der Stadtverwaltung und der Bevölkerung. Dazu App-Entwickler, Mobilitätsexperten und Mitglieder des Impact Hub.

In Tagesschulen mithelfen

Ihr Fazit zum Ist-Zustand: Die Stadt verfügt über ein vielfältiges Angebot für ältere Menschen im Bereich ambulanter und stationärer Pflege und Wohnmöglichkeiten sowie Freizeitbeschäftigungen. Es gibt auch unzählige Angebote von privaten Dienstleistern, Freiwilligen und Angehörigen. Allerdings sind die Angebote schlecht vernetzt und teilweise gar nicht bekannt. Was am meisten fehlt, ist bezahlbarer altersgerechter Wohnraum.

«Es braucht nicht mehr viel vom Gleichen, sondern viel Verschiedenes.»

Benno Seiler, Departementssekretär des Gesundheits- und Umweltdepartements

Künftig sind verschiedenartige Wohnformen und kleinräumige Stadtstrukturen gefragt. Ältere Menschen wollen vermehrt mit anderen Generationen in Clusterwohnungen oder Wohngemeinschaften leben. Es soll zusätzlich Angebote geben, in denen sich Migrantinnen und Migranten, Personen der LGBT-Bewegung sowie jene mit Handicaps wohlfühlen. Selbstverständlich müssen all diese Wohnformen bezahlbar sein.

Benno Seiler sagt: «Es wurde deutlich, dass Menschen heute unterschiedlich alt werden wollen. Es braucht nicht mehr viel vom Gleichen, sondern viel Verschiedenes.» Die alten Menschen wollen sich zudem im Quartier versorgen, sich treffen und auch engagieren können, um als wertvoller Teil der Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Zum Beispiel, so die Idee von Altersforscher François Höpflinger, könnten sich ältere Personen in den Tagesschulen verpflegen und gleichzeitig betreuend mithelfen. Überraschend wenig Anregungen kamen zum Pflegeangebot, was Seiler als positives Zeichen wertet.

Projektteam erarbeitet Strategie

Nun will die Stadt die Meinung der Bevölkerung abholen. «Wir wollen die Ideen der Profis mit jenen der Einwohnerinnen und Einwohner spiegeln», sagt Benno Seiler, «denn sie und die nächsten Generationen sind diejenigen, die davon profitieren werden.» Ende September treffen sich die Experten zu einer zweiten Tagung, um die Anregungen aus der Bevölkerung zu diskutieren und zu vertiefen. Auf dieser Basis erarbeitet ein departementsübergreifendes Projektteam bis Anfang 2020 die neue Strategie.

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