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40 Jahre – und ein bisschen weise

Der im Zoo Zürich lebende Gorilla N’Gola hat im Laufe der Jahre auch gelernt, seine weibliche Seite zu akzeptieren.

«Er ist nicht mehr der Kraftprotz, der er einmal war»: Kurator Robert Zingg über N'Gola.

Majestätisch und abgeklärt sitzt er da und lässt seinen Blick über seinen Harem schweifen. Manchmal würdigt er auch die Journalistenschar vor der Scheibe eines kurzen Blickes, der zu sagen scheint: Was machen die wieder für ein Affentheater! Sie feiern seinen vierzigsten Geburtstag. Der massige Silberrücken, das Gorillamännchen des Zoos Zürich, wurde am 21. Juni 1977 auf der Kanalinsel Jersey geboren; die Mutter ein Wildfang, der Vater ein gebürtiger Basler. Vater Jambo war weltweit erst der dritte in Menschenobhut geborene Gorilla und der erste überhaupt, der von seiner Mutter aufgezogen wurde.

Der umsichtige Chef: N'Gola lässt seine Familienmitglieder kaum aus den Augen.
Der umsichtige Chef: N'Gola lässt seine Familienmitglieder kaum aus den Augen.
Doris Fanconi
Verspielt: Trotz seines hohen Alters ist der Gorilla-Mann zuweilen noch verspielt.
Verspielt: Trotz seines hohen Alters ist der Gorilla-Mann zuweilen noch verspielt.
Doris Fanconi
Ein anderer Geburtstag: Am 12. Juni wurde im Nachbargehege der Gorillas bei den Orang Utans ein Junges geboren.
Ein anderer Geburtstag: Am 12. Juni wurde im Nachbargehege der Gorillas bei den Orang Utans ein Junges geboren.
Doris Fanconi
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Die Sterne standen günstig bei N’Golas Geburt, denn im Alter von vierzig Jahren kann er auf ein beachtliches ­Lebenswerk zurückschauen: «N’Gola hat in der Gorillapopulation Europas genetisch deutliche Spuren hinterlassen», fasste dies Senior-Kurator Robert Zingg gestern anlässlich der Gorillageburtstagsfeier zusammen. Er sei im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm überrepräsentiert, hat er doch mit fünf Weibchen 33 Junge gezeugt.

Hahnenkämpfe im Affenhaus

Auch sorgt er seit mehr als dreissig Jahren dafür, dass die Zürcher Gorillagruppe schon fast unnatürlich harmonisch zusammenlebt, was laut Zoodirektor Alex Rübel rechtfertigt, dass die Gorillas in ziemlich engen Verhältnissen wohnen. Eine grössere Menschenaffen-Anlage sei zwar in Planung, doch könne er auch hinter dieser noch stehen, da sich die Tiere sichtlich wohlfühlten. Das war nicht immer so: Als N’Gola 1984 in den Zoo Zürich wechselte, kam er dem drei Jahre jüngeren Männchen Golo ins Gehege. Nicht zuletzt balgten sie um ­Mamitu, eine Jahrgängerin von N’Gola, die von beiden begehrt wurde. Die beiden Streithähne gingen so weit, dass sie sich die Jungtiere als «soziales Pfand» rafften, um Mamitu an sich zu binden. Schliesslich wurde Golo nach Budapest versetzt. Seither ist N’Gola der unbestrittene Macho bei den Zürcher Gorillas.

Ein Blick ins Familienalbum

Eines der ersten Bilder, welches Robert Zingg von N’Gola noch vor Augen hat, ist jenes, wie ein noch nicht jähriges Gorillakind auf den respekteinflössenden und auf dem Bauch liegenden Silber­rücken zukrabbelte, wie dieser das Kleine auf seine Handfläche setzte, hochhob und lange anschaute, bevor er es wieder sachte auf den Boden setzte. Festgehalten wurde auch eine für ein Gorilla-Männchen höchst ungewöhnliche Szene: Der Vater schläft auf dem ­Rücken mit seiner kleinen Tochter auf dem Bauch.

Das geschah vor noch gar nicht so langer Zeit. Nachdem N’Gola 2013 an einem Fuchsbandwurm erkrankt und davon genesen war, entdeckte er seine weibliche Seite. Er kümmerte sich eine Weile lang intensiv um seine 2012 geborene Tochter Mahiri, was bei Gorillas definitiv Frauensache ist. Zingg erzählt: «Er trug sie in Weibchenmanier auf seinem Rücken herum, und sie durfte sich an seinem Futter bedienen.» Und – eben – sogar auf seinem Bauch schlafen. Vierzig Jahre ist ein schönes Alter für Gorillas – sie erreichen es in freier Wildbahn kaum je.

N’Gola plagen daher auch einige Altersbeschwerden: Arthrose, eine leichte Herzschwäche. Dies kommt laut Zingg bei über 30-jährigen Gorillamännchen recht häufig vor. Als es N’Gola aufgrund des Fuchsbandwurms schlecht ging, vernachlässigte er gar seine Auf­gaben als Familienoberhaupt, was die Jungmannschaft prompt zu respektlosem Verhalten nutzte. Doch mittlerweile ist er wieder der unbestrittene Chef. Und der fürsorgliche und umsichtige ­Familienvater, der Veränderungen in seinem Harem gar nicht mag. «Wenn ein Gruppenmitglied stirbt oder abgegeben wird, sucht N’Gola dieses noch tagelang leise wimmernd», erzählt Zingg.

Ohne Silberrücken geht es nicht

Eine wirklich einschneidende Veränderung ist absehbar: N’Gola ist ein alter Gorillamann. Was geschieht mit der Gruppe, wenn er stirbt? «Das wird eine gröbere Herausforderung», sagt Zingg. Und zwar für die Gorillas und die Zoo-Verantwortlichen. Denn bei einer Gorillagruppe läuft alles über den Silberrücken, die Weibchen sind untereinander nicht organisiert. Der Zoo ist deshalb mit dem zuständigen Zuchtprogramm bereits am Abklären, wo ein passendes Gorillamännchen zu bekommen wäre, wenn es so weit ist. Doch lassen wir die trüben Gedanken. Es wird Geburtstag gefeiert, auch wenn das N’Gola kaltlässt: Happy Birthday, N’Gola!

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