Zürichs Börse wird zum Schulhaus

Die Börsenbetreiberin SIX zieht bald aus der Börse in Zürich Selnau aus. Ihre Nachfolgerin betreibt ein anderes Business – und hat das ganze Gebäude im Baurecht übernommen.

Die Buchstaben über dem kolossalen Portal werden nach dem Auszug von SIX verschwinden.

Die Buchstaben über dem kolossalen Portal werden nach dem Auszug von SIX verschwinden. Bild: Keystone

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Die Lage des Gebäudes könnte nicht besser sein: im Zentrum von Zürich, mit Blick auf die Sihl, eigener S-Bahn- und Tramstation. Die neue Börse an der Selnaustrasse 30 hat viele Vorzüge. Trotzdem zieht die heutige Hauptmieterin, die Börsenbetreiberin SIX Group, im Frühling aus. Einige weitere Büroräume stehen bereits jetzt leer.

Die SIX Group legt die Büros, die sich heute in der Börse im Kreis 1 und an der Brandschenkestrasse im Kreis 2 befinden, im neuen Hardturmpark in Zürich-West zusammen. Die logistischen Vorbereitungen seien bereits in vollem Gang, der Umzug werde gestaffelt erfolgen und im März beginnen, teilt SIX mit. Das Unternehmen spare am neuen Ort nicht nur Mietkosten, die Zusammenlegung der Arbeitsplätze vereinfache auch interne Abläufe. Insgesamt 500 Mitarbeiter müssen umziehen – 350 alleine aus der neuen Börse.

Worte statt Wertpapiere

Ist die SIX Group einmal weg – voraussichtlich im Juli 2017 –, steht die neue Börse vorerst mal leer und wird umfassend renoviert. Schon im Frühjahr 2018 soll dann die Nachfolgerin einziehen: die Education First (EF), weltweit grösster Anbieter für internationale Bildungsprogramme. Die Firma hat das ganze Gebäude im Baurecht von der öffentlichen Pensionskasse BVK übernommen.

Was die Hintergründe dieses Schrittes sind, wollte die BVK auf Anfrage nicht sagen. Sicher ist, dass mit dem Umbau in der neuen Börse Platz für rund 1000 Mitarbeiter geschaffen wird. Aus den heutigen Einzelbüros sollen offene, helle Grossraumbüros geschaffen werden.

Chinacenter ausserhalb der Stadtgrenze

Ganz vom Tisch ist die Idee, in der neuen Börse ein Swiss China Center einzurichten – ein Forum für den Informations- und Kulturaustausch zwischen der Schweiz und China mit eigener Shoppingmall. Die chinesischen Investoren für ein solches Projekt konnten nicht schnell genug gefunden werden.

Das Swiss China Center ist aber nach wie vor in Planung. Gemäss Robert E. Gubler, Kommunikationsberater und Promotor des Projekts, sollen chinesische Investoren nun statt der Börse den Neubau Aquatikon im Glattpark kaufen, um die Idee dort umzusetzen. In dem Gebäude würden neben Büros auch Ausstellungen über die verschiedenen Provinzen Chinas sowie ein Teemuseum untergebracht.

Millionen aus China

Für den Detailhandel mit chinesischen Produkten sollen laut Gubler Verkaufsflächen im Projekt The Circle beim Flughafen Zürich zugemietet werden. Die Zeit dränge allerdings auch bei dieser Variante des Projekts, weil die Neubauarbeiten zügig voranschreiten. «Vor allem beim Circle müssen wir rasch Klarheit schaffen, sonst sind die Verkaufsflächen schnell weg.»

Ein Grossteil der Finanzierung des Projekts ist laut Gubler inzwischen gesichert. Am 8. Dezember findet eine letzte Informationsveranstaltung unter dem Patronat der Schweizer Botschaft in Peking statt. Dort können sich Investoren nochmals ein Bild von dem 150-Millionen-Franken-Projekt machen. «Rund 60 Millionen Franken müssten für die Umsetzung aus China kommen. Die restliche Finanzierung erfolgt ganz klassisch über Hypotheken», sagt Gubler.

Erstellt: 16.11.2016, 13:01 Uhr

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