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Zürichs coolstes Hochhaus

Alles schaut nach Zürich-West, wo immer neue Hochhäuser nach gewagten Plänen entstehen. Dabei steht der verrückteste Turm ganz woanders.

3000 Tonnen Gewicht: Auf acht solchen Säulen steht das ganze Hochhaus – um diese windet sich die Auffahrt zum Parkdeck.
3000 Tonnen Gewicht: Auf acht solchen Säulen steht das ganze Hochhaus – um diese windet sich die Auffahrt zum Parkdeck.
hub
Blick von unten auf eine der acht tragenden Säulen.
Blick von unten auf eine der acht tragenden Säulen.
hub
Von der Strassenseite her wirkt das Hochhaus nach heutigen Massstäben eher gedrungen und unauffällig.
Von der Strassenseite her wirkt das Hochhaus nach heutigen Massstäben eher gedrungen und unauffällig.
hub
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Jedes Kind mit Bauklötzen im Zimmer weiss, warum die Pyramiden zu den ältesten erhaltenen Bauwerken gehören: Breit an der Basis, laufen sie oben zusammen. Das ist stabil, die Schwerkraft hält alles zusammen. In Zürich aber scheinen Bauten im Trend, die dieses Prinzip auf den Kopf stellen. An der Basis dünn, gehen sie oben in die Breite.

So ähnlich habe ich einmal einen Artikel angefangen über Gebäude wie den Prime Tower oder den Löwenbräu-Turm. Gefolgt von der Feststellung, dass diese Türme verblüffende Ähnlichkeit haben mit einer Karikatur aus einer Broschüre über erdbebensicheres Bauen. «Nein, so nicht!», steht dort unter der Zeichnung eines sich nach unten verjüngenden Hochhauses, das auf einer dünnen Säule steht.

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Und das alles ist auf Sand gebaut

Dabei hatte ich komplett ausgeblendet, dass in Zürich seit einem halben Jahrhundert ein Haus steht, das diese widersinnig wirkende Konstruktion auf die Spitze treibt – verrückter und grossartiger als alle zeitgenössischen Türme zusammen. Es ist das Hochhaus zur Palme, gebaut 1964 nach Plänen von Haefeli Moser Steiger, den Stadtheiligen der Zürcher Architektur.

Es schwebt rund sieben Meter über dem Boden, getragen von acht verblüffend schlanken Säulen. Jede trägt ein Gewicht von 3000 Tonnen – und das, obwohl sie auf Sand gebaut sind, auf Schlamm und Lehm. Denn unterhalb befinden sich das Sihldelta und alter Seeboden. Erst in 18 Meter Tiefe beginnt tragfähiger Baugrund, weshalb die Säulen mit je sieben Pfählen unterirdisch verlängert werden mussten. Tatsächlich schwebt die Palme also 25 Meter über dem Grund.

Fantasie aus dem goldenen Autozeitalter

Auch sonst glänzt das Hochhaus mit verrückten Ideen: Vor allem mit den zwei filigranen Betonrampen, die sich spiralförmig um eine der Säulen emporwinden zu einem futuristischen Parkdeck in luftiger Höhe – jene des neuen Einkaufszentrums Sihlcity wirken klobig daneben. Es ist eine gloriose Fantasie aus dem goldenen Zeitalter des Automobils. Davon zeugt auch die Tankstelle auf Strassenniveau. Und, ja, hier existiert sogar noch ein Schnellrestaurant der Marke Silberkugel, das zweitletzte in Zürich.

Zugegeben, das Hochhaus scheint nach heutigem Massstab kurz geraten, die Proportionen nicht harmonisch. Und städtebaulich ist das schwebende Haus überholt, weil es die Antithese zur Blockrandbebauung ist, nach der sich heute wieder alle sehnen. Aber wenn es nicht so versteckt im Engequartier stünde, sondern in Zürich-West, wäre es der ultimative Place-to-be.

Über 50 weitere Artikel über verblüffende, aber wenig bekannte Zürcher Häuser finden Sie hier auf der interaktiven Karte zur wöchentlichen Kolumne «Bauzone». Geschichten aus der Bauzone

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