Gartenbeizen dürfen länger rausstuhlen

Die Stadt Zürich wagt einen Test. In Zukunft dürfen Gäste im Freien länger bewirtet werden. Das weckt «grosse Besorgnis».

Bis 2 Uhr geöffnet bleiben: Gäste dürfen bald bis nach Mitternacht in Gartenbeizen sitzen bleiben.

Bis 2 Uhr geöffnet bleiben: Gäste dürfen bald bis nach Mitternacht in Gartenbeizen sitzen bleiben. Bild: Sophie Steiger

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Stadträtin Karin Rykart (Grüne) hat gestern etwas versprochen, worauf sich das Ausgehvolk in Zürich freuen dürfte: «2020 werden wir den zweijährigen Pilotversuch mit den längeren Öffnungszeiten starten.» Konkret sollen Restaurants und Bars mit Plätzen im Freien in den Monaten Juni, Juli und August jeweils am Freitag- und am Samstagabend zwei Stunden länger Gäste bedienen dürfen. Derzeit müssen sie um Mitternacht schliessen. Die Stadt wertet den Pilotversuch nach zwei Jahren gemeinsam mit allen Betroffenen aus.

Der Gemeinderat überwies gestern ein dringliches Postulat mit 77 gegen 27 Stimmen bei 2 Enthaltungen. Die Nein-Stimmen kamen von der AL sowie von einem grossen Teil der Fraktionen der Grünen und der SVP. Die Idee stammt von den Erstunterzeichnern Nicole Giger (SP) und Andri Silberschmidt (FDP).

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Giger beschwor das mediterrane Lebensgefühl im sommerlichen Zürich, von dem sie im Winter träume. Der Lärm steige nicht zwingend durch längere Öffnungszeiten. «Gäste, die an einem Tisch sitzen, sind tendenziell ruhiger als Leute, die mit einem Bier in der Hand durch die Gasse ziehen.» Silberschmidt sagte, längere Öffnungszeiten würden einem gesellschaftlichen Bedürfnis entsprechen. Zudem profitieren mit dem Gastgewerbe eine Branche, die mit schwierigen Umständen zu kämpfen habe. Profitieren sollen zudem nicht nur Betriebe in der Innenstadt, sondern auch in den Aussenquartieren.

Quartierverein warnt

Nein zum Vorschlag sagten die Alternativen. Christina Schiller prophezeite einen langen Rechtsstreit, der vor Bundesgericht enden könne. Denn wer längere Öffnungszeiten wolle, brauche eine Bewilligung, gegen die es Einsprachen geben werde. «Die AL sagt auch klar Nein zur Kommerzialisierung des öffentlichen Raums»: David Garcia Nuñez ärgerte sich über die Romantisierung des Mediterranen.

Bereits vor der Gemeinderatsdebatte hatte sich der Quatierverein Zürich 1 rechts der Limmat in einem Brief an den Stadtrat gewandt. Darin äussert er «grosse Besorgnis von der Forderung nach mediterranen Nächten» in Zürich. Die Belastung der Innenstadt sei an den Wochenenden im Sommer bereits heute am grössten. Die aktuell herrschende lückenhafte Durchsetzung der Nachtruhe in der Altstadt würde mit längeren Öffnungszeiten noch erschwert.

Erstellt: 18.04.2019, 07:55 Uhr

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