Zürichs grösste Partei verspielt Vertrauen

Beim Hardturmstadion probt die SP die Opposition. Konstruktive Zusammenarbeit sieht anders aus.

Für gemeinnützigen Wohnraum lässt sich die Stadtbevölkerung besser begeistern: Siegerprojekt des Investorenwettbewerbes zum Hardturm-Areal 2017. Visualisierung: HRS Real Estate AG/Nightnurse Images GmbH

Für gemeinnützigen Wohnraum lässt sich die Stadtbevölkerung besser begeistern: Siegerprojekt des Investorenwettbewerbes zum Hardturm-Areal 2017. Visualisierung: HRS Real Estate AG/Nightnurse Images GmbH

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Die Chancen schwinden, dass Zürich bald ein richtiges Fussballstadion erhält. Zwar werden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im November über das Hardturmprojekt des Stadtrats befinden. Aber Zürichs stärkste Partei stellt sich quer: Die SP will ein von der Stadt finanziertes Fussballstadion ohne die geplanten Hochhäuser, dafür mit umso mehr Genossenschaftswohnungen. Kurz vor Torschluss lanciert sie ihre eigene Initiative zum Hardturm-Areal.

Die SP könnte mit ihrer späten Intervention Erfolg haben: Für noch mehr gemeinnützigen Wohnraum lässt sich die Stadtbevölkerung immer begeistern. Der Support für ein neues Hardturmstadion dagegen ist nicht annähernd so gross. Zürich ist keine fussballverrückte Stadt. Sogar Strassentunnel geniessen mehr Unterstützung als der Hardturm, wie eine Umfrage ergab. Es könnte also knapp werden fürs neue Stadion. Im Zweifelsfall dürften nicht wenige die SP-Initiative dem Projekt des Stadtrats vorziehen.

Das Manöver der Sozialdemokraten hat dennoch wenig Stil. Die Partei macht auf Fundamentalopposition. Damit stellt sie sich sogar gegen den von ihren eigenen Stadträten ausgehandelten Kompromiss. Indem sie die Stadionfrage zur Diskussion um bezahlbaren Wohnraum umdeutet, macht die SP Wahlkampf statt Politik.

Wer viel Macht hat, hat auch viel Verantwortung.

Dass die Sozialdemokraten in ihrem Topthema Wohnen bei ihren Wählerinnen und Wähler weiter punkten wollen, ist legitim. Unverständlich ist aber, dass sie ihre Ideen erst kurz vor der Abstimmung konkretisieren und damit zu Querschlägern im politischen Prozess werden. Die SP hatte während der Planung genügend Zeit, Möglichkeiten und Macht, um sich einzubringen. Aber erst jetzt geht sie aufs Ganze und torpediert ein sorgfältig aufgegleistes Projekt.

Zürichs grösste Partei riskiert so, Vertrauen zu verspielen. Wer viel Macht hat, hat auch viel Verantwortung. Ein verlässlicher Partner ändert die Spielregeln nicht während des Spiels. Wahre Stärke zeigt sich darin, Kompromisse mitzutragen.


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Erstellt: 20.08.2018, 23:25 Uhr

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