Zürichs Lehrer müssen neu für ihre Parkplätze bezahlen

Parkieren vor der Schule kostet in der Stadt künftig. In anderen Gemeinden bekämpften Lehrer Parkgebühren – mitunter mit kuriosen Drohungen.

Auch Gelegenheits-Autofahrer müssen neu für die Parkplätze auf dem Schulareal bezahlen.

Auch Gelegenheits-Autofahrer müssen neu für die Parkplätze auf dem Schulareal bezahlen. Bild: Keystone/Ennio Leanza

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Wenn ein Lehrer jeden Tag mit dem Auto zur Schule kommt und dort parkt, muss er bei der Stadt Zürich eine Vignette lösen und 900 Franken im Jahr bezahlen. Wer jedoch nur ausnahmsweise mit dem Auto kommt, darf dies bis zum kommenden August noch gratis tun: mit einer Tageskarte. Ab dann ist damit Schluss. Die Tageskarten werden für acht Franken verkauft – so, wie dies in der Regel für alle Parkplätze von Verwaltungsgebäuden der Fall ist.

«Gebührenerhöhungen werden selten positiv aufgenommen», sagt Marc Caprez, Sprecher des Schul- und Sportdepartements. Es habe jedoch nur wenige negative Reaktionen auf der Intranet-Plattform des Schulpersonals gegeben.

Lehrpersonen nutzen die Tageskarte aus

Wie oft dürfen Lehrpersonen eine Gratis-Tageskarte beziehen? Darüber habe es Unklarheiten gegeben, wie das Schulamt der Stadt Zürich mitteilt. Und wenn die Tageskarte nicht auf der Heckscheibe deponiert wurde und die Polizei den Fahrzeughalter verzeigte, hätten Lehrpersonen oftmals gesagt: «Ich habe die Tageskarte vergessen, aber die ist ja eh gratis.»

Der Hauptgrund, weshalb eine Tageskarte fortan kostet, ist aber ein anderer. Die einzelnen Departemente und Dienstabteilungen der Stadt müssen der Abteilung Immobilien der Stadt Zürich Parkplatzgebühren bezahlen. Immer wieder werden die Preise angepasst, denn die Gebühren müssen die Kosten decken. Auf Anfang 2018 musste das Schulamt die Jahresgebühr von 600 auf 900 Franken erhöhen. 2018 sind die Kosten wieder gestiegen, knapp 1200 Franken kostet ein Verwaltungsparkplatz jährlich. Damit die Jahresgebühr nicht schon wieder erhöht werden muss, führt das Schulamt nun die kostenpflichtigen Tageskarten ein.

Skilagerverweigerung wegen Parkgebühr

Jede Stadt und jede Gemeinde im Kanton Zürich regelt die Gebühren für die Parkplätze bei den Schulanlagen individuell. «Klagen über die Kosten treffen bei uns selten ein», sagt Christian Hugi vom Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband, «auch bei der jetzigen Erhöhung war dies nicht der Fall.» Das ist nicht überall so.

In Uetikon sorgten Parkplatzgebühren 2016 bei Lehrpersonen für Unmut. Sieben Lehrerinnen und Lehrer legten Rekurs gegen das neue Parkreglement ein, blitzten aber ab. Der Bezirksrat erachtete 90 Franken pro Monat als zulässig. Lehrer hätten keinen Anspruch auf Gratisparkplätze.

In Winterthur ist das Parkieren auf den Schulanlagen erst seit 2014 kostenpflichtig. Lehrpersonen, die einen Protestbrief schrieben, sagten damals dem «Landboten»: «Das Parkgebührensystem ist nicht förderlich für die Rekrutierung von Lehrpersonen auf Sekundarstufe, wo ohnehin ein Mangel herrscht.» Ein Leserbriefschreiber echauffierte sich darüber. Lehrer hätten eine Vorbildfunktion und könnten sich mit dem ÖV oder dem Velo fortbewegen. «Die Parkplatzfrage ist politisch umstritten», sagt Marc Caprez. Es gebe Stimmen für die Aufhebung der Schulparkplätze zugunsten des Aussenraums für Kinder. Das Schul- und Sportdepartement gebe keine Empfehlungen für die Anreise der Lehrpersonen ab. «Es ist nicht unsere Aufgabe, sie zu erziehen», sagt Caprez.

Bis 2014 waren die Parkplätze beim Winterthurer Schulhaus Mattenbach gratis. Jetzt nicht mehr. (Bild: Melanie Duchene)

Im aargauischen Bad Zurzach nahm der Protest der Lehrpersonen gar groteske Züge an. Die Lehrerschaft der Oberstufe kündigte 2015 in ihrer Empörung an, das Skilager nicht mehr durchzuführen, sofern an den Kosten festgehalten werde.

Erstellt: 13.03.2019, 16:46 Uhr

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