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Zürichs Leichenblume kurz vor dem Blühen

Im Botanischen Garten wird über die Ostertage die Titanwurz blühen – die grösste Blume der Welt.

Das gab es vor 70 Jahren zum letzten Mal: Zu Ostern gibt es in der Stadt Zürich ein Pflanzenspektakel.

Sie ist die grösste Blume im Pflanzenreich: Die Titanwurz ist eine Regenwaldpflanze aus Sumatra in Indonesien und ist mit dem einheimischen Aronstab verwandt. Ihr Kolben kann über drei Meter hoch werden; kleinere Exemplare bringen es auf etwa die Hälfte. Der ­Kolben wird von einem braunroten, trichterförmigen Hüllblatt umgeben. Die Pracht währt aber nur kurz. Schon Stunden nach dem Aufblühen stinkt der Kolben nach Fisch oder Aas und lockt damit Aaskäfer, Aasbienen und Fliegen an, welche die weiblichen Blüten darunter bestäuben.

Pflanze mutwillig beschädigt

Nun ist dieses Pflanzenspektakel auch in der Stadt Zürich zu beobachten. Wie der Botanische Garten der Universität Zürich in einer Medienmitteilung schreibt, beginnt die Titanwurz demnächst im Gewächshaus zu blühen. Seit 14 Jahren schon warten die Verantwortlichen des Botanischen Gartens auf diesen Augenblick. Sie hatten Samen zum Keimen gebracht, und daraus hatte sich eine prächtige Pflanze mit Speicherknolle entwickelt.

Am vergangenen Freitag sei man überrascht worden. Aus der Knospe habe sich definitiv eine Blütenknospe entwickelt, sagt Gartenleiter Peter Enz. Dass die Pflanze überhaupt noch lebt, ist dem gärtnerischen Geschick zu verdanken. Vor zehn Jahren hatten mehrere Besucher den oberarmdicken Blattstiel mutwillig mit einem Kugelschreiber durchlöchert, sodass die Pflanze fast zugrunde ging. Dass in Zürich eine Titanwurz blüht, ist ein Ausnahmefall. Das letzte Mal, dass eine solche Pflanze hier zum Blühen kam, liegt mindestens siebzig Jahre zurück.

Eine 20-Kilo-Knolle

Das Material für die gigantische Blüte stammt aus einer unterirdischen Knolle. Die Pflanze kann nur blühen, wenn die Knolle mehr als 20 Kilogramm schwer ist. Die Blume erscheint erst nach einer Ruhephase aus der Knolle. Sie braucht für ihre Entwicklung drei bis vier Monate. Dennoch blüht sie nur während ganz kurzer Zeit.

Besonders oft kann man dieses Spektakel in Basel erleben. Zuletzt blühte dort eine 20-jährige Titanwurz im Jahr 2014 – bereits zum dritten Mal in wenigen Jahren. Mit einer Höhe von 255 Zentimetern war die Pflanze damals gar noch grösser geworden als in den Jahren 2011 und 2012. «Es war ein Pracht­kerl», kommentierten die Basler Gärtner ihre Titanwurz stolz.

In Zürich wird mit einem bescheideneren Prachtkerl gerechnet, es handle sich um ein eher kleines Exemplar, sagt Enz. Der genaue Blütenzeitpunkt wie auch das Blüh-Ende sind nicht genau vorhersehbar; vermutlich wird es über die Ostertage geschehen.

Die Titanwurz ist im Botanischen Garten an der Zollikerstrasse 107 in 8008 Zürich täglich von 9.30 bis 16.45 Uhr zu sehen.

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