Wo Zürich neue Schmalspur-Velowege erhält

An der Langstrasse eingeführt, kommt das gelbe Band nun auch anderswo zum Einsatz.

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Die sind nur 40 bis 60 Zentimeter breit, aber wo es hart auf hart geht, ist das besser als nichts. Diese Erfahrung hat die Stadt Zürich zuerst an der Langstrasse gemacht: Dort haben Angestellte der Dienstabteilung Verkehr Ende August durchgehende gelbe Farbstreifen an den Rand der Fahrbahn gemalt.

Ziel ist es, dass die Autofahrer etwas Abstand halten und eine Lücke für die Velofahrer freilassen. Es ist ein pragmatischer Ansatz zur Befriedung des chronischen Konflikts zwischen diesen beiden Verkehrsgruppen, der in diesem Engpass besonders oft eskaliert.

Anregung aus dem Quartier

Das Modell Langstrasse exportiert die Stadt nun offensichtlich auch in andere Quartiere. Dorthin, wo der Platz für einen richtigen Radstreifen fehlt, der mindestens 1,25 Meter benötigt, im Optimalfall sogar 1,50 Meter.

In der Nacht auf heute Dienstag haben die Strassenmaler der Stadt das gelbe Band auch beidseits der Kalkbreitestrasse im Zürcher Kreis 3 angebracht – von der Seebahnstrasse bis hinauf zum Goldbrunnenplatz. Angeregt haben dies Anwohner und Velofahrer, die diese Verbindung oft nutzen, wie Martin Guggi von der Dienstabteilung Verkehr sagt.

Die beiden Streifen entlang der Kalkbreitestrasse sind mit über 500 Metern die bisher längsten. Etwas kürzere gibt es bereits auf der Wipkingerbrücke und an der Seefeldstrasse, wo sich Trams, Autos und Velos auf engem Raum oft in die Quere kommen. Weitere sind laut Guggi am Seilergraben in der Zufahrt zum Central geplant, zudem an der Weinbergstrasse, die den Schaffhauserplatz mit dem Central verbindet. Und es könnten in Zukunft auch noch mehr werden, sagt er.

Nicht bindend, aber wirksam

Die Farbstreifen entsprechen zwar eidgenössischen Vorschriften, aber sie haben keine rechtliche Bedeutung. Das heisst: Wer sie mit dem Auto überfährt, macht nichts Verbotenes.

Laut Guggi haben Versuche aber gezeigt, dass sich die Autofahrer tendenziell eher zur Mitte der Strasse orientieren, wo es solche Streifen hat. Das ändere nichts daran, dass die Stadt zur Verbesserung der Veloinfrastruktur grundsätzlich die Markierung von richtigen Radstreifen anstrebe.

Das entspricht auch der Haltung von Pro Velo Zürich. Die gelben Streifen seien keine Alternativen zu einem richtigen Radweg, sagt Präsident Res Marti auf Anfrage. «Es ist eine Notlösung und nichts weiter.» Für die Stadtregierung würden immer noch die Vorgaben aus dem Masterplan Velo gelten. «Diese müssen unter allen Umständen eingehalten werden.» Marti ist aber froh, dass es diese Möglichkeit gibt und die Stadt die gelben Streifen dort einsetzt, wo eine grössere Änderung der Infrastruktur erst langfristig möglich ist.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.10.2016, 15:03 Uhr

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