Zürichs Teilzeit-Brücke

Jetzt steht er wieder: der Fluchtsteg vom Bauschänzli, der jeweils fürs Oktoberfest und den Zirkus Conelli montiert und im Frühling wieder abgebrochen wird.

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Rund 20 Meter lang ist er, der Steg auf massiven Stahlpfeilern und einem Gittertor, das mit furchteinflössenden Metallspitzen gesichert ist. Die Brücke verbindet neuerdings wieder das Bauschänzli, die kleine Insel in der Limmat, mit dem Stadthausquai.

Installiert wurde das Bauwerk in der Limmat am Mittwoch durch eine Spezialfirma, dabei kam auch ein Pneukran zum Einsatz. Bereits in den Tagen zuvor hatten Taucher im rund drei Meter tiefen Wasser Vorbereitungsarbeiten geleistet, um die Stahlstützen mit den fix im Flussgrund versenkten Pfählen verschrauben zu können.

Im Sommer nicht nötig

Bei dem Steg handelt es sich nicht etwa um einen neuen, zweiten Zugang zur lauschigen Gartenwirtschaft auf dem Bauschänzli, sondern um einen Not- und Fluchtsteg, wie Kuno Gurtner von der städtischen Liegenschaftenverwaltung sagt, die den Gastrobetrieb vermietet.

Der Steg samt seinen Stahlstützen wird jeweils im Herbst aufgebaut. Der Grund: das Oktoberfest und der Zirkus Conelli, die jeweils im Herbst und Winter auf dem Bauschänzli gastieren. Seit 1999 verlangt die Feuerpolizei für solche Grossanlässe mit Festzelten einen zusätzlichen Ausgang vom Inselchen.

Für den regulären Sommerbetrieb auf der Gartenterrasse des Bauschänzli ist dagegen kein zweiter Fluchtsteg nötig, weil es dann keine grossen Zeltbauten und damit weniger brennbares Material auf dem Inselchen gibt, wie Gurtner sagt. Deshalb wird der Steg samt Pfeilern im Frühling wieder abgebaut.

Boote müssen durchfahren können

Doch wieso lässt die Stadt den Steg nicht auch im Sommerhalbjahr stehen? Ein zweiter Zugang zum Bauschänzli hätte ja durchaus Vorteile. Laut Kuno Gurtner kommt dies wegen der Durchfahrt für Boote nicht infrage, es handle sich dabei um eine Auflage der Wasserschutzpolizei. Denkmalpflegerische Aspekte spielten dagegen keine Rolle.

Reklamationen über das Erscheinungsbild des massiven Metallteils an dieser Top-Lage am See oder wegen einer Beeinträchtigung der Aussicht seien der Liegenschaftenverwaltung bisher nicht bekannt, wie Gurtner weiter sagt.

Neuvermietung auf Anfang 2019

Das Bauschänzli ist ein Relikt der barocken Stadtbefestigung aus dem 17. Jahrhundert. Die Bastion diente damals zum Schutz gegen Angriffe vom See aus. Seit 1907 wird das künstliche Inselchen als Biergarten genutzt. Der Betrieb gehört der Stadt. Auf nächstes Jahr vermietet sie ihn neu an das Zürcher Gastro-Unternehmen Candrian Catering. Zuvor hatte 26 Jahre lang die Fred-Tschanz-Gruppe auf dem Bauschänzli gewirtet.

Erstellt: 27.09.2018, 15:49 Uhr

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