Zürichs verfluchtes Landstück wird neu überbaut

Spott, hitzige Debatten und Millionenverluste: Die unrühmliche Geschichte eines Parkhauses im Seefeld endet mit neuen Wohnungen.

Kündigen das Ende an: Die Bauvisiere an der Hallenstrasse im Zürcher Seefeld. Bild: TA

Kündigen das Ende an: Die Bauvisiere an der Hallenstrasse im Zürcher Seefeld. Bild: TA

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Und jetzt: Abriss. Aus der Stadt Zürich verschwindet eine der grossen Peinlichkeiten ihrer jüngeren Geschichte, das Parkhaus an der Hallenstrasse im Zürcher Seefeld. Die Stadt entledigte sich des Grundstücks bereits Ende 2017, nun hat die Swiss Life ihre Pläne geschmiedet und will das Areal umbauen.

Die Bauvisiere stehen bereits. Die Versicherung plant auf dem knapp 600 Quadratmeter grossen Areal unweit des Zürcher Opernhauses ein neues Mehrfamilienhaus. 15 Wohnungen sollen es werden und die Baukosten rund 8 Millionen Franken betragen. «Kleinere Studios bis zu 4,5-Zimmer-Wohnungen» würden entstehen, sagt eine Sprecherin der Swiss Life. Wie hoch die Mieten einst werden sollen, verrät die Sprecherin nicht: «Die Mietzinse werden beim Start der Vermarktung festgelegt und kommuniziert.» Derzeit befinde man sich noch in der Planungsphase, die Baueingabe laufe. Der Baubeginn ist frühstens im Frühling 2020 geplant.

So soll es einst aussehen: Die Visualisierung des neuen Mehrfamilienhauses. Bild: Swiss Life/Bob Gysin Partner

Mit dem Abriss endet eine wenig rühmliche Geschichte, die ursprünglich als Sensation angepriesen wurde: das grösste vollautomatische Parkhaus der Schweiz. Das war im Jahr 2001. Der damalige CVP-Finanzvorsteher Willy Küng schwärmte von der Idee, die Stadt investierte rund 5 Millionen Franken. Noch vor der Eröffnung frohlockte der Geschäftsführer des neuen Parkhaussystems in der «Bilanz»: Er erhoffe sich vom städtischen Projekt in Zürich einen erheblichen Prestigegewinn und eine Reihe von Folgeaufträgen.

Im Dezember 2001 folgte die Eröffnung. «5-Sterne-Parkhaus im Seefeld», titelte der TA damals noch, die NZZ: «Parkieren wie von Geisterhand». Nur kurze Zeit später, im Februar 2002, kam die Wende, und im Tagi hiess es kurz und knapp: «Parkhaus bockt». Unter anderem funktionierten die Laser nicht richtig, welche die Autos im sechsstöckigen Parkhaus hätten vermessen sollen. Autofahrer mussten länger auf ihre Autos warten als angepriesen – zum Teil mehrere Minuten, zum Teil Stunden, zum Teil mussten sie in Hotels übernachten oder mit dem Taxi nach Hause gebracht werden. Die Parkhaus-Firma ging Konkurs, das Parkhaus wurde stillgelegt.

Umstrittener Liegenschaftentausch

Die Stadt vermietete das Haus schliesslich an die Amag, die das Parkhaus als Lager verwenden konnte. Danach wurde es medial etwas ruhiger um das Parkhaus. Doch die Stadt fuhr einen Verlust ein. Sie rechnete ursprünglich mit monatlichen Einnahmen von 60'000 Franken pro Monat, die Amag zahlte zuletzt aber einen Nettomietzins von weniger als 7000 Franken. Kostendeckend war das nicht, das Projekt war eine knapp 7 Millionen Franken teure Fehlinvestition.

Das Parkhaus bei der Eröffnung im Dezember 2001. Bild: Keystone

2007 zerrte der Cabaret-Voltaire-Deal zwischen der Stadt Zürich und der Swiss Life das Stück Land wieder an die Öffentlichkeit, und damit auch den Parkhaus-Flop. Der Stadtrat wollte sich das Haus an der Spiegelgasse 1 mit dem Cabaret Voltaire im Niederdorf sichern. Dazu liess sie sich mit der Anlagestiftung Swiss Life auf einen Liegenschaftentausch ein. Teil der Tauschmasse: das Parkhaus-Grundstück Hallenstrasse 8.

Die Stadtzürcher AL tobte und ergriff das Referendum. Sie sprach von einem «wohnpolitischen Fehltritt». Die Stadt «verschachere» an bester Lage im Seefeld ein Grundstück. Und dies ausgerechnet an «den grössten Player im Miet-Monopoly: an die Swiss Life». Die AL verlangte von der Stadt, auf dem Areal selber 15 bis 20 preisgünstige Wohnungen zu erstellen. Die Partei rechnete vor, dass dies trotz der eingefahrenen Verluste beim Parkhaus möglich sein würde, die Verluste seien längst abgeschrieben. Die Stadt sah dies anders.

Am Ende verhallten die lauten Rufe der Zürcher Linken, die Stimmbevölkerung stimmte im September 2017 dem Tausch zu. Und die Geschichte endet mit einem Mehrfamilienhaus der Anlagestiftung Swiss Life. Läuft es so, wie sie es sich vorstellt, ziehen Ende 2021 Mieterinnen und Mieter ein.

Erstellt: 23.07.2019, 10:56 Uhr

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