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Züri-Fäscht reagiert auf Mauschelei-Vorwürfe

Die Organisatoren vergeben umstrittene Aufträge fürs nächste Jahr nicht mehr unter der Hand. Obwohl sie das dürften, wie sie betonen.

Marius Huber
Sicherheit vor Preis: Beim Feuerwerk gibt es – anders als bei Eis und Toiletten – auch in Zukunft keine öffentliche Ausschreibung. Foto: Doris Fanconi
Sicherheit vor Preis: Beim Feuerwerk gibt es – anders als bei Eis und Toiletten – auch in Zukunft keine öffentliche Ausschreibung. Foto: Doris Fanconi

Rückblickend erinnert das Krisenmanagement des Züri-Fäscht ein wenig an den Achtzigerjahreklamauk «Die nackte Kanone». An jene Szene, in der Polizist Frank Drebin die Gaffer zu vertreiben versucht, indem er ihnen zuruft: «Es gibt hier nichts zu sehen!» Während hinter ihm Leute aus einem explodierenden Haus springen.

Am Züri-Fäscht 2016 brannte es auch an mehreren Ecken. Da war der Vorwurf, dass der lukrative Auftrag für die mobilen Toiletten vergeben worden war, ohne eine Offerte von Marktführer Toi Toi einzuholen. Da war der Chef der Brauerei Falken, der bestimmen durfte, wo auf dem Festgelände welches Bier ausgeschenkt wird – und sich selbst den Sechseläutenplatz sicherte. Und da war jener gut vernetzte Festwirt, der das Monopol auf den Eiswürfelverkauf erhielt, obwohl er die Öko-Auflagen der Stadt nicht einhielt. Das Organisationskomitee fand zu alledem: Wo ist das Problem?

Abhängigkeit erhöht

Jetzt, mit Blick auf das nächste Fest im Juli 2019, tönt es plötzlich anders. Von einem grundsätzlichen Neustart ist die Rede, von politischem Druck und vom neuen OK-Präsidenten Albert Leiser, der Wert auf Transparenz lege. «Wir sind uns bewusst, dass wir von der öffentlichen Hand abhängig sind», sagt Sprecher Andreas Hugi, «da wollen wir den Eindruck vermeiden, dass bei den Ausschreibungen etwas nicht sauber läuft.» Die Abhängigkeit hat sich akzentuiert: Kürzlich gab die Stadt bekannt, die Unterstützung auf 2,7 Millionen Franken zu verdoppeln.

Trotz dieser Hilfe und der Verzahnung der Behörden mit dem Verein Zürcher Volksfeste, der das Züri-Fäscht organisiert, gelten die strengen Regeln des öffentlichen Beschaffungswesens für dieses nicht. So lautet das Fazit eines Expertengutachtens, das die Rechtsprofessorin Isabelle Häner nach der Kritik an der letzten Ausgabe im Auftrag der Festveranstalter erstellte. Das Submissionsrecht ist nur dann anzuwenden, wenn die öffentliche Hand zu mehr als 50 Prozent an der Finanzierung beteiligt ist. Derzeit liegt diese Quote tiefer, bei etwas über 43 Prozent.

Das Fest-OK dürfte also im Prinzip nach eigenem Gutdünken schalten und walten. Laut Hugi sieht es dennoch davon ab. Man habe entschieden, die umstrittenen Aufträge für Toiletten und Eiswürfel freiwillig nach einem ordentlichen Verfahren zu vergeben. Dabei werden jeweils mehrere infrage kommende Lieferanten eingeladen, eine Offerte einzureichen. Danach wird aufgrund unterschiedlich stark gewichteter Kriterien wie Preis oder Ökologie entschieden. Beim Eis ist dies bereits geschehen, bei den Toiletten noch nicht.

Unverdächtiger Bierchef

Auch die Kritik an der Doppelrolle von Falkenbräu-Chef Markus Höfler hat Wirkung gezeigt. Laut Hugi übernimmt neu Markus Bürgi die Verteilung der Festareale auf die Bierproduzenten, der als Manager des Gastrounternehmens SV Group punkto Gerstensaft unverdächtig ist. Man habe zwar nie daran gezweifelt, dass Höfler seine beruflichen Interessen von jenen im Festverein zu trennen wusste, wolle aber keinen weiteren Anlass für Spekulationen bieten. Höfler habe ohnehin vorgehabt, sich aus dem OK zurückzuziehen.

Zufrieden mit den Neuerungen zeigt sich der wichtigste Vertreter der Stadt im OK, Stadtpräsidentin Corine Mauchs Departementssekretär Pius Landolt. Er weist auf eine weitere organisatorische Anpassung hin: Städtische Kaderleute dürften neu keine Vergaben mehr tätigen. Dies, obwohl ein solcher Vorgang bisher nie in der Kritik stand. Es handle sich um eine Vorsichtsmassnahme, ausgelöst durch das Rechtsgutachten. Obwohl das Organisationskomitee als eigenständige Körperschaft gilt, stellt die Stadt ein Drittel der Mitglieder. So leitet etwa ein Kadermann der Stadtpolizei beim Züri-Fäscht das Ressort Logistik.

Der Stadtrat ist überzeugt,dass keine unnötig hohen Kostenentstanden sind.

Der Zürcher Stadtrat ist überzeugt, dass der Öffentlichkeit auch unter dem alten Regime keine unnötig hohen Kosten entstanden sind. In einer Antwort auf eine Anfrage aus dem Parlament hielt er fest, dass Aufträge in der Regel offen ausgeschrieben worden seien, abgesehen von «sehr wenigen Ausnahmen». So habe man etwa beim Feuerwerk stets auf die gleichen Unternehmen gesetzt, um die Qualität sicherzustellen. Laut dem Vorstand des Vereins Zürcher Volksfeste gebe es keine Anhaltspunkte für Begünstigung.

Beim Feuerwerk, immerhin ein 150'000-Franken-Auftrag, gab es auch diesmal keine Ausschreibung. Den Zuschlag bekamen erneut der Italiener Antonio Parente und der Deutsche Joachim Berner, der dem Fest seit den Achtzigerjahren verbunden ist. Die Begründung: Fachwissen und Sicherheit seien in diesem Fall wichtiger als der Preis.

Dennoch melden sich immer wieder Anbieter, die den Job gerne übernehmen würden. Das war gerade erst wieder der Fall. OK-Geschäftsleiter Roland Stahel gab dem Interessenten die gleiche Antwort wie allen vor ihm: Um überhaupt in Erwägung gezogen zu werden, müsse er mit den Gegebenheiten auf dem Zürichsee samt dem Aufbau in der Werft vertraut sein. Dazu müsse er zuerst einmal eines der Zürcher Grossfeuerwerke besucht haben und dann selbst den Silvesterzauber ausrichten. Das wiederum komme nur infrage, wenn er seine Fähigkeiten anderswo anhand eines Grossfeuerwerks auf Wasser demonstriert habe. Stahel sagt, er habe schon Feuerwerke auf der ganzen Welt begutachtet, und manchmal hätten nur ein Drittel aller Raketen gezündet. So was wolle er in Zürich vermeiden.

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