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«Zuerst mussten harte Fakten auf den Tisch»

Filippo Leutenegger wehrt sich gegen den ­Vorwurf, bei der ERZ-Affäre zu spät gehandelt zu haben.

Hat er zu spät gehandelt? FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger. Bild: Keystone
Hat er zu spät gehandelt? FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger. Bild: Keystone

Was halten Sie vom Bericht der Aufsichtskommissionen?

Nach Ansicht des Stadtrats handelt es sich um eine umfassende und ausgewogene Beurteilung der Ereignisse bei ERZ. Der Stadtrat hat in seiner Stellungnahme einige Punkte anders beurteilt und klargestellt. Die Berichte bestätigen auch den Befund der bereits im April 2016 veröffentlichten Administrativuntersuchung.

Ist jetzt alles auf dem Tisch?

Das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Die Vorfälle erstrecken sich über 15 bis 20 Jahre, es gab in dieser Zeit vier verschiedene Departementsvorstehende, auch das Stadtparlament war involviert. Als die Verfehlungen erstmals ruchbar wurden, war ich seit einem Jahr im Amt. Und ich habe bei Vorliegen von Fakten reagiert und gehandelt.

Wie konnten der Ex-Direktor und seine Führungscrew jahrelang Vorschriften missachten, ohne vom Stadtrat gestoppt zu werden?

Das kann man sich in der Tat fragen. Und genau dies versuchen ja jetzt die externe Untersuchung des Stadtrats und die parlamentarische Untersuchungskommission herauszufinden.

Der Stadtrat hat offenbar jahrelang nicht genau genug hingeschaut. Sonst hätten Ihre Vorgänger Kathrin Martelli, Martin Waser, Ruth Genner oder der langjährige Finanzvorsteher Martin Vollenwyder die Unregelmässigkeiten bemerkt.

In vorherigen Amtszeiten wurden Entscheidungen getroffen, die ich nicht beurteilen kann. Jetzt gilt es, die externe Untersuchung des Stadtrats und der PUK abzuwarten. Für mich nehme ich in Anspruch, gehandelt zu haben, sobald ich gesicherte Kenntnis hatte von Missständen. Aber: Um personalrechtliche Massnahmen einzuleiten, mussten zuerst harte Fakten auf den Tisch.

Laut Kritikern hätten Sie schon früher eingreifen müssen, Mails mit Hinweisen habe es gegeben.

Diesen Vorwurf weise ich zurück. Das zweite anonyme E-Mail von Ende Oktober 2016, von der im Untersuchungs­bericht die Rede ist, wurde mir nicht zugesandt, und ich habe dieses bis heute nicht gesehen. Meines Erachtens haben wir mit unseren Massnahmen ein hohes Tempo angeschlagen, vor allem nach der Ermahnung von Urs Pauli 2016 ging es Schlag auf Schlag.

Warum haben Sie dann das Arbeitsverhältnis mit Urs Pauli nicht schneller aufgelöst?

Ich habe mit Urs Pauli ab Februar 2017 über eine Trennung diskutiert. Es war sehr zäh. Man muss auch sehen: Der Mann hat Leistungen erbracht, das ERZ ist ein Vorzeigebetrieb im Recycling­bereich, das wird international anerkannt. Es war nicht alles nur schwarz.

Wie wollen Sie in Zukunft verhindern, dass es erneut zu solchen Vorfällen kommt?

Wir müssen realistisch sein: Es lässt sich nie alles verhindern. Wenn bei jemandem die Energie da ist, etwas zu vertuschen, dann passiert es auch. Wichtig ist nun, dass die Empfehlungen der GPK und RPK analysiert und sinnvoll umgesetzt werden, das Controlling auf allen Ebenen verbessert wird und mit dem neuen Direktor oder der neuen Direktorin eine neue Führungskultur entsteht. Derzeit läuft die Evaluation für die Besetzung des Chefpostens. Entscheidend für die Zukunft ist die Führungskultur.

Haben Sie in der ganzen ERZ-Affäre mal an Rücktritt gedacht?

Nein, warum auch? Als einzigen Vorwurf habe ich bisher gehört, ich hätte einige Monate zu spät gehandelt, aber damit kann ich leben.

Wie ist die Stimmung im ERZ?

Solche Vorkommnisse sind für jede Organisation eine Belastung, in der Führung besteht Verunsicherung. Umso wichtiger ist es, dass wir die Dienstabteilung wieder auf Kurs bringen. Das ERZ ist ein gut funktionierender Betrieb mit ausgezeichneten Mitarbeitenden.

ERZ-Affäre, Sonnenschirm-Flop, Mietvelo-Chaos in den Strassen: Im Moment läuft es für Sie im Stadtratswahlkampf nicht ganz rund.

Ach wissen Sie, ich bin da ziemlich gelassen, ich trete bei den Wahlen an, weil ich einen Beitrag leisten will für die Allgemeinheit und weil ich das für unsere Stadt gerne tue.

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