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Zufallstreffer überführte Mörder vom Seefeld

Tobias Kuster wurde nur dank einem versuchten Waffenkauf im Darknet gefasst. Wie funktioniert dieser Teil des Internets?

Das geheime Internet, das Darknet, enthält riesige Datenmengen – oft illegaler Natur.
Das geheime Internet, das Darknet, enthält riesige Datenmengen – oft illegaler Natur.
DPA/Silas Stein, Keystone

Schon nach dem Amoklauf in München im Juli letzten Jahres machte der Begriff viele Schlagzeilen, weil der 18-jährige Täter die Tatwaffe illegal im Darknet erworben hatte. Doch was verbirgt sich auf der dunklen Seite des Internets?

Im Gegensatz zum sogenannten Freenet – also dem mit Suchmaschinen durchsuchbaren Internet, das die meisten kennen und nutzen – ist das Darknet verborgen. Die meisten Aktivitäten laufen hier über das sogenannte TOR-Netzwerk (TOR steht für «The Onion Router»). Der User braucht dafür einen speziellen Browser. Der Clou: Die Kommunikation zwischen den Nutzern wird über mehrere Server geleitet und verschlüsselt. Damit soll verhindert werden, dass Kommunikationspartner und Dritte wissen, wer sich wo befindet.

Mühsamer Waffenkauf

Diese Verborgenheit hat durchaus ­legitime Vorteile: Staatlicher Überwachung oder der Datensammelwut grosser Internetkonzerne wird damit ein Riegel geschoben. In Ländern mit Internetzensur kann der Browser ausserdem dazu genutzt werden, diese zu umgehen. Die allermeisten TOR-Nutzer greifen denn auch auf ganz normale Internetseiten zu und profitieren dabei von der so garantierten Anonymität. Zusätzlich ermöglicht der Browser aber auch den Zugriff auf die sogenannten Hidden Services, Seiten mit dem Suffix «.onion».

Unter diesen Seiten findet man auch Online-Handelsplattformen, beispielsweise Alpha Bay – eine Plattform, die ähnlich wie Ebay funktioniert, nur dass man hier auch Waffen, Drogen oder andere illegale Ware findet. An erster Stelle steht der Drogenhandel. Dagegen ist der Waffenhandel eine – allerdings wachsende – Randerscheinung.

Der Kauf ist auf diesen Plattformen erheblich mühsamer als auf Seiten wie Ebay. Viele Angebote entpuppen sich als Versuch, dem Kunden Geld abzuknöpfen. Und selbst wenn kein Betrug vorliegt, muss sich der Käufer verschiedene anonyme E-Mail-Adressen und Zahlungsaccounts zulegen. Schliesslich wird auch nicht mit herkömmlichem Geld bezahlt, sondern mit Kryptowährungen wie Bitcoin. Damit werden die Spuren weiter verwischt.

Mehr Mittel gegen Cybercrime

Die Strafverfolgung wird durch das Darknet erschwert – aber nicht verunmöglicht. Das zeigt der Fall des Amokläufers von München, bei dem der Waffenverkäufer dingfest gemacht werden konnte. Und auch Kuster konnte nur verhaftet werden, weil die Berner Kantonspolizei im Darknet ermittelte.

Diese Polizeiarbeit erfordert ausgebildete Spezialisten. In der Schweiz hat bisher einzig der Kanton Zürich ein Kompetenzzentrum für Cybercrime eingerichtet. Der Regierungsrat hat bereits Ende 2015 festgestellt, dass der Personalbestand zu niedrig sei. «Fast alle Verbrechen hinterlassen Spuren in der einen oder anderen Form im Internet», betonte Jacqueline Fehr vor den Medien. Der Regierungsrat werde sich deshalb für einen weiteren Ausbau der Mittel einsetzen.

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