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Zum Vorteil der SP

Nach dem Rückzug von Claudia Nielsen könnte eine schmalere Stadtratstruppe für die Partei einen positiven Effekt haben.

Claudia Nielsen hat den Zürcher Stadtratswahlkampf auf den Kopf gestellt. Bis gestern Mittag erlebte die Stadt einen Wahlkampf, den die Amtierenden in routinierter Selbstzufriedenheit absolvierten. Sie applaudierten sich gegenseitig und präsentierten sich als eine Truppe beherzter Dienstleister zum Wohle Zürichs. Alles schien darauf hinauszulaufen, dass Rot-Grün die komfortable Mehrheit von heute sechs Sitzen (gegenüber drei bürgerlichen) verteidigen kann.

Doch just in den Tagen, an denen die Stimmbürger ihre Wahlunterlagen erhalten, erklärt die SP-Gesundheitsvorsteherin, dass sie sich zurückziehe. Es würde an ein Wunder grenzen, wenn die SP eine derart attraktive Kandidatur aus dem Hut zaubern könnte, dass ihr vierter Stadtratssitz nicht verloren ginge.

Gehen wir davon aus, dass die SP auf drei Sitze zurückgebunden wird. Die bürgerliche Top-5-Allianz hätte dagegen selbstredend nichts einzuwenden (ob dann auch einer der ihren den vierten SP-Sitz holt, ist freilich eine andere Frage). Paradoxerweise wäre aber ebenso für die Sozialdemokraten selbst eine schmalere Stadtratstruppe von Vorteil. Vier Sitze in einem Neuner­gremium sind zu viel – zumal die SP-Phalanx noch durch einen grünen und einen alternativen Vertreter arrondiert wird. Wer in einer Exekutive vier Sitze hat, wirkt dominant und übergewichtig. Das ruft in der Schweiz Abwehrreaktionen hervor. Dass die SP seit 2002 Gemeinderatssitze verliert und am kommenden 4. März voraussichtlich weitere abgeben muss, ist eine solche Gegenreaktion.

Übermacht wirkt unsympathisch, bremst die Dynamik und macht bequem. Zürich verdient aber einen attraktiven, engagierten Wettbewerb der Ideen und ihrer Vertreter. Bestenfalls bekommt dieser Wettbewerb neuen Schwung, wenn der Stadtrat parteipolitisch ausgeglichener zusammengesetzt und die Konkurrenz schärfer ist. Bloss bräuchte es dazu starke Herausforderer mit Lust an diesem Wettbewerb. Doch ausgerechnet jetzt, wo es etwas zu holen gäbe, präsentiert das bürgerliche Ticket ein mässig überzeugendes Angebot an Kandidierenden. Direkt profitieren von Nielsens Abgang könnten damit Grüne und Grünliberale.

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