Zwei ehemalige Emire in Zürich

Die Kosten für die Landungen des ehemaligen Emirs aus Katar seien zu gering, finden Kritiker. Derweil wurde bekannt, dass auch sein Vater in Zürich weilt.

Regierungsflotte der katarischen Airline am Flughafen Zürich: Die katarische Königsfamilie reiste für den Krankenbesuch des ehemaligen Emirs in die Schweiz.

Regierungsflotte der katarischen Airline am Flughafen Zürich: Die katarische Königsfamilie reiste für den Krankenbesuch des ehemaligen Emirs in die Schweiz. Bild: Patrick B. Kraemer/Keystone

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Notlandungen sind nicht gratis. 7090 Franken kostet die Landung des Airbus 340 mit der Kennung «Amiri One», in dem der 64-jährige Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani in der Nacht auf den 26. Dezember von Marokko nach Zürich flog, um sich in der Schulthess-Klinik an der linken Hüfte operieren zu lassen. Der Bund hatte dem ehemaligen Emir von Katar die Landung aufgrund des medizinischen Notfalls erlaubt, trotz Nachtflugverbots.

Kurz nach fünf Uhr, also ebenfalls während der Nachtruhesperre, landeten zwei weitere Maschinen mit der Familie des Herrschers aus Katars Hauptstadt Doha an Bord. Auch für diese stellt der Flughafen Zürich nun Gebühren in Rechnung: 4580 Franken für den Airbus 330 und 2270 Franken für den Airbus 319. «In den Kosten eingeschlossen sind die Landegebühr, die zusätzliche Lärmgebühr, die Emissionsgebühr und die Parkgebühr pro Tag», sagte die Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling Stucki zum «SonntagsBlick».

Das Begleichen der Rechnung dürfte für den reichen Scheich - sein Privatvermögen wird auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt - kein Problem sein. Das stört Flughafenanwohner wie Priska Seiler Graf (47), SP-Nationalrätin aus Kloten. Die Lärmgebühr für die drei Flieger kostet zusammengerechnet 4500 Franken, 1500 Franken pro Flugzeug. Ein kleiner Betrag, findet Seiler Graf. Man müsse sich überlegen, ob Verstösse gegen die Nachtruhe nicht mit höheren Bussen belegt werden sollten. «Es darf sich nicht lohnen, zu spät in Zürich zu landen.»

Zerstrittene Scheichs

Die Katarer haben grossen Einfluss in der Schweiz. Der Staatsfonds hält etwa 4,98 Prozent der Aktien der Credit Suisse, zudem 8,42 Prozent der Aktien am Rohstoffmulti Glencore Xstrata. Ausserdem gehören Katar mehrere Hotels, zum Beispiel das Hotel Atlantis am Fuss des Uetlibergs.

Derzeit halten sich gleich zwei Generationen der Herrscherfamilie in Zürich auf. Laut «SonntagsZeitung» hat sich der Vater des operierten Scheichs, der 83-jährige Khalifa bin Hamad Al Thani, bereits seit längerem im Fünfsternhotel Hyatt in der Innenstadt einquartiert. Er werde von Gästen oft in der Hotellobby gesichtet, heisst es. Ob der Vater seinen Sohn im Spital besuchen wird, ist zu bezweifeln. 1995 setzte der Emir mit dem verletzten Bein das Familienoberhaupt in einem Putsch ab, während dieser in Genf war. Die Absetzung durch seinen Sohn kommentierte der damalige Emir als «das abnormale Verhalten eines ignoranten Mannes». Allerdings war er 1972 an die Macht gekommen, indem er seinen Onkel vertrieben hatte.

Erstellt: 04.01.2016, 08:42 Uhr

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