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Drei Zürcher Hooligans müssen ins Gefängnis

Wegen einer brutalen Massenschlägerei standen zwölf Hooligans vor dem Strafgericht Basel. Die meisten sind FCZ- und GC-Anhänger.

Die Strassenkämpfe zwischen Zürcher und Basler Hooligans fanden vom 19. auf den 20. Mai in Basel statt. Video: Leser-Reporter/20 Minuten

Das Basler Strafgericht mit der Vorsitzenden Marcia Stucki (SVP) hat sich drei Wochen Zeit gelassen, bevor es das Urteil bekanntgab – am Montagmorgen war es soweit. Es sollte ein Urteil mit Signalwirkung sein: Drei der 12 Beschuldigten erhalten unbedingte Gefängnisstrafen. Ein in Zürich lebender 25-jähriger Syrer erhielt drei Jahre unbedingt, ein Schweizer aus dem Kanton Zürich bekam zwar 22 Monate, ins Gefängnis muss er jedoch nur 6 Monate; die Richterin sprach bei ihm von einer «Warnung». Und ein 23-jähriger Schweizer aus Zürich erhielt sechs Monate unbedingt, weil er kurz vor der Gerichtsverhandlung in einer anderen Sache ein Delikt beging. Für die eigentliche Teilnahme an der Schlacht zwischen Fans des FC Zürich und des FC Basel hätte er nur eine bedingte Strafe erhalten.

Die anderen Beschuldigten erhielten bedingte Strafen von jeweils vier bis acht Monaten, je nachdem, ob sie vorbestraft waren oder es sich bei den vorgeworfenen Taten um Landfriedensbruch, Raufhandel oder Körperverletzungsdelikte handelte. Das Gericht erhöhte bei einigen auch die Probezeit auf bis zu vier Jahren und gab damit zu verstehen, dass es zu keinen weiteren Delikten rund um Fussballspiele und Hooligan-Ausschreitungen mehr kommen dürfe. Sonst droht Neubeurteilung und Strafverschärfung, in einigen Fällen auch eine unbedingte Strafe.

In einzelnen Anklagepunkten gab es auch Freisprüche, zum Beispiel wenn die Staatsanwaltschaft nicht eindeutig hatte nachweisen können, dass ein Beschuldigter tatsächlich auf andere eingeprügelt hatte und ihm somit nur das Mitmachen an dieser Abrechnung unter extremen Fussballfans vorgeworfen werden konnte. In diesen Fällen gab es meist Verurteilung wegen der Beteilung an Raufhandel und oder wegen Landfriedensbruch.

Auf wehrlose Opfer eingetreten

Einige Beschuldigte trugen während des Strassenkampfes vom 19. auf den 20. Mai 2018 beim Basler St. Jakobstadion sowie im angrenzenden Lehenmatt-Quartier mit Quarzsand gefüllte Handschuhe. Für das Gericht war klar, dass die Hooligans diese nur deshalb anhatten, um bei Fausttreffern den Gegner stärker zu verletzen als mit der blossen Hand. Aus diesem Grund gab es alleine für das Verwenden von solchen Schlägerhandschuhen eine Verurteilung wegen Zuwiderhandlungen gegen das Waffengesetz; diese Strafe wurde zu den anderen Delikten hinzugerechnet.

Klare Worte fand Richterin Stucki bei einem in Zürich lebenden, 25-jährigen Syrer. Er war in der Vergangenheit schon mehrfach bei Fanausschreitungen dabei gewesen und hat zurzeit in Zürich noch ein Verfahren wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte am laufen. Da der Mann einschlägig aktenkundig ist und auch Delikte, die er während Fanprügeleien in Zürich begangen hatte, vom Basler Gericht beurteilt werden mussten, erhielt er insgesamt drei Jahre Freiheitsstrafe unbedingt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er als Mitglied der Ultra-Fangruppierung «Zürichs Kranke Horde» in jener Nacht mehrfach auf den Kopf von zwei am Boden liegenden und wehrlosen Personen getreten hatte. Zudem prügelte er mit den Fäusten weiter auf die kampfunfähigen Personen ein.

«Wer das tut, nimmt in Kauf, dass das Opfer schwere und irreversible Schäden am Hirn davonträgt.»

Richterin Marcia Stucki

Vor Gericht hatte der Syrer gesagt, dass er nie jemanden ernsthaft habe verletzen wollen. Da musste die Richterin den Mann belehren: Tritte gegen den Kopf einer Person seien grundsätzlich schlimm. Wenn das Opfer dann noch am Boden liegt und sich nicht wehrt, sei die Tat um so verwerflicher, auf jeden Fall aber als schwere Körperverletzung einzustufen. Dabei spielt keine Rolle, ob das Opfer tatsächlich verletzt werde oder nicht. «Denn wer das tut, nimmt in Kauf, dass das Opfer schwere und irreversible Schäden am Hirn davonträgt», so die Richterin.

Trotz schwerer Straftat kein Landesverweis

Die Strafe von drei Jahren unbedingt erhielt der aus Syrien stammende Zürcher auch deshalb, weil er rund ums Spiel des FC Zürichs gegen den SSC Neapel im Februar 2019 durch Gewalt und Drohung gegen Beamte aufgefallen war, in einer Zeit, in Basel ein Verfahren gegen ihn lief. Das Gericht erachtete ihn als Teil einer militanten Fangruppierung.

Eigentlich würde das Gesetz verlangen, dass der 25-Jährige aufgrund der Schwere der Straftaten ausgeschafft wird. Das Gericht setzte eine obligatorische Ausschaffung allerdings ausser Kraft. Das sei kein leichter Entscheid gewesen, sagte Stucki. Obwohl der Mann als «wirtschaftlich nicht integriert» einzustufen sei und er bislang auch «keine wirkliche Bemühungen» gezeigt habe, wirtschaftlich auf eigenen Füssen zu stehen – was am fehlenden Berufsabschluss zu sehen sei –, wolle man ihm nochmals eine Chance geben.

Das Gericht berief sich darauf, dass der Mann, der seit 22 Jahren in der Schweiz lebt, hier sozialisiert worden sei und aufgrund des Flüchtlingsstatus nicht in das Kriegs- und Krisengebiet Syrien abgeschoben werden könne. Eine unbedingte Gefängnisstrafe soll ihm aber eine Warnung sein und zu einem Umdenken bringen, so die Richterin.

Auch im Falle eines deutschen Beschuldigten, der sich als Anhänger des Karlsruher SC sieht und «wie ein Kriminaltourist» in die Schweiz einreiste, um sich zusammen mit den FC Zürich-Fans an den Kämpfen zu beteiligen, verzichtete das Gericht auf eine Einreisesperre. Der 24-jährige Deutsche erhielt 8 Monate bedingt.

Videoüberwachung war rechtens

Es gab von den Verteidigern der Beschuldigten während des Prozesses mehrere Versuche, die Richtigkeit der Anklage in Zweifel zu ziehen. So sollen die Videokameras, mit denen die Prügeleien gefilmt worden sind, nicht rechtmässig aufgestellt worden sein, und auch dass die Polizei im Spital nach der Auseinandersetzung nach Opfern gefragt habe, sei falsch und missbräuchlich gewesen.

Das Gericht hatte diese Einwände geprüft, kam aber zum Schluss: Die Videoüberwachung und damit die Aufnahmen sind legal und können somit als Beweise zugelassen werden.

Auch die Polizei handelte korrekt, wenn sie im Spital nach der Auseinandersetzung nach Verletzten suchte. Ärzte in dieser Situation zu fragen, sei keine «Anstiftung zum Geheimnisverletzung von Ärzten», wie es Verteidiger geltend gemacht hatten, um damit die belastenden Beweise gegen ihre Mandanten als vor Gericht unbrauchbar taxieren zu können. Laut kantonalem Gesetz sei das Medizinpersonal ermächtigt, der Polizei Auskünfte zu geben, wenn ein schweres Delikt vorliegt, erklärte Richterin Stucki. Mit versuchter schwerer Körperverletzung lagen schwere Delikte vor.

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