Ganz oder gar nicht ist kein guter Ansatz

Soll man seine sportlichen Ziele während der Festtage zurückstecken? Oder jede überflüssige Kalorie fanatisch abtrainieren? Weder noch ...

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Die Festtage stehen an und damit die grosse Frage für Hobbysportler: Darf ich? Kann ich? Soll ich einfach zuschlagen, als gäbe es kein Morgen, oder Spassbremse sein und sich alles versagen? Sind Genuss und Fitness unversöhnliche Antagonisten – oder gibt es Möglichkeiten der friedlichen Koexistenz?

Es gibt, wobei das Problem sich unterschiedlich präsentiert: Hobbysportler mit Motivationsproblemen drohen nach Festtagsschmaus und reichlichem Alkoholkonsum ihre Vorsätze mit Beton an den Füssen im See des Vergessens zu versenken, geben sich dem Völlern hin und verschieben sportliche Tätigkeiten irgendwohin. Die fanatischen Fitter versagen sich jeden Genuss, aus Angst, aus der Form zu kommen, joggen «überflüssige» Kalorien konsequent ab und verderben mit ihrer Askese nicht selten allen den Appetit. Die Lösung liegt, wie so oft, in der Mitte. Deshalb hier drei Tipps für reuelosen Genuss über die Festtage:

Ganz oder gar nicht ist kein guter Ansatz

Der Typus des bipolaren Sportlers trainiert entweder fanatisch und isst nur sehr restriktiv – oder er lässt sich gehen, als gäbe es kein Morgen, und legt sein Training auf Eis. Versuchen Sie das zu vermeiden. Natürlich kann man über die Festtage mal das eine oder andere Training ausfallen lassen, doch niemals zwei in Folge. Je länger man pausiert, desto schwieriger ist der Wiedereinstieg. Dasselbe mit dem Essen: Die Festtage sind dazu da, zu geniessen. Das darf man auch, ohne befürchten zu müssen, die ganzen Trainingserfolge des Jahres zunichtezumachen. Allerdings sollte der Festtags-Modus sich nicht bis Ostern hin erstrecken. Bewusst zurückstecken beim Training oder bewusst Genuss zulassen beim Essen ist vollkommen in Ordnung – solange es um eine bewusste Auszeit geht.

Dinge ausprobieren

Über die Festtage hat man Zeit – und die sollte man bewusst einsetzen. Man kann Freunde und Verwandte treffen – oder aber sportliche Dinge ausprobieren, eventuell sogar mit Freunden und Verwandten. Warum nicht mal mit einer Freundin einen Lauf absolvieren, anstatt im Gym zu pumpen? Mit Verwandten in den Kletterpark fahren? Ausgedehnt spazieren gehen, anstatt zu laufen? Zum ersten Mal endlich ins Yoga gehen, wenn doch alle so davon schwärmen?

The Bigger Picture

Die Festtage sind dazu da, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und Pläne für das kommende Jahr zu schmieden. Es gibt so vieles, was wir nicht beeinflussen und kontrollieren können, genau deshalb sind sportliche Ziele so dankbar. Weil es in unserer Macht steht zu tun, was wir uns vorgenommen haben, und besser zu werden. Entscheidend ist das Bigger Picture: Es gibt Tage, da schafft man es nicht, fühlt sich schwach, scheint plötzlich schlechter zu werden. Es gibt auch Tage, da isst man mehr als sonst oder kriegt die Ernährung nicht richtig hin. Das ist normal. Doch wer nicht aufgibt und konstant dranbleibt, der wird sich mit der Zeit steigern, besser werden und sich vor allem auch besser fühlen. Und das ist letztlich das Ziel.


Michèle Binswanger ist Autorin beim «Tages-Anzeiger», liebt Sport und Trainingsphilosophien. Wöchentlich schreibt sie die Work-out-Kolumne und postet regelmässig auf diesem Instagram-Kanal.

Erstellt: 12.12.2019, 17:53 Uhr

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