Zwölf Antworten zum besetzten Koch-Areal

Bald stimmen die Stadtzürcher gleich über zwei Koch-Areal-Vorlagen ab. Warum eigentlich?

30'000 Quadratmeter, 2 Vorlagen: Am 10. Juni stimmt die Stadt Zürich über die Zukunft des besetzten Koch-Areals ab.

30'000 Quadratmeter, 2 Vorlagen: Am 10. Juni stimmt die Stadt Zürich über die Zukunft des besetzten Koch-Areals ab. Bild: Keystone

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Was ist dieses Koch-Areal?

Das Areal ist rund 30'000 Quadratmeter gross und liegt in Albisrieden. Es gehörte ursprünglich der Koch Wärme AG, einer Handelsfirma. Später ging es in den Besitz der UBS über. Die darauf stehenden Gebäude blieben lange unbenutzt, bis 2013 Hausbesetzer das Areal in Beschlag nahmen. Kurze Zeit später kaufte die Stadt das Areal für 70 Millionen Franken mit dem Ziel, darauf gemeinnützige Wohnungen, ein Gewerbehaus und einen Quartierpark zu bauen.

Wer hält sich auf dem Areal auf?

Rund 100 dort wohnhafte Hausbesetzer betreiben unter anderem ein Café sowie eine Velowerkstatt und organisieren regelmässig Kulturanlässe mit Besuchern aus der ganzen Stadt. In Nebengebäuden befinden sich Ateliers der städtischen Raumbörse. Ausserdem nutzen die Asylorganisation Zürich (AOZ) und der Kinderzirkus Chnopf das Areal.

Was soll nun mit dem Areal geschehen?

Am 10. Juni werden die Stimmberechtigten über zwei Vorlagen zur Zukunft des Koch-Areals entscheiden. Beide wollen darauf Wohnungen, Gewerberaum sowie einen Stadtpark bauen.

Weshalb gibt es zwei verschiedene Vorlagen?

Im Wahlkampf lancierte die FDP eine Volksinitiative. Sie sollte den Stadtrat unter Druck setzen, die Planung für das Areal voranzutreiben. Mit ihrer Initiative «Wohnen und leben auf dem Koch-Areal» fordert die FDP, dass der Stadtrat das Areal so schnell wie möglich an den meistbietenden privaten Investor verkauft. Dies mit der Auflage, darauf Wohnungen (ein Drittel davon gemeinnützig), Gewerbeflächen, einen öffentlichen Park sowie Infrastruktur für Kinderbetreuung und Schulraum zu bauen.

Und was will die Stadt?

Stadt- und Gemeinderat lehnen die FDP-Initiative mehrheitlich ab, weil sie nicht der wohnpolitischen Strategie des Stadtrats entspreche. Im Wesentlichen will der Stadtrat ausschliesslich gemeinnützigen Wohnraum und hat deshalb bereits einen Bauträgerwettbewerb veranstaltet. Das Siegerkonzept sieht 368 preisgünstige Wohnungen in zwei Häusern sowie ein Gewerbehaus und einen Quartierpark vor. Dafür müssen die Wohnbaufelder im Wert von 35,1 Millionen Franken vom Finanz-ins Verwaltungsvermögen übertragen werden.

Bilder: Visionen fürs Koch-Areal

Nur 35 Millionen Franken? Die Stadt kaufte das Areal für 70 Millionen.

Es werden nur die Wohnbaufelder ins Verwaltungsvermögen übergeführt, weil das dazu dient, öffentliche Aufgaben zu finanzieren – wie etwa das Bauen eines Schulhauses oder von gemeinnützigen Wohnungen. Allerdings ist mit weiteren Abschreibungen von rund 30 Millionen Franken zu rechnen. Rund 20 Millionen davon für den geplanten Park.

Und weshalb wird über insgesamt 42 Millionen Franken abgestimmt?

Neben der Umbuchung des Geldes vom Finanz-ins Verwaltungsvermögen, das rechtlich eine Ausgabe ist, benötigt die Stadt weitere 6,9 Millionen Franken für den Projektierungskredit.

Bis wann soll das gebaut werden?

Der Zeitplan der Stadt sieht vor, dass die Wohnungen und das Gewerbehaus 2023 bezugsbereit sind. Dann soll auch der Quartierpark gebaut werden.

Geht das nicht schneller?

Das behauptet zumindest die FDP mit ihrer Initiative, die von der SVP und der CVP unterstützt wird: Private könnten das Projekt schneller umsetzen. Allerdings müsste der Stadtrat bei der Annahme der Volksinitiative, die als allgemeine Anregung eingereicht wurde, eine Vorlage zuhanden des Parlaments ausarbeiten. Dafür hat er ein Jahr Zeit. Die Behandlung im Parlament und ein allfälliges Referendum könnten das Projekt noch um ein weiteres Jahr verzögern.


Video: Fakten zum Koch-Areal

Der Zürcher Stadtrat will auf dem konfliktträchtigen Koch-Areal vorwärts machen Video: Tamedia/sda

Was geschieht, wenn beide Vorlagen angenommen werden?

Im Gemeinderat hat die CVP als einzige Partei zur Vorlage des Stadtrats und zur Initiative Ja gesagt. Sagt das Stimmvolk ebenfalls zweimal Ja, würde die Volksinitiative der FDP umgesetzt.

Und wenn beides abgelehnt wird?

Über diesen Abstimmungsausgang würden sich die Besetzer wohl am meisten freuen. Der Stadtrat würde um Jahre zurückgeworfen und müsste eine neue Vorlage ausarbeiten. Ähnlich wie beim Hardturmstadion könnte das so lange gehen, bis ein Projekt vom Stimmvolk angenommen wird. Die Besetzer könnten dann so lange bleiben, bis die Bagger auffahren – sofern sie sich an die Regeln halten, die ihnen die Stadt auferlegt hat.

Weshalb räumt die Stadt das Areal nicht schon vorher? Das Besetzen von Häusern ist doch nicht legal.

Gemäss der geltenden Praxis räumt die Stadt ein benutztes Gebäude nur, wenn ein konkretes Bauprojekt vorliegt, das Haus denkmalgeschützt oder einsturzgefährdet ist. Andernfalls würde das Risiko bestehen, dass leer stehende Häuser nach einer allenfalls kostspieligen Räumung erneut besetzt würden. Als Alternativen blieben bloss entweder eine kostspielige Bewachung leer stehender Häuser oder ein Abriss der Gebäude. Doch der Stadtrat hat sich schon mehrfach gegen einen solchen «Abriss auf Vorrat» ausgesprochen.

Erstellt: 08.05.2018, 07:50 Uhr

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