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«Statt Mädchen zu treffen, bastelte ich an Verstärkern rum»

Der Musikliebhaber Ueli Frey arbeitet als Moderator bei Roger Schawinskis Radio 1 und praktiziert seit bald 20 Jahren als Zahnarzt in Männedorf. Für ihn sind beide Berufe faszinierend.

Mit Ueli Frey sprach Jérôme Stern Im Dachzimmer Ihres Hauses haben Sie sich ein kleines Radiostudio eingerichtet. Produzieren Sie hier Ihre wöchentliche Sendung «Jukebox» für Radio 1? Ja – das heisst, ich wähle aus meiner Sammlung die Musikstücke aus und lade sie in das Computerprogramm des Radios. Jede Woche gibt es ein neues Oberthema, zum Beispiel «Hotel» oder «Füsse». Ich spiele Songs zum entsprechenden Thema, dazu erzähle ich drei Hintergrundgeschichten; zum Beispiel, wie ein Song entstanden ist. Oder weshalb Coverfotos auf bestimmten Alben nachträglich retouchiert wurden. Viele solche Details finde ich in den Büchern meiner Bibliothek im Nebenraum. Im Zürcher Radiostudio mache ich nur die Moderation. Ein Teil meines Studios stammt übrigens von Radio Zürisee. Wieso studierten Sie, trotz Ihrer Musikbegeisterung, Zahnmedizin? Ja, mein Herz war schon mit der Musik. Doch mein Vater insistierte, dass ich einen richtigen Beruf erlerne. Also studierte ich zuerst ein Jahr Allgemeinmedizin. Doch schon als Teenager bastelte ich, während andere Mädchen trafen, geschickt mit Lötkolben an Verstärkern und Sendern. So wurde mir nach einem Studienjahr klar, dass Zahnmedizin für mich doch besser geeignet wäre. Zudem ist ein Zahnarzt viel früher unabhängig. Als Mediziner wäre ich noch jahrelang Assistenzarzt geblieben. Wie begann Ihre Journalismus-Karriere? Den ersten Artikel schrieb ich 1974, 17-jährig, für die «Zürichsee-Zeitung». (Er sucht eine Weile nach einem Ordner und präsentiert den Artikel, eine Konzertbesprechung über die Rockband Humble Pie.) René Bondt, der Kulturredaktor, gab mir damals die Chance. Ich war ein musikbegeisterter Teenager, doch ich war nicht damit zufrieden, an ein Konzert zu gehen, zu klatschen und anschliessend wieder nach Hause zu gehen. Ich wollte wissen, wie die Musiker auf ihre Ideen kamen, und ich wollte mehr über die Menschen auf der Bühne erfahren. Für diesen Artikel machte ich, mit meinen damals bescheidenen Englischkenntnissen, auch ein Interview. Sie schrieben während neun Jahren als freier Mitarbeiter für die «Zürichsee-Zeitung». Wieso wechselten Sie zum Radio? Der Schritt lag auf der Hand: Ich fand es unbefriedigend, über Musik «nur» zu schreiben. Ich fand, es sei doch viel besser, Musik gleich vorzuspielen, anstatt sie mittels Worten zu beschreiben. Als Radio Zürisee kam, war der Wechsel für mich klar. Nach nur gerade einem halben Jahr war ich bei diesem Sender bereits Musikchef. Schliesslich war ich auch noch Mitglied der Geschäftsleitung. Als sich der 15-jährige Roman Kilchsperger bei uns bewarb, bekam er bei mir seine erste Chance als Moderator. Ich realisierte schnell, dass er wahnsinnig talentiert ist. Schliesslich haben Sie Ihre Tätigkeit bei Radio Zürisee beendet. Wieso? Nach neun Jahren bei Radio Zürisee merkte ich, dass ich zunehmend Büroarbeit erledigen musste – Sponsorensuche, Personalprobleme, finanzielle Fragen. Jedenfalls hatte ich immer weniger mit Moderation und Musik zu tun. Zu dieser Zeit zügelte das Radiostudio nach Rapperswil, und viele wichtige Leute verliessen uns. Schliesslich war ich der einzige «Überlebende» der alten Crew. Damals arbeitete ich schon einen Tag in der Woche als Zahnarzt in der Praxis einer Kollegin. Als sie ihre Tätigkeit beendete, stellte sie mich vor die Wahl; entweder ich übernähme jetzt ihre Praxis, oder sie verkaufe alles. Da fand ich, neun Jahre beim Radio seien genug. Ich kündigte und übernahm die Praxis. Mein Herz schlägt zwar für die Musik, doch auch meine zahnärztliche Tätigkeit mache ich mit Leidenschaft. Und wenn die meisten Patienten auch ungern zum Zahnarzt kommen, so kann ich ihnen trotzdem helfen und sehe das unmittelbare Ergebnis. Das finde ich faszinierend. Wie kam es zur Mitarbeit bei Roger Schawinskis Radio 24? Kaum hatte ich die Zahnarztpraxis 1992 übernommen, telefonierte mir Dani Richiger von Radio 24 und fragte mich, ob ich bei ihnen mitmachen wolle. Für einen Rücktritt aus der Praxis war es da zu spät. Ich sagte ihm, innerhalb eines beschränkten Rahmens, zu. Bei Radio 24 hatte ich dann meine wöchentliche Sendung namens «Caliente». Seit 1977 waren Sie jedes Jahr als Radiomoderator am Jazz-Festival in Montreux. Am Donnerstag beginnt das Festival wieder, haben Sie schon alles gepackt? Ich würde sagen zu 80 Prozent. Und jetzt steigt meine Nervosität; ich bin ein «Einmannbetrieb» und nehme mein eigenes Studio, einen Computer samt nötiger Ausrüstung, mit. Ich habe kein Back-up, wenn mir in Montreux ein Ladegerät fehlt, dann bin ich der Riesentrottel. Dann muss ich in der Nacht zurückfahren und das selber holen. Darum bin ich nervös – es braucht halt schon einiges an Kabeln und Geräten. Ich fahre mit meinem Skoda-Kombi, hinten habe ich noch einen Anhänger mit meinem Motorrad dran. Der Grund: Autofahren in Montreux während des Festivals – vergiss es. Ich parkiere mein Auto 20 Kilometer ausserhalb der Stadt. Schon während seiner Gymizeit hat Ueli Frey als freier Musikjournalist für die «Zürichsee-Zeitung» gearbeitet. An der Zürcher Universität schloss er 1984 sein Staatsexamen für Zahnärzte ab. Anschliessend war er bei Radio Zürisee Chef für Moderation und Musik sowie Mitglied der Geschäftsleitung. 1992 eröffnete er in seinem Wohnort Männedorf seine eigene Zahnarztpraxis und lancierte bei Radio 24 seine Sendung «Caliente». Seit 2008 moderiert er für Radio 1. «Jukebox» läuft jeden Samstag von 14 bis 16 Uhr. (jst) Ueli Frey: Im Radio moderiert er, in seiner Praxis flickt er Zähne. Foto: Kurt Heuberger

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