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Steigende Betreibungszahlen zeigen nur die halbe Wahrheit

Im Unterland wurden 2009 weitaus mehr Menschen betrieben als im Vorjahr. Die Zunahme variiert pro Gemeinde allerdings gewaltig.

Unterland - Die Betreibungsbeamten in der Region konnten sich im abgelaufenen Jahr nicht über zu wenig Arbeit beklagen. In allen sechs angefragten Betreibungsämtern nahm die Zahl der Betreibungen im Vergleich zum Vorjahr zu (siehe Tabelle). Während Wallisellen rund 15 Prozent mehr Betreibungen als 2008 zu verzeichnen hat, stieg die Zahl in Regensdorf lediglich um 0,6 Prozent. Diese Diskrepanz an einem Grund festzumachen, ist für Urs Oehninger, Gemeindeammann und Betreibungsbeamter von Regensdorf, nicht einfach. «Es gibt natürlich sehr grosse regionale Unterschiede», versucht er zu erklären. Es müsse unter anderem beachtet werden, wie die Firmenstruktur in der Gemeinde beschaffen ist, welche Branchen vertreten sind oder wo die Bewohner der Gemeinde arbeiten. Für Regensdorf hat Oehninger die Ergebnisse schon sehr detailliert analysiert.

Die Betreibungen nahmen zwar zu, die absoluten Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen. «Wenn man das Bevölkerungswachstum miteinbezieht, konnten wir sogar eine Abnahme der Betreibungszahlen feststellen», so Oehninger. 2008 wohnten 16 313 Menschen in Regensdorf, 2009 waren es 16 574. Pro Tausend Einwohner ist die Zahl damit sogar ein wenig gesunken. Umgemünzt in Franken sei das Resultat ebenfalls erstaunlich. 2009 lag die Gesamtsumme bei 21,1 Millionen Franken, 2008 wurden noch 26 Millionen Franken geschuldet. Insgesamt spricht Oehninger deshalb von einem guten Jahr.

Während Regensdorf bei den Betreibungen im Vergleich der sechs Gemeinden am stärksten zulegte, ist die Zahl der Pfändungen mit über 24 Prozent am meisten gestiegen. «2008 schlugen Revisions-, Ergänzungs- und Nachpfändungen nur mit 151 Einträgen zu Buche, 2009 verzeichneten wir 742», rechnet Oehninger vor. Aus diesem Grund sei ein Vergleich der beiden Jahre nur bedingt möglich.

Immer mehr Junge

Das Betreibungsamt von Regensdorf scheint allerdings eine Ausnahme darzustellen. Ausser Bülach, wo die Anzahl der Betreibungen nur um 3,7 Prozent gestiegen ist, weisen die übrigen Gemeinden massiv höhere Betreibungszahlen vor. In Kloten, Bassersdorf, Opfikon und Wallisellen wurden zwischen 8 und fast 15 Prozent mehr Menschen betrieben.

Ignaz Beeli, Betreibungsbeamter von Bassersdorf, ist seit 25 Jahren im Amt. Er hat festgestellt, dass in dieser Zeit eine Verschiebung stattgefunden hat, welche Bevölkerungsgruppen von einer Betreibung betroffen sind. «Vor 15 Jahren waren Betreibungen von 20-Jährigen noch eine Seltenheit. Heute kommt dies nicht mehr nur vereinzelt vor», hält er fest. Er persönlich glaubt, dass dies vor allem ein gesellschaftliches Problem sei. Viele liessen sich von schnellen Krediten verführen, würden mehr ausgeben als sie sich leisten könnten. Eine Besserung kann er noch nicht ausmachen. «Ich rechne damit, dass es auch 2010 eine Erhöhung von etwa 15 Prozent geben wird», meint Beeli.

In Wallisellen hat man noch eine andere Erklärung für die gestiegenen Betreibungszahlen. Der Walliseller Gemeindeammann Dieter Voigt hat den Trend festgestellt, das Zuwanderer aus Ländern, die an ein anderes System gewöhnt sind, oftmals Mühe mit den monatlichen Rechnungen bekunden. «Wenn jemandem im Heimatland beispielsweise die Beiträge für die Krankenkasse direkt vom Lohn abgezogen wurden, muss er sich erst an die Gegebenheiten in der Schweiz gewöhnen», sagt Voigt. Es komme nicht selten vor, dass die Krankeassenprämien deshalb nicht bezahlt würden. Von 2008 bis 2009 stieg die Zahl der Krankenkassenbetreibungen daher von 627 auf 800.

Ein weiters Phänomen sei auch eine gewisse Uneinsichtigkeit der Leute, die Prämie der Krankenkasse zu begleichen. «Viele könnten von ihrer finanziellen Lage her die Beiträge zahlen», so Voigt. Da sie gesund seien, gäben sie das Geld aber lieber anderweitig aus. Und es ist eine lange Liste der Ausreden, die Voigt schon zu hören bekommen hat.

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